Rechenzentren

„Hier schlummert ein großes Potenzial“

Worauf es beim Bau und Betrieb von zukunftsfähigen Datacentern ankommt, erläutert Florian Sippel, Chief Operations Officer (COO) bei der Noris Network AG.

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„Die gewaltige Datenmenge ist heute eigentlich nicht mehr das große Problem“, sagt Chief Operations Officer (COO) Florian Sippel.

ITD: Vor welchen Herausforderungen steht die Rechenzentrumsbranche angesichts rasant wachsender Datenmengen?
Sippel: Die gewaltige Datenmenge ist heute eigentlich nicht mehr das große Problem. Die externe Anbindung von Rechenzentren, Server- und Netzwerkkomponenten sowie Storage-Systeme sind heute so leistungsfähig, dass man auch mit mittleren Budgets sehr leistungsfähige Systeme auf die Beine stellen kann. Die Herausforderung betrifft vielmehr den Schutz von Datenbeständen, die weltweit über das Internet verfügbar sein müssen. Das gilt gerade in Anbetracht der stetig rasant wachsenden Cyberbedrohungen. IT-Sicherheitssysteme und die physische Sicherheit von Rechenzentren müssen auf ein Niveau gebracht werden, das auch Szenarien abdeckt, die wir heute noch für unrealistisch halten. Der eigentliche Schutz der Daten erfolgt dann aber im Betrieb der Systeme durch Sicherheitsmechanismen und Prozesse. Wichtig dabei ist es, sich immer wieder Tests, Prüfungen und Audits zu unterziehen, um etwaige Lücken im Vorfeld zu schließen.

ITD: Wie lassen sich Rechenzentren in Zukunft energieeffizienter betreiben?
Sippel: Die größten Energiefresser liegen immer in den Bereichen „Klimatisierung“ und „unterbrechungsfreie Stromversorgung“. Doch die Innovationskurve flacht hier langsam ab. Das größte Potenzial haben aus unserer Sicht die Einspeisung der Abwärme in ein Niedertemperatur-Nahwärmenetz und PV-Anlagen, die direkt in das Rechenzentrum (RZ) einspeisen. Außerdem können Rechenzentren mit ihren Netzersatz- sowie USV-Anlagen am Regelenergiemarkt teilnehmen und so zu einem wichtigen Baustein der Energiewende werden.

ITD: Welche Schwierigkeiten gilt es für RZ-Betreiber auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft noch zu überwinden?
Sippel: Hier gibt es zwei Faktoren – einmal die Verschlankung und Vereinfachung der rechtlichen Grundlagen und Genehmigungsverfahren, die überwunden werden müssen, um ein Rechenzentrum nachhaltig auszurüsten und zu einem integralen Bestandteil der Strom- und Wärmeversorgung zu machen. Zum anderen sind es Standortfaktoren wie der Strompreis. Er macht deutsche Rechenzentren im internationalen Vergleich teurer und damit unattraktiver.

ITD: Welches Potenzial sehen Sie in der Nutzung der Abwärme aus deutschen Rechenzentren, um z.B. Wohnungen und Büros damit zu heizen?
Sippel: Wir sehen hier viel Potenzial und Nutzen. Aus diesem Grund planen wir schon heute für unseren nächsten RZ-Neubau eine Anbindung an ein Nahwärmenetz zur Versorgung eines Neubaugebietes.

ITD: Was müssen Datacenter in puncto „Kapazitäten“ zukünftig leisten können, etwa mit Blick auf „Industrie 4.0“, „Autonomes Fahren“ und die „Smart City“?
Sippel: Bei den angesprochenen Themen geht es in erster Linie um die Skalierbarkeit und Flexibilität von Rechenzentren. Zu einigen Einsatzszenarien gehören kleine modulare Rechenzentren, die innerhalb kurzer Zeit produziert und vor Ort errichtet werden können, ohne dabei auf Energieeffizienz und Verfügbarkeit verzichten zu müssen. Mit diesem Edge-Datacenter werden sich neue Geschäftsmodelle ergeben.

ITD: Rechenzentren sind das Rückgrat unserer digitalen Gesellschaft. Insofern spielt die Sicherheit eine zentrale Rolle bei der Konzeption und Planung eines RZ. Welche Aspekte sind hier zu berücksichtigen?
Sippel: Die Aspekte sind so vielschichtig, dass eine vollständige Auflistung den Rahmen sprengen würde. Hervorheben möchte ich aber Standortfaktoren, die nicht nur die Anbindung an Infrastrukturen berücksichtigen, sondern vielmehr auch Risikofaktoren wie Elementargefahren wie Sturm oder Hochwasser berücksichtigen. Weiterhin spielt gerade bei der Verarbeitung sensibler Daten z.B. für Kunden aus der Finanzbrache, Health oder dem öffentlichen Bereich die physische Sicherheit eine sehr große Rolle. Hier geben die Vorgaben des BSI oder TüV TSI schon sehr gute Anhaltspunkte und Vorgaben.

ITD: Wie wird sich die RZ-Branche in nächster Zeit aus Ihrer Sicht entwickeln?
Sippel: Viele Firmen betreiben nach wie vor noch eigene Rechenzentren oder Server-Räume. Rein sachlich betrachtet gibt es dafür heute kaum noch fundierte Argumente. Hier schlummert immer noch ein großes Potenzial. Auch der öffentliche Sektor hat noch einen gewaltigen Aufholbedarf in Sachen Digitalisierung, der mit der Nutzung hochsicherer RZ-Flächen einhergehen wird. Aber auch und gerade die Firmen, die bereits ihre IT in Rechenzentren ausgelagert haben, verzeichnen großes Wachstum, wodurch wir der mittelfristigen Entwicklung optimistisch gegenüberstehen. 

Bildquelle: Noris Network

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