Cybersecurity

Hoher Druck auf kritische Infrastrukturen

Deutschlands Betreiber kritischer Infrastrukturen stehen unter wachsendem Cyberdruck. Besonders groß ist die Sorge vor Angriffen mit leistungsfähigen KI-Modellen.

Kritische Infrastrukturen stehen unter Druck

Deutschlands Betreiber kritischer Infrastrukturen stehen unter wachsendem Cyberdruck. Besonders groß ist die Sorge vor Angriffen mit leistungsfähigen KI-Modellen, stellt der "State of Critical Infrastructure Cybersecurity Report 2026" von Palo Alto Networks fest. 97 Prozent der befragten Sicherheitsentscheider in Deutschland sehen in KI ein Risiko. 44 Prozent bewerten die Bedrohung als sehr oder extrem hoch. Zugleich fehlt vielen Unternehmen eine wesentliche Voraussetzung für schnelle Abwehr: 66 Prozent haben keine vollständige Echtzeitsicht auf ihre OT-Infrastruktur.

Deutschland liegt damit nahe am internationalen Gesamtbild. Weltweit fehlen 68 Prozent der befragten Organisationen vollständige Echtzeitinformationen über alle mit dem OT-Netz verbundenen Assets. Im Durchschnitt gelten 23 Prozent der angeschlossenen OT-Systeme als unverwaltet oder schwer zu überwachen. Besonders häufig erschweren ältere OT-Systeme die Transparenz. Global nennen 52 Prozent Legacy-OT als eine der größten Hürden.  

Für deutsche Betreiber entsteht daraus ein Zielkonflikt. Produktionsanlagen, Energieversorgung, Verkehrssysteme oder medizinische Technik müssen zuverlässig laufen. Viele OT-Systeme lassen sich deshalb nicht kurzfristig austauschen oder für Updates abschalten. Gleichzeitig wächst die Angriffsfläche durch stärker vernetzte OT, IoT-Geräte und private 5G-Netze. KI kann Angreifern helfen, Schwachstellen schneller zu identifizieren und Attacken zu beschleunigen. Weltweit sorgen sich 95 Prozent vor Angriffen mit sogenannter Frontier AI, also besonders leistungsfähigen KI-Modellen.

Zu viele Werkzeuge erhöhen die Komplexität

Deutsche Infrastrukturbetreiber setzen im Durchschnitt sieben verschiedene Security-Tools ein. Das erhöht den Aufwand. 54 Prozent berichten von größerer betrieblicher Komplexität. 59 Prozent sehen höhere Betriebskosten, etwa durch Wartung und heterogene Altsysteme. International zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch dort kommen im Schnitt sieben unterschiedliche Sicherheitssysteme zum Einsatz.

Das Problem liegt damit weniger in der Zahl vorhandener Schutzmechanismen als in ihrer Koordination. Getrennte Systeme erzeugen eigene Warnmeldungen, Datenbestände und Arbeitsabläufe. Das erschwert die Priorisierung und kann Reaktionen verzögern. Gerade bei automatisierten oder KI-gestützten Angriffen wird Zeit zum kritischen Faktor. Fast jeder fünfte deutsche Befragte beschreibt die Situation als permanenten Wettlauf gegen hochprofessionelle Angreifer.

Die Folgen sind im Betrieb angekommen. 69 Prozent der deutschen Unternehmen verzeichneten innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einen Sicherheitsvorfall mit Auswirkungen auf den Betrieb. Besonders häufig kam es zu ungeplanten Ausfallzeiten. 55 Prozent nennen diese Konsequenz. 52 Prozent berichten von finanziellen Verlusten. International waren 59 Prozent von einem erheblichen Sicherheitsvorfall betroffen.

IT und OT müssen enger zusammenrücken

Ein weiterer Schwachpunkt liegt in der Trennung von IT- und OT-Sicherheit. International haben 74 Prozent der Organisationen ihre Security Operations für beide Bereiche noch nicht vollständig integriert. Technische Inkompatibilitäten und unterschiedliche Prioritäten der Teams zählen zu den wichtigsten Hindernissen. Gemeinsame Sichtbarkeit, abgestimmte Prozesse und automatisierte Priorisierung können deshalb wichtiger werden als weitere Einzellösungen.  

Für deutsche KRITIS-Betreiber zeichnet sich damit eine klare Aufgabe ab. Mehr Schutz entsteht nicht automatisch durch mehr Tools. Entscheidend sind ein möglichst vollständiges Bild der OT-Umgebung, abgestimmte Abläufe zwischen IT und OT sowie schnelle Reaktionen auf relevante Warnungen. KI erhöht dabei den Druck, kann aber zugleich Teil der Verteidigung werden. Weltweit erwarten 91 Prozent, dass KI-gestützte Cybersecurity eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Frontier-AI-Risiken spielen wird. 

Mit KI-Unterstützung verfasst.

Bild: DC Studio / Magnific

 

 

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