Infrastruktur

„Industrielle Vernetzungslösungen sind wesentliche Digitalisierungstreiber“

Nicht nur geringe Kosten, sondern auch Leistungsstärke, Stabilität und Flexibilität sind entscheidende Faktoren für eine zukunftssichere Standortvernetzung. Alfons Lösing, Chief Partner & Wholesale Officer von Telefónica Deutschland / o2, erklärt im Interview, wie diese Aspekte erreicht werden können.

Alfons Lösing

Alfons Lösing ist optimistisch, dass sich die Digitalisierung weiter beschleunigt und damit eine neue Qualität von Wirtschaftswachstum in Deutschland erreicht wird.

ITD: Herr Lösing, wie beurteilten Sie den Stand der Digitalisierung in Deutschland mit Blick auf Breitbandausbau, Netzabdeckung, Unternehmensinvestitionen? In welchen Segmenten sind Ihrer Meinung nach hohe Investitionen notwendig, um Deutschland zum digitalen Vorreiter zu machen?
Alfons Lösing:
Die Corona-Krise hat noch einmal verdeutlicht, welche umfassende Bedeutung die Digitalisierung für unseren Alltag besitzt. Mit Sicherheit gibt es Nachholbedarf, auch wenn wir in einem Jahr mit Corona so viel Digitalisierung gesehen haben, wie in vielen Jahren zuvor zusammen. Deshalb bin ich optimistisch, dass sich die Digitalisierung weiter beschleunigen wird und wir damit eine neue Qualität von Wirtschaftswachstum in Deutschland erreichen können. Unsere Telekommunikationsnetze sind die Grundlage für weiteres Wachstum. Mit ihnen eröffnen wir Menschen und Unternehmen den schnellen, sicheren und souveränen Zugang zur Digitalisierung. Und wie sich in der Corona-Pandemie zeigt, haben sich unsere Netzinfrastrukturen als sehr stabil erwiesen. Unsere Netze haben den Stresstest bestanden und zur Bewältigung der enormen Herausforderungen in dieser schwierigen Zeit beigetragen. Sie sorgen dafür, dass die Menschen trotz Kontaktbeschränkungen in Verbindung bleiben und möglichst viele den beruflichen Alltag aus dem Homeoffice heraus meistern können.

Hohe Investitionen in den Ausbau leistungsstarker und zukunftsweisender Technologien wie 5G sind elementar, um Deutschland an die digitale Spitze zu bringen. Als Telefónica Deutschland / o2 haben wir im vergangenen Jahr eine milliarden-schwere Netzoffensive gestartet, um den Ausbau unseres o2 Mobilfunknetzes bis 2022 beschleunigt voranzutreiben. Pro Jahr investieren wir deutlich über 1 Milliarde Euro und damit so viel in unsere Netzinfrastruktur wie nie zuvor. Das ist aktuell besonders wichtig angesichts des hohen Kostendrucks, unter dem fast alle Unternehmen stehen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Technologische Innovationen wie lokale 5G Campusnetze, die wir Netzbetreiber als Partner bereitstellen, bieten den Unternehmen starke Hebel, um Effizienzen zu heben und die Profitabilität zu steigern. Es lohnt sich für Unternehmen, in die Erneuerung von Firmennetzen und moderne Lösungen wie unser Telefónica SD-WAN zu investieren. Ein SD-WAN vereinfacht und beschleunigt die Vernetzung und senkt gleichzeitig Kosten bei erhöhter Stabilität und Sicherheit. Steigt zum Beispiel ein Industrieunternehmen mit rund 100 Standorten auf SD-WAN um, senkt es die Vernetzungskosten um bis zu 50 Prozent. Gleichzeitig können Unternehmen neue digitale Dienste und Services deutlich preiswerter integrieren und nutzen.

Aber es geht nicht nur um Kostensenkung. Die IT eines Unternehmens wird durch SD-WAN leistungsstärker, stabiler und flexibler. Das ist wichtig mit Blick auf eine zukunftssichere Standortvernetzung. Das software- und cloudbasierte SD-WAN lässt sich schneller und kostengünstiger aktualisieren als bisherige Hardware-dominierte Firmennetz-Lösungen. Zum Beispiel lassen sich neue Services wie VPNs oder Firewalls fast 60 Prozent schneller integrieren, da häufig der komplizierte Austausch von Hardware entfällt.

ITD: Welche Fortschritte sehen Sie im Bereich der „Digitalisierung ländlicher Raum“, bspw. hinsichtlich Breitbandausbau und Netzabdeckung?
Lösing:
Die Netzqualität im ländlichen Raum hat sich in den vergangenen Jahren insbesondere im Mobilfunk deutlich gesteigert. Um allen Menschen im ländlichen Raum mobiles Highspeed-Internet per Mobilfunk zu bieten, haben wir 2020 über 11.000 neue 4G-Sender in Betrieb genommen und damit sieben Millionen Menschen neu mit 4G versorgt. Insgesamt liegen wir jetzt bei einer 4G-Abdeckung von über 98 Prozent der Bevölkerung. Das ist eine Steigerung von 14 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Die bessere Netzqualität im ländlichen Raum sorgt unmittelbar dafür, dass Kunden ihre digitalen Anwendungen intensiver nutzen und die Datennutzung vor Ort steigt. Leistungsstarker Mobilfunk unterstützt auch dort ansässige Unternehmen bei der Modernisierung ihrer Firmennetzwerke, mit denen sie ihre Kosten senken und die digitale Transformation vorantreiben können. Mit unserem Telefónica SD-WAN vernetzen wir gerade 8.300 ALDI-Filialen in Deutschland und Europa, von denen viele in ländlichen Gebieten liegen. Solche modernen Firmennetze können jederzeit neben Kabel, DSL oder Glasfaser auch auf 4G oder 5G Mobilfunk setzen.

ITD: Wie verläuft der 5G-Ausbau Ihrer Meinung nach? Mit welchen Technologien könnte man die Abdeckung steigern? Gibt es praktikable Alternativen?
Lösing:
Der 5G-Ausbau in Deutschland ist alternativlos und nimmt zusehends Fahrt auf. Der flächendeckende Ausbau von 4G hat noch zehn Jahre gebraucht. 5G wird deutlich schneller deutschlandweit etabliert sein. Allein bis Jahresende 2021 wollen wir mit unserem o2 5G-Netz über 30 Prozent der deutschen Bevölkerung versorgen und bis 2025 ein deutschlandweites 5G-Netz bereitstellen.

Vor allem für Industrie und Mittelstand ist 5G enorm relevant. 5G sorgt dafür, dass das Konzept der Industrie 4.0 Realität wird: Unternehmen können ihre Maschinen und Anlagen effizient miteinander vernetzen sowie Produktions- und Logistikprozesse automatisieren. Das wird Industrie und Mittelstand einen riesigen Wachstums-, Innovations- und Effizienzschub verleihen. Unser 5G-Ausbau wird dazu beitragen, neue digitale Industrie-Champions für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu schaffen. Für die Factory 56 von Mercedes-Benz Cars in Sindelfingen haben wir bereits ein leistungsstarkes 5G Campus-Netz errichtet, das als integraler Bestandteil in der Automobilproduktion genutzt werden wird .
Als Telefónica Deutschland / o2 gehen wir sogar noch einen Schritt weiter: Wir bringen als erster deutscher Netzbetreiber unser 5G-Kernnetz für industrielle Anwendungen in die Cloud. Damit erleichtern wir Unternehmen den Aufbau privater 5G Netze und bieten ihnen Zugang zu den etablierten Entwicklerschnittstellen. Für uns ist Cloud ein zentrales Zukunftsthema, da sich Anwendungen über die Cloud besser skalieren lassen und Innovationen „per Mausklick“ noch schneller implementiert werden können.

ITD: 2019 lag die Abdeckung mit Glasfaserabdeckung in Deutschland bei 11 Prozent und damit erheblich hinter den meisten europäischen Nachbarländern. Wie sehen Sie die Entwicklung der Glasfaser-Abdeckung bis in Gebäude?
Lösing:
Glasfaser ist die Zukunft der Festnetzinfrastruktur und ich sehe ein enormes Potenzial für den Glasfasermarkt in Deutschland. Unsere Muttergesellschaft Telefónica S.A. hat gerade zusammen mit der Allianz unter dem Namen „Unsere Grüne Glasfaser“ eine neue Glasfasergesellschaft gegründet. Sie wird schnelle Glasfaseranschlüsse insbesondere in ländlichen, unterversorgten Regionen bis ins Haus bringen. In den kommenden sechs Jahren will die Glasfasergesellschaft 2,2 Millionen Haushalte mit Glasfaser versorgen und dafür bis zu 5 Milliarden Euro in den Ausbau investieren. Als Telefónica Deutschland sind wir nicht nur mit zehn Prozent an der neuen Gesellschaft beteiligt, als erster Großhandelskunde können wir zudem unsere o2 Produkte über die Infrastruktur an unsere Privat- und Geschäftskunden vermarkten. Zusätzlich sind wir weitere Partnerschaften mit überregionalen Glasfaseranbietern wie der Deutschen Telekom und regionalen Partnern wie vitroconnect/EWE TEL oder wilhelm.tel eingegangen.

ITD: Gibt es Beispiele für deutsche Start-ups, die die Digitalisierung in Deutschland vorantreiben könnten oder Leuchtturmprojekte, die auch international relevant sind? Welche Digitalisierungsprojekte haben Ihrer Meinung nach hierzulande in Zukunft die höchste Priorität?
Lösing:
Ich sehe insbesondere industrielle Vernetzungslösungen über 5G, SD WAN und IoT als wesentlichen Digitalisierungstreiber in Deutschland. Moderne cloudbasierte Firmennetze wie unser Telefónica SD-WAN sind ein Wachstumsmarkt in Deutschland. Das gilt auch das Internet der Dinge (IoT). Es bietet die Chance für zahlreiche neue Geschäftsmodelle für Startups und etablierte Player, da wir immer mehr Geräte miteinander vernetzen können. Lokale Energieversorger können über unser Maschinennetz im Sinne des Smart Metering ihre Gas- und Wasserzähler intelligent miteinander vernetzen und erhalten automatisch die notwendigen Verbrauchswerte.

Mit neuen Technologien begegnen wir auch wirkungsvoll dem Klimawandel. Intelligente Sensoren messen Stromverbrauch, Luftqualität und Biodiversität vor Ort – und wir leiten daraus Verbesserungsmaßnahmen für grünere, lebenswertere Städte ab. Eines dieser Unternehmen – fold.AI – unterstützen wir mit unserem Startup-Inkubator Wayra.

Insbesondere 5G und das Internet der Dinge können ihre Stärken voll ausspielen, da sie besonders klimaeffizient funken. 5G erzeugt bis zu 90 Prozent weniger Emissionen pro transportiertem GigaByte als die Vorgängerstandards 3G und 4G. Auch wir als Netzbetreiber tragen unseren Teil für eine nachhaltige Digitalisierung bei: Wir sorgen durch den Einkauf von 100 Prozent Ökostrom dafür, dass wir mit dem o2 Netz das grünste Netz in Deutschland betreiben. Mehr noch: bis 2025 wollen wir komplett klimaneutral sein.

Bildquelle: Telefónica

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