Lutz Eigenfeld, Professional Solutions Sales Manager Central Europe bei Nvidia
IT-DIRECTOR: Herr Eigenfeld, wie funktioniert das Prinzip der Desktop-Virtualisierung auf Grafikprozessoren?
L. Eigenfeld: Die klassische Desktop-Virtualisierung kann nur eine sehr begrenzte Grafikleistung bei den virtuellen Clients realisieren, da in Standard-Server-Hardware keine Grafikprozessoren verbaut sind und so alle Grafikfunktionen von der CPU, die dafür nicht konzipiert ist, berechnet werden müssen. Für leichte Office-Aufgaben wie E-Mail-Verwaltung, Dokumentenerstellung oder Internetnutzung reicht dies zwar aus, aber schon bei der Betrachtung eines Videos kommen die virtuellen Maschinen an ihr Grenzen.
Geht man einen Schritt weiter und betrachtet professionelle Anwendungen wie Autodesk AutoCAD, Dassault Systèmes Catia oder Adobe Photoshop, reicht die Grafikleistung der virtuellen Maschinen bei weitem nicht aus. Wir haben daher mit der Nvidia-Grid-Technologie dieses Problem adressiert und bieten auch bei virtuellen Arbeitsplätzen eine Grafikleistung an, die der einer physikalisch vorhandenen Workstation gleicht. Der Clou dabei ist, dass wir mit der vGPU-Technik die einzelnen verbauten Grid-GPUs in den Servern in mehrere virtuelle aufteilen können und dadurch auf mehreren Clients gleichzeitig eine hohe Grafikleistung bereitstellen können. Eine Grid-GPU adressiert so bis zu acht Anwender. Das bedeutet für Mitarbeiter im Unternehmen dieFlexibilität bei der Wahl des Arbeitsplatzes. Ein CAD-Modell etwa kann mit Grid von jedem beliebigen, kompatiblen Endgerät bearbeitet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Mitarbeiter im firmeneigenen Netzwerk befindet, oder sich per Fernzugriff über das Internet einloggt. Selbstverständlich ist es alternativ per Pass-Through-Technologie auch möglich, eine physikalische Grid-GPU einem einzelnen virtuellen System zuzuordnen, wenn besonders hohe Leistung benötigt wird.
IT-DIRECTOR: Wie ist es um die Qualität der Datenübertragung bzw. der Performance der virtualisierten Anwendungen auf mobilen Endgeräten bestellt?
L. Eigenfeld: Mobile Endgeräte sind heutzutage leistungsstark genug, um die virtualisierten Anwendungen problemlos darzustellen. Hinzu kommt, dass wir eine patentierte Technologie entwickelt haben, die bei Remote-Nutzung für besonders geringe Latenzen sorgt. Darüber hinaus haben die Grid-GPUs dank unserer Kepler-Architektur eine leistungsfähige H.264 Encoder Engine, die simultane Streams mit höherer Qualität kodieren kann. Die einzige Voraussetzung bei der Remote-Nutzung ist eine schnelle Internetverbindung von ca. zwei bis acht Mbit/s Download. Das gilt aber für alle genutzten Endgeräte.
IT-DIRECTOR: Wie kommen die Daten sicher auf die mobilen Endgeräte? Wie können die Zugriffsberechtigungen verwaltet werden?
L. Eigenfeld: VDI-Technologie stellt dem Endgerät einen interaktiven Videodatenstrom zur Verfügung, der entweder den gesamten Desktop darstellt, oder nur eine Applikation remote startet. Das Endgerät benötigt keinerlei Daten, da diese alle zentral auf dem Server innerhalb des Unternehmens gespeichert sind. Der Nutzer kann auf alle ihm freigegebenen Daten zugreifen und das Unternehmen hat volle Kontrolle über seine Daten. Auch wenn freie Mitarbeiter an Projekten mitarbeiten, bleiben alle Daten im Hause und es wird volle Datensicherheit gewährt. Der IT-Administrator kann über das Nutzer-Interfaces der Virtualisierungsumgebung dem User sowohl die Daten als auch die benötigte Performance des virtuellen Clients zuweisen und diese wenn nötig schnell an neue Bedürfnisse anpassen.
IT-DIRECTOR: Wo liegen eventuelle Knackpunkte einer Desktop-Virtualisierung auf Grafikprozessoren – wie können z.B. bereits im Unternehmen vorhandene ältere Anwendungen damit verknüpft werden?
L. Eigenfeld: Es gibt keine Knackpunkte. Auf dem virtuellen Client wird mit vGPU-Technologie wie bei einer physisch vorhandenen Grafikkarte unser Treiber installiert. Dieser erkennt und konfiguriert die virtuelle GPU genauso, als handele es sich um ein lokales Stück Hardware. Für Anwendungen spielt es daher keine Rolle, ob sie auf einem lokalen Rechner installiert werden oder auf einer virtuellen Maschine mit virtueller GPU. Daher sind alle Anwendungen, die bisher eingesetzt werden kompatibel. Auch können die virtuellen Grafikkarten für die Clients sowohl als Grid-Grafikkarten für Office-Aufgaben als auch als Grid-Grafikkarten für professionelle Anwendungen konfiguriert werden.
IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist die Nutzung von Desktop-Virtualisierung auf Grafikprozessoren verbunden – etwa hinsichtlich der Anschaffung neuer Hardware, Migration auf neue Softwaresysteme, etc.?
L. Eigenfeld: Unsere Grid-Karten können in viele bestehende Server der einschlägigen OEM-Hersteller verbaut werden. Je nach vorhandener IT-Umgebung müssen also lediglich die Grid-Karten angeschafft oder einzelne Serverracks aktualisiert werden. Auf der Softwareseite wird Grid von Citrix, Microsoft und VMware unterstützt. Hier ist also eventuell ein Software-Update nötig. Dann müssen nur noch Grid-Software und Treiber installiert werden und schon kann es losgehen. Viel wichtiger ist aber, dass nach einer Umstellung auf Grid die Gesamtkosten sinken. Höhere Effizienz und weniger aufgerüstete Clients sorgen für niedrigeren Energieverbrauch.
IT-DIRECTOR: Gibt es bereits ein konkretes Anwendungsbeispiel?
L. Eigenfeld: Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroen hat seine bestehenden Bladeserver mit der Grid-Technologie bestückt, um Designern weltweit Zugang zu leistungsfähigen 3D-Arbeitsplätzen zu bieten. Rund 300 Mitarbeiter können jetzt von überall mit unterschiedlichen Endgeräten die volle Leistung einer Workstation abrufen. Gleichzeitig verringerten sich durch das effiziente GPU-Sharing die Kosten pro Anwender um 40 Prozent.