Für viele Konzerne ist Nachhaltigkeit inzwischen Pflicht statt Kür – auch deshalb sollten IT-Dienstleister sie nicht ignorieren.
Zahlreiche Unternehmen schwimmen auf der Welle der Digitalisierung und wollen sich transformieren. Kein Wunder also, dass sie nach und nach ihre Digital- und IT-Budgets erhöhen – das belegt die Lünendonk-Studie 2022. Diese befasst sich mit dem Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland. Eindeutig wird auch: Dienstleister sind gefragt wie nie. Deshalb werden für 2023 zweistellige Umsatzzuwächse bei Managed Services erwartet.
Diese Entwicklung ist u.a. eine Folge von Klimakrise und Corona-Pandemie, die für einen Digitalisierungsschub gesorgt hat. „Tatsächlich gilt einmal mehr, dass herausfordernde Zeiten ein Stück weit als Katalysator wirken“, sagt Stefan Smolka, Geschäftsführer der Avanade Deutschland GmbH. „Ebenso sehen wir, dass allgemeingültige Aussagen nur schwer zu treffen sind. Es hängt natürlich vom jeweiligen Unternehmen und seinen internationalen Verflechtungen sowie von der Branche ab.“ In der Vergangenheit habe es Rückstände in Sachen „Digitalisierung“ gegeben, die teils sehr schnell aufgeholt werden mussten. Das habe auch zufriedenstellend funktioniert. „Jedoch war eine kurze Reaktionszeit wichtiger als strategische Erwägungen oder Maximierung bei der Effizienz. Hier gibt es nun entsprechende Nachholeffekte“, betont der IT-Experte.
Eine außergewöhnliche Entwicklung, die aus der Digitalisierung folgt, sieht Sebastian Neus, Gründer und Geschäftsführer der Conciso GmbH aus Dortmund, im Bereich „Homeoffice“. In sehr kurzer Zeit sei auf breiter Ebene Remote-Arbeit ermöglicht worden. Viele Dienstleister hätten von der dadurch akuten Nachfrage profitiert. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie nachhaltig die Entwicklung sein wird und mit welchen Stolpersteinen Unternehmen zu kämpfen haben werden.
Martin Rothe, Client Unit Director bei Allgeier IT, beschreibt die IT-Dienstleistung als Wachstumsmarkt. Die Anzahl der Ausschreibungen im öffentlichen Sektor etwa nehme stetig zu. „Das hat zum einen mit dem Druck auf die Verwaltungen zu tun, digitale Services für die Bürger und die Wirtschaft zu entwickeln. IT-Dienstleister kommen aber zum anderen auch deswegen verstärkt zum Einsatz, weil die Anforderungen an IT-Experten sehr spezifisch sind und die Aufgaben Projektcharakter haben“, sagt er. Neus erklärt, dass die Suche nach externer Unterstützung derzeit sehr unterschiedlich gemanagt werde und maßgeblich von internen Ressourcen wie der Anzahl von Mitarbeitern oder der vorhandenen Qualifikationen abhänge.
Auch veränderten sich Fokus und Aufgabe von Dienstleistern: „Unternehmen wollen die eigene Organisation weiterentwickeln und IT zum Bestandteil ihrer Produkte und Services machen. Dafür brauchen sie einen Partner, der eher als Coach agiert und bestimmte Methoden und Techniken vermittelt“, erläutert er. Zudem nehme die Relevanz von individuell entwickelter Software zu. Gerade in diesem Bereich seien fast alle Unternehmen auf externe Unterstützung angewiesen.
Wo also sollen Unternehmen ansetzen, wenn sie sich auf die Suche nach externer Unterstützung umsehen? „Grundsätzlich gibt es nicht den einen IT-Dienstleister, weil es eben auch nicht das eine IT-Projekt gibt“, warnt Neus. Bevor ein Unternehmen einen passenden Partner auswählen könne, müsse es zunächst die Aufgabe konkretisieren und erkennen, um welche Art von Aufgabe es sich handelt. „Und das ist oft gar nicht so trivial.“ Insofern sei es ein erstes gutes Zeichen, wenn ein IT-Dienstleister zunächst kritisch nachfrage, um was es genau geht. „Der Dienstleister muss immer auch Enabler für ein Unternehmen sein“, betont der IT-Experte. „Er sollte sein Wissen teilen und dem Unternehmen so ermöglichen, auch eigenständig zu handeln.“
Für Smolka macht die enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Externen den Unterschied. Und: „Ein guter IT-Dienstleister kennt und versteht die Probleme seiner Kunden. Er kennt die Kunden der Kunden. Er begreift den Markt mit seinen Mechanismen. Er weiß um die Branche und kann die richtigen Zusammenhänge herstellen.“ Ein guter Dienstleister müsse jederzeit erfolgreicher Gründer in der Branche seines Kunden sein können.
„Unsere Kunden im öffentlichen Sektor formulieren schon in ihren Ausschreibungsunterlagen sehr klare Anforderungen hinsichtlich Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility“, erklärt Rothe. Deshalb solle das Thema „Nachhaltigkeit“ eine klare Rolle bei der Entscheidung für einen Dienstleister spielen. „Wir alle sind beim Klima- und Umweltschutz gefordert und dafür verantwortlich, dass Diversität, Fairness und Gleichstellung in Wirtschaft und Gesellschaft gelebt werden“, betont der Client Unit Director.
Dass das Thema „Nachhaltigkeit“ in den vergangenen Jahren für Unternehmen an Bedeutung gewonnen hat, unterstreicht auch Neus. „Wenn Nachhaltigkeit dann auch ein Aspekt bei der Auswahl eines Dienstleisters ist, ist das nur logisch und konsequent. Und begrüßenswert!“ Ein Bereich, der an dieser Stelle künftig noch an Bedeutung gewinnen werde, sei die gezielte datenbasierte Analyse von Prozessen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitseffekte und davon ausgehend die Simulation von Szenarien. „Das kann beispielsweise einen Produktionsprozess betreffen oder eine Transportroute für Lkw. Eines sollte bei alldem aber nicht vergessen werden: IT selbst verbraucht auch Energie und verursacht Emissionen.“
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Großes Potenzial, um einen nachhaltigen Beitrag in Unternehmen zu leisten, haben jetzt und in Zukunft auch Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI). Auch Big Data spricht Rothe an dieser Stelle Relevanz zu. „Da ist nicht nur der KI-gestützte Chatbot, der Fragen zur Steuererklärung beantwortet oder die nötigen Dokumente für ein Gründungsvorhaben heraussucht. Die Optimierung von Verkehrsflüssen, die Lärmbelastungen und Emissionen eindämmt, ist ein weiteres großes Zukunftsthema“, betont er. Grundsätzlich sei es eine Stärke von KI, Muster in Daten zu erkennen, nach denen sonst nicht gesucht würde, schließt sich Conciso-Experte Neus an. „So gewinnen wir immer wieder Erkenntnisse, die ganz neue Wege aufzeigen.“ Allerdings rät er, keine Wunder zu erwarten – „denn auch heute mangelt es eigentlich nicht am Wissen“. Es mangele an nachhaltigem Verhalten. „Darauf zu hoffen, dass KI einen Weg findet, wie wir weitermachen können wie bisher und dennoch das Klima retten, ist vermutlich vergebens.“
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