Interview mit Robert Hoffmann, 1&1

Grünes Logo für das Rechenzentrum

Interview mit Robert Hoffmann, Vorstandssprecher bei der 1&1 Internet AG

Robert Hoffmann, 1&1 Internet

Robert Hoffmann, Vorstandssprecher bei der 1&1 Internet AG

IT-DIRECTOR: Stichwort Klimatisierung: Kalt-Warm-Gänge und freie Kühlung sind bereits gängige Methoden für eine energieeffizientere Klimatisierung im Rechenzentrum. Welche weiteren Vorgehensweisen können hier Energiekosten sparen?
R. Hoffmann: Eine einfache, aber sehr wirksame Maßnahme ist allein schon, die Serverräume nicht unnötig weit abzukühlen. Im Unterschied zu früher ist die heutige Technik deutlich temperaturrobuster. Diesen Fortschritt können sich Rechenzentrumsbetreiber zunutze machen, indem sie die maximal zulässigen Wärmewerte der elektronischen Komponenten voll ausschöpfen. Die Klimatisierung sollte außerdem bedarfsgerecht erfolgen. Gewährleisten lässt sich das unter anderem durch den Einsatz flexibler Ventilatoren, die sich automatisch an die jeweiligen Erfordernisse anpassen.

IT-DIRECTOR: Welche Methoden bzw. Technologien sorgen bei anderen RZ-Komponenten für mehr Energieeffizienz?

R. Hoffmann: Es gibt viele Möglichkeiten, die Energieeffizienz zu steigern. So erschweren beispielsweise sowohl zu volle als auch zu leere Serverschränke die Kühlung. Die Racks sollten immer relativ gleichmäßig bestückt sein, um etwa das Entstehen von Hotspots bzw. Wärmenestern zu verhindern. Wird die kalte Zuluft durch einen Hohlraum im Boden zu den Rechnern geführt, ist es zudem ratsam, den Lüftungsweg nicht unnötig mit Rohrleitungen oder Kabeln zu verstopfen. Hocheffiziente USV-Anlagen mit einem Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent, die im laufenden Betrieb optimal ausgelastet werden, machen sich ebenfalls positiv bemerkbar.

IT-DIRECTOR: Inwieweit nutzen Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland bereits erneuerbare Energie für den Betrieb ihres Data Center?

R. Hoffmann: Experten schätzen, dass im besten Fall 25 Prozent des Strombedarfs der deutschen Rechenzentren aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.

IT-DIRECTOR: Welche Zertifizierungen garantieren dem Endanwender, dass die genutzten RZ-Services aus einem energieeffizienten Rechenzentrum stammen?

R. Hoffmann: Eine seriöse Zertifizierung bieten in Deutschland unter anderem verschiedene Tüv-Prüfstellen an. Als Beleg für Energieeffizienz im IT-Bereich gilt zudem der „Blaue Engel“. Wir selbst haben ein „grünes Logo“ konzipiert, das sich unsere Kunden kostenfrei über das persönliche Controlcenter herunterladen können. So können Firmen oder Privatanwender den Besuchern ihrer Webseite zeigen, dass ihnen der Umweltschutz wichtig ist und ihre Internetpräsenz deshalb in einem Rechenzentrum gehostet wird, das Strom aus erneuerbaren Energien bezieht. Der Strom für die mehr als 15.000 Server in unserem Hochleistungsrechenzentrum in Karlsruhe stammt beispielsweise aus einem norwegischen Wasserkraftwerk.

IT-DIRECTOR: Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die für Energieeffizienz in Ihrem Rechenzentrum sorgen?

R. Hoffmann: Wir verwenden ein intelligentes Kühlungssystem, bei dem die gekühlte Luft direkt in die Gehäuse der Server gepresst wird. Das warme Kühlwasser wird zunächst durch Freiluftkühler geschleust, die ohne energiehungrige Kompressoren auskommen. Selbst bei einer relativ hohen Außentemperatur von zehn Grad Celsius können wir so Energie einsparen.
Auf die Hardware entfallen rund 30 Prozent des gesamten Energiebedarfs eines Rechenzentrums. Daher achten wir selbstverständlich auch hier auf hohe Effizienz. Ein Großteil der Rechner wird speziell für 1&1 zusammengebaut. Wir verzichten dabei auf überflüssige Komponenten und setzen stromsparende Prozessoren sowie Netzteile mit weniger als 20 Prozent Wärmeverlust ein. Da wir zudem dafür sorgen, dass im Stand-By-Modus möglichst wenig Hitze abgesondert wird, müssen unsere Serverräume nicht so stark gekühlt werden. Unser Webhosting-Betriebssystem ist eine Eigentwicklung, basierend auf Linux. Dank der Modifikation können wir auf einem einzigen Rechner Daten von bis zu 10.000 Kunden verwalten. Nicht zuletzt sorgen wir durch zunehmende Virtualisierung bzw. den Einsatz von Cloud-Lösungen für eine höhere Serverauslastung, was den Energieverbrauch ebenfalls deutlich reduziert.

IT-DIRECTOR: Wie energieeffizient arbeitet Ihr Rechenzentrum? Welchen PUE-Wert weist Ihr Data Center aktuell auf?

R. Hoffmann: Studien zufolge liegt der in Rechenzentren erzielte Durchschnitt bei rund 1,9. Unsere Rechenzentren haben einen besseren PUE-Wert, weil wir bereits beim Bau sehr stark auf Energieeffizienz geachtet haben. Der PUE-Wert ist momentan die einzig vorhandene Kenngröße, um die Energieeffizienz von Rechenzentren länderübergreifend zu vergleichen. Bei der Bewertung sollte man allerdings berücksichtigen, dass es keine allgemeingültige Formel zur Ermittlung des PUE-Wertes gibt, da die Energieeffizienz eines Rechenzentrums von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird und ein Vergleich so nur schwer möglich ist. Hinzu kommt, dass sich das Einsparen von Energie unter Umständen negativ auf die Verfügbarkeit auswirken kann. Je weniger Energie beispielsweise in die Strom- und Klimaabsicherung oder in Vorrichtungen zur Branderkennung und -vermeidung fließen, desto höher ist das Ausfallrisiko.

IT-DIRECTOR: Wie viel Energie konnten Sie mit Ihren Maßnahmen in den letzten beiden Jahren einsparen?
R. Hoffmann: Wie viel Energie wir durch die verschiedenen Maßnahmen pro Jahr einsparen, erheben wir nicht, da wir bei unseren Rechenzentren immer schon großen Wert auf Energieeffizienz gelegt haben, beispielsweise durch Kalt-Warm-Gänge bei der Klimatisierung. Neben der Tatsache, dass wir damit einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leisten (durch die verschiedenen Maßnahmen werden zum Beispiel bis zu 42.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart), liegt ein möglichst niedriger Energieverbrauch natürlich auch in unserem ureigenen Interesse. Zumal die Stromkosten nach Geräten und Infrastruktur der größte Kostenposten beim Betrieb eines Rechenzentrums sind. Die Einsparungen, die wir durch den Einsatz energiesparender Technologien erzielen können, machen sich nicht zuletzt für unsere Kunden in günstigeren Tarifen bemerkbar.

IT-DIRECTOR: Wie gewährleisten Sie die Hochverfügbarkeit Ihres Rechenzentrums? Wie garantieren Sie dabei, dass die Absicherung der IT nicht zu Lasten der Energieeffizienz geht?

R. Hoffmann: Wir achten hier intensiv auf eine ausgewogene Balance. Denn der Preis für einen besonders niedrigeren PUE-Wert darf natürlich nicht in einem größeren Ausfallrisiko bestehen. Unsere Rechenzentren gehören zu den sichersten in ganz Europa. Speziell geschulte Mitarbeiter, mehrfach redundant ausgelegte Komponenten sowie umfassende Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor Stromausfällen, Datenverlusten, Cyberattacken und äußeren Gefahren wie Feuer oder Wasser garantieren an 365 Tagen pro Jahr höchste Verfügbarkeit.
Als erster großer Provider weltweit haben wir zudem den doppelten Schutz georedundanter Servertechnologie auch für Budget-Hosting erschlossen. Das Konzept bedeutet eine neue Dimension der Ausfallsicherheit, da jeder Onlineauftritt in zwei unterschiedlichen Hochleistungsrechenzentren gleichzeitig existiert. Alle Daten und Prozesse werden für diese aufwendige standortübergreifende Redundanz nahezu in Echtzeit gespiegelt. Auch für den Katastrophenfall haben wir vorgesorgt und die zugrunde liegende Basisinfrastruktur ausfallsicher über drei Rechenzentren auf zwei Kontinenten realisiert.  

IT-DIRECTOR: Wenn Sie heute die freie Wahl hätten – an welchem Standort würden Sie sofort ein neues Rechenzentrum bauen? Und warum gerade an dieser Stelle?
R. Hoffmann: Die Standortfrage wird immer von mehrere Kriterien beeinflusst. Gebäudesicherheit, Baukosten, Stromversorgung, Datenschutz und Netzanbindung sind nur einige Faktoren, die bei der Wahl eine Rolle spielen. Derzeit planen wir den Bau unseres sechsten Rechenzentrums in Frankreich. Das Gros unserer Rechenzentren betreiben wir in Deutschland.


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