Dr. Rolf Werner, Geschäftsführer der T-Systems MMS
Dr. Rolf Werner, Geschäftsführer der T-Systems MMS
Dr. Rolf Werner, Geschäftsführer der T-Systems MMS
IT-DIRECTOR: Herr Werner, aktuell spricht die Branche häufig vom Internet of Everything. Was verstehen Sie darunter?
R. Werner: Wir bieten als T-Systems MMS sämtliche webbasierten Leistungen an. Im Zuge dessen steht das Internet im Mittelpunkt unseres Schaffens sowie aller Services für unsere Kunden. Dabei sind wir mittlerweile an einem Punkt angelangt, den man durchaus als nächste industrielle Revolution betiteln kann. Es werden nicht mehr allein Maschinen miteinander vernetzt, vielmehr geht es beim Internet of Everything um die durchgehende Vernetzung von Menschen, Prozessen, Projekten, Daten, Applikationen und sämtlicher Geräte.
IT-DIRECTOR: Welche Folgen zieht diese Entwicklung nach sich?
R. Werner: Es entstehen vollkommen neue Interaktionsbereiche, die weit über das reine „Internet of Things“ hinausgehen. Denn hier ging es bislang allein darum, Geräte mit dem Internet zu verbinden – wenn etwa die Kaffeemaschine über ihre IP-Adresse automatisch meldet, dass die Bohnen bald alle sind. Solche Beispiele sind eher langweilig.
Beim Internet of Everything durchdringt die Vernetzung dagegen sämtliche Arbeits- wie Lebensbereiche. Ein Beispiel: Ich selbst steuere über mein Smartphone zuhause die Heizung, schalte das Licht aus oder fahre die Jalousien hoch und herunter. Zudem trage ich rund um die Uhr ein Armband, das meine Vitalwerte und Schlafphasen aufzeichnet sowie einen Bewegungstracker besitzt, meine Schritte zählt. Alle gesammelten Daten werden in der Cloud vorgehalten und via App zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig befinden sich entsprechende Collaboration-Tools auf meinem Mobilgerät. Damit kann ich mit meinen Mitarbeitern von unterwegs per Mail und Chat oder über unseren Firmenblog kommunizieren.
Hinsichtlich des Internet of Everything verschwimmen die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt zunehmend. Dabei machen sich die Nutzer kaum mehr Gedanken darüber, welche Technologien, SIM-Karten oder Prozessoren eigentlich in den Geräten integriert sind.
IT-DIRECTOR: Wohin wird dies noch führen?
R. Werner: In Zukunft könnten Chips unter die Haut von Menschen implementiert werden. Sie könnten den Gesundheitszustand überwachen und automatisch melden, wenn Blutdruck oder Herzschlag nicht mehr im Normalbereich liegen. In diesem Fall wird automatisch ein Notruf abgesetzt, was insbesondere für ältere Menschen eine lebensrettende Maßnahme sein kann.
IT-DIRECTOR: Welche Gefahren birgt das Internet of Everything durch die Vernetzung sämtlicher Lebensbereiche?
R. Werner: Einige, so sollte man trotz aller Vernetzung die mündliche Kommunikation nicht verlernen. Denn man kann mit seinen Kollegen durchaus auch persönlich sprechen, anstatt nur Chats abzusetzen. Ein Negativbeispiel sind Gesprächsrunden, bei denen die Mitarbeiter mit gesenkten Köpfen am Tisch sitzen und ununterbrochen auf ihrem Smartphone herumtippen. Ein Beispiel dafür, wie sich das Abdriften in virtuelle Welten nachteilig auf soziale Verhaltensweisen auswirken kann.
Desweiteren stößt die zunehmende Vernetzung an die Grenzen von Datenschutz und der Aufrechterhaltung von Privatsphäre. Insbesondere wenn es um die Gesichtserkennung in Verbindung mit Facebook oder dem Einsatz von Google Glass und Drohnen geht, wird dies schwierig werden.
IT-DIRECTOR: Bislang sprachen wir über den privaten Bereich. Welche Herausforderungen kommen mit dem „Internet of Everything“ auf die Unternehmensverantwortlichen zu?
R. Werner: Bei der Vernetzung von Produktionsbereichen – Stichwort Industrie 4.0 – geht es in erster Linie um Sicherheit und Hochverfügbarkeit. Eine Grundvoraussetzung dafür stellen sichere, hochperformante Netze dar. Als ein Unternehmensteil des größten europäischen Netzanbieters, der Deutschen Telekom, können wir dies in Kundenprojekten gewährleisten. Und im nächsten Schritt setzen wir darauf dann die Applikationsebene auf.
IT-DIRECTOR: Können Sie ein Beispiel nennen?
R. Werner: Momentan realisieren wir ein solches Projekt bei einem DAX-Unternehmen. Dabei stellt die T-Systems International eine Infrastrukturplattform zur Verfügung und wir realisieren das Intranet sowie eine Sharepoint-Umgebung für den Kunden.
IT-DIRECTOR: Das Thema „Sicherheit“ wird mit einem Internet of Everything an Bedeutung weiter zunehmen. Wie garantieren Sie die Sicherheit der Systeme?
R. Werner: Datenschutz und Datensicherheit haben für uns und die Deutsche Telekom insgesamt höchste Priorität. So haben wir kürzlich mit „Clean Pipe“ ein Sicherheitsprodukt für mittelständische Unternehmen vorgestellt, für das wir ausschließlich deutsche Hardware einsetzen, etwa einen zertifizierten Router von Lancom. Außerdem plädieren wir für ein „Internet der kurzen Wege“, denn warum sollte ein E-Mail von Dresden nach Berlin über New York oder London laufen?
Wir greifen auf das Know-how der Deutschen Telekom rund um das Thema Cybersecurity zurück und beschäftigen selbst ca. 70 Spezialisten. 100-prozentige Sicherheit wird es zwar nie geben, aber unsere so genannten Ethical bzw. White Hacker prüfen in unserem Auftrag ständig die IT-Sicherheit in Projekten und versuchen so, Angreifern immer einen Schritt voraus zu sein.
IT-DIRECTOR: Können Sie ein konkretes Szenario für die Clean Pipe beschreiben?
R. Werner: „Clean Pipe“ ist insbesondere für mittelständische Unternehmen geeignet. Dieser Service aus der Cloud überwacht den gesamten Internetverkehr eines Standorts und filtert schädliche Inhalte nach zuvor festgelegten Kriterien aus. Neben den Bürorechnern können sie zusätzlich mobile Geräte wie Smartphones und Laptops einbinden.
Um „Clean Pipe“ nutzen zu können, wird der Lancom-Router am Firmenstandort installiert. Die gesamte Sicherheits-Infrastruktur und der gesicherte Internetzugang kommen aus der hochsicheren Cloud von
T-Systems. Pilotkunden testen den Service bereits, und im Detail stellen wir ihn auf der Cebit vor.
IT-DIRECTOR: Die Cloud soll also die Lösung aller Sicherheitsprobleme sein?
R. Werner: Im Falle von „Clean Pipe“ profitieren kleine Unternehmen von einem Sicherheits-Know-how, das sonst nur Konzernen zur Verfügung steht. Das geht nur mit Hilfe der Cloud. Aber ich will Ihnen noch ein weiteres Beispiel nennen: Seit letztem Jahr bieten wir mit „Doculife“ ein Dokumenten-Management-System (DMS) aus der Cloud, mit dem die Kunden selbst verschiedene digitale Aktenordner aufsetzen können. Die Dokumente halten wir in der T-Systems-Cloud vor, d.h. sie liegen in einem deutschen Rechenzentrum und die dafür genutzte DMS-Software stammt von unserem Schweizer Partner Document Future. Der Deutsche Anwaltverein stellt seinen Mitgliedern, rund 160.000 Anwälten und Notaren, diese Cloud-Lösung zur Verfügung. Und seien Sie versichert, er würde dies nicht tun, wenn er von der Sicherheit der Lösung nicht überzeugt wäre. Außerdem zählt seit Dezember auch die Telefunken Licht AG zu den Anwendern des Systems. Dem Unternehmen, das vielfach in Asien produzieren lässt, ging es vor allem um die Absicherung der Patente, die weltweit sicher zur Verfügung gestellt werden müssen.
IT-DIRECTOR: Lässt sich das DMS an vorhandene Systeme anbinden?
R. Werner: Ja natürlich – die Interoperabilität der Systeme ist ja quasi eine Grundvoraussetzung für das Internet of Everything. In diesem konkreten Fall gilt: Der Anwender kann weiterhineine Sharepoint-Oberfläche nutzen und direkt dahinter das Doculife-System anbinden. Dann arbeiten die User mit ihrem gewohnten Frontend, das Backend stellt unsere DMS-Lösung dar. Ein Vorteil: Weder der Datenschutzbeauftragte noch der Betriebsrat kommt in die Bredouille, da wir genau nachweisen können, wo kritische Informationen wie Finanz- oder Personaldaten in der Cloud vorgehalten werden.
IT-DIRECTOR: Für wen eignen sich Ihre Cloud-Lösungen?
R. Werner: Für kleine und mittlere Betriebe bis hin zu Großkonzernen, denn sie können die Cloud-Services ohne Anfangsinvestitionen sofort nutzen. In diesem Rahmen bieten wir überdies entsprechende Leasing-Pakete an. Dafür arbeiten wir seit letztem Jahr mit der Deutschen Leasing AG zusammen. Darüber können sich die Anwender Lösungen für fünf Euro pro Monat ebenso finanzieren lassen wie ein Projekt im Millionenbereich.
IT-DIRECTOR: Nicht immer klappt der Umstieg in die Cloud reibungslos, insbesondere wenn die vorhandene IT angebunden werden muss. Inwieweit unterstützen Sie die Kunden in diesem Fall?
R. Werner: Nach der erfolgreichen Migration in die Cloud, können wir sämtliche Altsysteme des Kunden abschalten. Dies ist äußerst sinnvoll, denn oftmals halten die Anwender ihre Altsysteme parallel zur neuen Cloud-Lösung vor, wodurch deren Skaleneffekte gänzlich verpuffen.
Wir schalten das jeweilige Altsystem während der Vertragslaufzeit bzw. im Zuge der Transition sauber ab. Hierin liegt ein klarer Vorteil für unsere Kunden. Denn dieses Vorgehen kann nicht jeder Anbieter realisieren, insbesondere wenn dieser nur in der Public Cloud unterwegs ist oder sich auf die Bereitstellung einer einzigen Cloud-Applikation spezialisiert hat.
IT-DIRECTOR: Wie gehen Sie bei Cloud-Projekten grundsätzlich vor?
R. Werner: Die Cloud-Services des Kunden setzen auf dem Netz der Telekom auf, während wir das entsprechende Applikations-Know-how bieten. In diesem Rahmen können wir die Anbindung weiterer Software wie Datenbanken oder Archivsysteme übernehmen.
Mit unserer Konzernmutter im Rücken können wir in den Projekten schnell und flexibel agieren. Von daher bezeichnen wir uns selbst gerne als das „Schnellboot“ der Telekom. Überdies können wir zum Wohle unserer Kunden großen Anbietern durchaus auf die Füße treten und reden mit ihnen Tacheles, z.B. wenn es um die Verhandlung kostengünstiger Konditionen bei Software-Lizenzen oder Hardwarebestellungen geht.
IT-DIRECTOR: Das waren nun Ihre Sichtweisen auf die Themen „Internet of Everything“ und „Cloud“. Neben der Nutzung von Cloud-Services setzen viele Großunternehmen derzeit Projekte rund um Unified Communications and Collaboration (UCC) um. Welchen Stellenwert besitzt dieses Thema bei T-Systems MMS?
R. Werner: Es handelt sich hierbei um einen schnell wachsenden Markt, weshalb wir aktuell viele Projektanfragen verzeichnen.
IT-DIRECTOR: Welche UCC-Tools setzen die Anwender derzeit verstärkt ein?
R. Werner: Vor allem Präsenzstatusanzeigen spielen zunehmend eine große Rolle. Anhand derer können die Mitarbeiter zu jeder Zeit erkennen, ob sich ein Kollege am Arbeitsplatz aufhält und gerade verfügbar ist oder mitten in einer Besprechung steckt.
In diesem Zusammenhang loten wir weitere Szenarien aus: So könnte man bezüglich des Präsenzstatus` einen Schritt weitergehen und über einen damit verbundenen Bewegungs-Tracker feststellen, wo sich der Mitarbeiter im Gebäude aufhält – und dies bis auf fünfzehn Meter genau.
IT-DIRECTOR: Vor allem beim firmeninternen Tracking-Einsatz würde der Betriebsrat sofort auf den Plan treten ...
R. Werner: Sicherlich, und er würde insbesondere damit verbundene Kontrollmechanismen kritisieren. Generell sollte ein Betrieb solche Tracking-Lösungen zur produktiven Zusammenarbeit nutzen und nicht um nachzuverfolgen, wie lange die Mitarbeiter in der Mittagspause waren.
In der Regel beginnen die Diskussionen mit dem Betriebsrat aber viel früher, etwa wenn es um die Einführung von Social-Collaboration-Plattformen wie etwa Chatter geht. Dabei muss folgendes geklärt werden: Was passiert mit den Informationen aus den Chats – bleiben diese innerhalb der Unternehmensgrenzen oder wandern sie in eine externe Cloud? Gegenüber den Mitarbeitern müssen die Verantwortlichen stets offenlegen, inwiefern die Chat-Daten weiter genutzt werden.
IT-DIRECTOR: Die Verbindung von People to People ist ein wesentliches Element des Internet of Everything. Wie handhaben Sie Social Media im eigenen Unternehmen?
R. Werner: Das Marktforschungsinstitut Experton hat vor kurzem einen Social Business Vendor Benchmark veröffentlicht. Wir konnten uns dort klar im Leader-Quadranten positionieren. Maßgeblich dafür waren das breite Portfolio und die fundierte unabhängige Beratung, die wir unseren Kunden bieten. Das Thema hat bei uns also einen sehr hohen Stellenwert. Dazu gehört selbstverständlich, dass wir auch innerhalb der T-Systems MMS eine ausgeprägte Social-Media-Kultur besitzen. Veröffentliche ich beispielsweise einen Blog-Beitrag, erhalte ich darauf sofort verschiedenste Reaktionen seitens der Kollegen. Wir freuen uns, wenn unsere Mitarbeiter ihre Meinung frei äußern. Sämtliche Postings werden bei uns hierarchieübergreifend veröffentlicht.
IT-DIRECTOR: Welche Tipps geben Sie Kunden für ihre Kommunikationsprojekte mit auf den Weg?
R. Werner: Unternehmen müssen heutzutage effektiv mit den unterschiedlichsten Kanälen arbeiten. Denn sollten sie ihre Kommunikationswege an einer Stelle abschneiden – zum Beispiel bei SMS, Mail oder dem Facebook-Auftritt – geraten sie schnell ins Hintertreffen. So unterstützen wir den Krankenversicherer BARMER GEK bei der Erstellung und beim Betrieb seines Facebook-Auftritts.
IT-DIRECTOR: Während Social Collaboration seine Stärken vor allem unternehmensintern ausspielt, geht es bei Facebook eher um die Kommunikation nach außen. Auf welche sozialen Medien sollte heute keine Firma mehr verzichten?
R. Werner: Es gibt verschiedene Zielgruppen, die man entsprechend über unterschiedliche soziale Kanäle ansprechen sollte. So eignet sich Twitter am besten für die B2B-Kommunikation. Denn die Jüngeren, im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren, zwitschern kaum. Sie tragen hingegen derzeit zum großen Erfolg von Instagram oder Snapchat bei.
Setzt ein Unternehmen eine dedizierte soziale Kommunikationsstrategie auf, muss es klar unterscheiden, wer damit angesprochen werden soll. Ein universelles Tool könnte Facebook sein, da das Netzwerk von allen Altersgruppen genutzt wird. Insbesondere für die Geschäftskommunikation eignen sich zudem die Businessnetze LinkedIn sowie Xing, letzteres vor allem im deutschsprachigen Raum. Darüber lassen sich Firmennews verbreiten und Personal-Marketing vorantreiben, etwa über die Ausschreibung von Stellenanzeigen. Generell wirkt die Kommunikation eines Unternehmens schnell unrund, wenn es nicht in sämtlichen Kanälen vertreten ist.
IT-DIRECTOR: Worauf sollte bei der Auswertung der Social-Media-Aktivitäten geachtet werden?
R. Werner: Für Social Media sowie auch für das Internet of Everything werden Big-Data-Analysen immer wichtiger. Dabei muss die Technologie in der Lage sein, in Echtzeit Unmengen an strukturierten wie unstrukturierten Daten sinnvoll auszuwerten. Speziell hierfür können wir einerseits die notwendigen Infrastrukturen liefern und andererseits Big-Data-Infrastruktur wie SAP Hana installieren. Nicht zuletzt erarbeiten wir gemeinsam mit den Kunden passende Anwendungsszenarien und setzen diese um.
IT-DIRECTOR: Können Sie dies konkretisieren?
R. Werner: Mithilfe von Big-Data-Analysen lässt sich ermitteln, wie sich Menschenströme an Bahnhöfen verhalten. Anhand der Ergebnisse lassen sich die besten Standorte für Fahrkarten- oder Snackautomaten ermitteln. Oder man berechnet mittels Big-Data-Software die Wartungszyklen von Aufzügen. Dabei wertet die Software aus, wie häufig am Tag ein Aufzug auf welches Stockwerk fährt. Auf Basis der ermittelten Werte kann man prognostizieren, an welchen Tagen der Aufzug kaputtgehen könnte oder welche Tage sich am besten für Wartungsarbeiten eignen.
IT-DIRECTOR: Die Anfänge von T-Systems MMS liegen nicht im Business-Intelligence-Umfeld, sondern im digitalen Agenturbereich sowie bei der Implementierung von Content-Management-Systemen (CMS) zur Erstellung von Webseiten, Portalen und Intranets. Welchen Stellenwert besitzen diese Bereiche heute noch für Sie?
R. Werner: Es handelt sich nach wie vor um unser Kerngeschäft und wir gewinnen regelmäßig neue Kunden. Zu unseren Referenzen zählen beispielsweise die Deutsche BKK, Henkel und die Dehner Zoo & Gartenmärkte. Generell beraten wir unsere Kunden technologieunabhängig, um das jeweils passende CMS-System zu finden – und implementieren sowohl Open-Source-Lösung wie TYPO3 als auch lizensierte Systeme wie Adobe CQ 5.
Desweiteren stellt E-Commerce nach wie vor ein wichtiges Standbein für uns dar. Hier installieren wir bei den Kunden ebenfalls sämtliche Webshops, angefangen von Intershop über IBM Websphere und SAP bis hin zum quelloffenen Magento. Bei unserem Kunden s.Oliver ist das zum Beispiel eine Cloud-basierte Enterprise E-Commerce-Plattform auf Basis von Demandware, die wir bereits seit 2008 ständig weiterentwickeln.
IT-DIRECTOR: Das Internet of Everything hat das Potential unser Konsumverhalten stark zu verändern. Welche Trends erkennen Sie schon heute im Bereich E-Commerce?
R. Werner: Crosschannel ist hier das Thema. Um Erfolg zu haben, müssen die Händler ihren Kunden sämtliche Vertriebskanäle eröffnen, damit sie z.B. online getätigte Bestellungen in den Filialen abholen und bezahlen können.
Beim Aufsetzen von Webshops ist zudem die direkte Anbindung an die dahinterliegende Warenwirtschaft und Logistik sowie an Zulieferbetriebe enorm wichtig. Von daher versuchen wir, unseren Kunden nicht nur ein durchgängiges Frontend zu bieten, sondern die Webshops auch reibungslos in ihr Backend zu integrieren, so geschehen bei Möbel Mahler.
IT-DIRECTOR: Wer trifft in den Unternehmen heute die Entscheidung für diese Projekte?
R. Werner: Wir bemerken eine Verlagerung der Budgets vom klassischen CIO bzw. der IT-Abteilung hin zum Marketing-Chef oder Vertriebsleiter. Denn diese beiden entscheiden heute zunehmend über Internet- und Shopauftritte. Dabei geht es nicht mehr um die technische Umsetzung, sondern vor allem um den Content. So wird die darunterliegende Technik zweitrangig bzw. sie wird mehr und mehr zur Commodity. Für die IT-Kollegen, denen peu à peu das Budget entzogen wird, ist dies sicherlich nicht ganz einfach, auch da sie damit an Einfluss verlieren.
Bislang zeichnete den CIO aus, dass er eine komplexe Materie, über die kein anderer Bescheid wusste, verwalten bzw. managen konnte. Gestaltet sich alles weniger komplex oder wird die technische Umsetzung von Website, Shop und App von einer externen Agentur übernommen, geht es für das Anwenderunternehmen vorrangig um die richtigen Inhalte, die wiederum aus den Fachabteilungen wie Marketing, Pressestelle, Kundenservice oder Vertrieb kommen. Von daher wundert es nicht, dass man vielerorts nicht mehr vom CIO, sondern vom CDO spricht – kurz für Chief Digital Officer.
Dr. Rolf Markus Werner
Alter: 42 Jahre
Werdegang: Studium der Betriebswirtschaft in Mainz sowie Doktorstudium in London; anschließend war Werner als Consultant bei Schott Glas sowie Eutelis Consult tätig, bevor er ins Account und Sales Management von T-Systems wechselte. Hier folgten weitere Positionen als Leiter Sales Strategy, Leiter Business Services, Geschäftsführer bei T-Systems France SAS sowie Leiter Sales Germany bei T-Systems International
Derzeitige Position: Geschäftsführer T-Systems Multimedia Solutions GmbH
Hobbys: Laufen, Fußball, Radsport