Voith Paper konfiguriert Papierfabriken

Gigantische Produktionssysteme

Das internationale Traditionsunternehmen Voith Paper konfiguriert seine hochkomplexen Anlagen weltweit mit einem Produktkonfigurator der Stuttgarter Camos GmbH.

Voith Paper ist ein Allrounder unter den Herstellern von Papiermaschinen. Dabei spricht man in Heidenheim, dem Stammsitz des Unternehmens, nicht von Papiermaschinen, sondern von Papierfabriken. Voith versteht sich als Systemlösungsanbieter. Er konstruiert nicht nur optimal auf ihren Zweck abgestimmte Produktionsanlagen, sondern schafft auch das gesamte Umfeld für deren Betrieb – bis hin zu den Umkleidekabinen für die Papiermacher. Allein schon das Design der Anlage ist eine Wissenschaft für sich: Sie muss das gewünschte Papier wirtschaftlich und ökologisch unbedenklich produzieren.

Die Investitionskosten für eine Papierfabrik bewegen sich in derart hohen Regionen, dass niemand eine Maschine durch eine innovative neuere ersetzt. „Wir leben nur vom Wandel und Wachstum“, so Thomas Martin, Processmanager bei Voith Paper. Neue Märkte entstehen, beispielsweise in China, und die Anforderungen in den Industrieländern ändern sich: Der Onlinehandel kurbelt die Nachfrage nach Verpackungspapieren kräftig an, während der Bedarf an Zeitungspapier zurückgeht. Bei Voith werden die Maschinen für alle Papiersorten und alle Einsatzorte seit Mitte der 90er-Jahre auf einer einzigen Plattform entwickelt. Rund 5.000 Funktionsklassen enthält die Wissensbasis. Ein Prozessschritt in der Papierherstellung, etwa die Trockenpartie, wird als Modul zusammengefasst und besteht aus mehreren Funktionsklassen in Form von Baugruppen.

Genauigkeit bei der Vorkalkulation

Seit März 2011 dient der Produktkonfigurator der Stuttgarter Camps GmbH als Wissensbasis. Auf der Konfiguration basiert die Vorkalkulation, deren Genauigkeit in der Regel bei ein bis zwei Prozent liegt. Thomas Martin: „Mit der Software kalkulieren wir extrem nah an den tatsächlichen Kosten. Da es sich dabei um meist achtstellige Summen handelt, sind unsere Kunden, insbesondere aber wir auf eine verlässliche Kostenplanung angewiesen.“ Zu den einzelnen Produktnummern sind nicht nur Kosten, sondern auch Texte hinterlegt. Auf diese Weise entstehen Angebote, die etwa 2.000 Seiten umfassen. Bevor es zum Auftrag kommt, wird jede Seite in Original und Kopie von den Verhandlungspartnern einzeln geprüft und abgezeichnet.

Die Vorprojekte kosten den Auftraggeber bis zu zwei Prozent der Gesamtsumme. Dabei handelt es ich um reine Beratungsleistungen. Schließlich geht es um hochkomplexe Gesamtprojekte, die 50 Prozent Fremdkosten enthalten. Zwischen 1.000 und 2.000 Personen arbeiten auf einer Baustelle, wenn eine neue Papierfabrik entstehen soll. Lediglich 100 bis 150 von ihnen sind Voith-Mitarbeiter. „Seit wir unsere Projekte weltweit verbindlich mit der Konfigurationssoftware planen, konnten wir die Qualität noch einmal steigern. Alle Vertriebsprojektleiter und deren Projektmitarbeiter arbeiten nach einheitlichen Standards mit demselben Angebotssystem“, sagt Thomas Martin. Der Lieferumfang wird präziser als zuvor definiert und es gelingt, mit einem globalen System lokale Anforderungen umzusetzen.

Experten für regionale Märkte

Thomas Martin: „Einer unserer wesentlichen Erfolgsfaktoren ist die regionale Kompetenz. Wer bei uns eine Papierfabrik in Bahrain beauftragt, weiß, dass wir beispielsweise den dortigen Zuliefermarkt genau kennen. Wir haben Experten vor Ort, die – wenn vorhanden – Dienstleister und Zulieferer mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis ausfindig machen. Wir entwickeln ein auf die Region abgestimmtes Energiekonzept und sorgen dafür, dass die Infrastruktur steht, wenn die Produktion aufgenommen wird.“ Die Kunden werden so in die Lage versetzt, 365 Tage im Jahr rund um die Uhr höchst wirtschaftlich und so störungsfrei wie möglich zu produzieren.

Sowohl während der Vertriebsphase als auch bei der Überführung der verkauften Anlage in den Abwicklungsprozess profitiert Voith von der Software. Die Projektqualität sowie die Geschwindigkeit bei der Überführung in die Abwicklung sind gestiegen. Der gesamte Prozess ist transparenter geworden. „Unsere Applikationsingenieure, Einkäufer und Projektmanager sitzen oft in unterschiedlichen Ländern, verteilt auf mehrere Kontinente. Allein schon die unterschiedlichen Zeitzonen stellten früher eine Herausforderung für das Vertriebsprojektmanagement dar. Heute haben wir eine Lösung mit klar definierten Workbenches. Wird allerdings die Gesamtmaschine bearbeitet, sind Eingriffe an einzelnen Modulen schlicht nicht möglich, sonst verlieren wir die Wissensintegrität“, so Thomas Martin. „Unser Angebotstool dient uns zugleich als Projektmanagementsoftware, Projektbudgetplanungs- und Projektcontrollingtool. Denn eines verstehen Anlagenbauer für die Papierindustrie in jedem Fall: effizient einzukaufen und zu produzieren.“

Bildquelle: Voith Paper

Voith Paper ist ein Allrounder unter den Herstellern von Papiermaschinen. Dabei spricht der Anbieter nicht von Papiermaschinen, sondern von Papierfabriken.

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