Der Earth Day findet jährlich am 22. April statt.
Zwar bekommt der Earth Day heutzutage durch die mediale Berichterstattung wesentlich mehr Aufmerksamkeit als noch vor einigen Jahren – dennoch ist das Datum, der 22. April, noch nicht so stark im kollektiven Bewusstsein verankert wie etwa der Weltfrauentag, findet Torsten Schultz von Dell Technologies. Dafür spiele er bereits im Bildungsbereich sowie für Non-Governmental Organisations (NGOs) eine wichtige Rolle und werde dadurch an Bedeutung gewinnen. „Schulen nutzen ihn beispielsweise für Aktivitäten wie Projektwochen, NGOs wiederum dafür, das Thema ‚Nachhaltigkeit‘ intensiv zu kommunizieren“, so der ERG Planet Global Business Impact Lead. Aber auch für Unternehmen ist der Earth Day ein idealer Anlass, um z.B. die Nachhaltigkeit in der eigenen IT stärker in den Fokus zu rücken. Dell nutzt den Termin traditionell gern, um seinen Mitarbeitern wertvolles Wissen zu vermitteln und sie für das Thema weiter zu sensibilisieren. „Speziell zum 22. April haben wir u.a. unsere weltweiten ‚Earth Day Celebration Calls‘ durchgeführt“, berichtet Schultz. Dahinter verbergen sich interne virtuelle Veranstaltungen, zu denen externe Sprecher wie die Verhaltensforscherin Jane Goodall eingeladen werden, damit sie aus ihrem Erfahrungsschatz erzählen.
Autorin und Unternehmensberaterin Paula Brandt hält den Earth Day für „eine tolle und wichtige Aktion“. „Wenn wir aber über nachhaltiges Unternehmertum sprechen, ist das eher ein Prozess, der über Jahre hinweg in der Unternehmens-DNA verankert wird“, betont sie. Es reiche also nicht aus, Nachhaltigkeit nur an einem Tag zu zelebrieren – weil es sich hierbei um einen Marathon handelt, nicht um einen Sprint. Außerdem gehe es um weit mehr als nur um die Berücksichtigung von Umweltschutz. Unternehmer, die diesen Weg beschreiten, bringen bestenfalls ökonomische, ökologische und soziale Faktoren miteinander in Einklang. Für Abat beispielsweise ist in gewisser Form jeder Tag ein Earth Day. „Wir haben Nachhaltigkeit in alltäglichen Aktivitäten eingebaut und planen sie strategisch“, erläutert Senior Consultant Nils Giesen. Er hält die mediale Aufmerksamkeit aber zweifelsohne für hilfreich, „um die notwendigen Maßnahmen für mehr Umwelt- und Klimaschutz zu ergreifen“.
Um den CO2-Ausstoß im Rahmen der Geschäftsprozesse und unternehmenseigenen Lieferkette zu messen bzw. zu berechnen, gibt es verschiedene Tools und Lösungen wie etwa das Greenhouse Gas Protocol – einen international anerkannten Standard. „Dieser berücksichtigt einerseits die direkten Emissionen: den Stromverbrauch, Heizbedarf oder den Kraftstoffverbrauch durch das Firmenfahrzeug“, weiß Strato-CEO Claudia Frese. „Andererseits fließen auch die indirekten Emissionen wie eingekaufte Waren und Dienstleistungen sowie die vorgelagerten Emissionen der Verbrauchseinheiten bei den Lieferanten mit ein.“ Idealerweise sollte die Berechnung natürlich regelmäßig stattfinden und mit Reduktionsmaßnahmen kombiniert werden, um Fortschritte zu erreichen und auch sichtbar zu machen. „Wir bieten unseren Kunden und Partnern die Messung des CO2-Abdrucks pro Gerät an“, ergänzt Emanuel Lippmann von Dell. Dieser werde mit der sogenannten PAIA-Methode des MIT ermittelt. „Damit können wir auf Anfrage auch CO2-Reports über die gesamte bei uns gekaufte IT erstellen“, so der Global Program Manager Social Impact. Auch die digitale Plattform ID-Report von Abat soll Unternehmen bei der Erhebung und Berechnung von Corporate oder Product Carbon Footprints unterstützen, ebenso die Erfassung und Nachverfolgung von Sorgfaltspflichten in der Liederkette, betont Nils Giesen.
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Der erste Schritt einer Nachhaltigkeitsstrategie ist immer eine vollständige Bestandsaufnahme. Darauf basierend lässt sich dann der Weg zur Klimaneutralität planen. Kurzfristig können Unternehmen dafür Kompensationsprojekte unterstützen. „Wir fördern z.B. die Renaturierung des Königsmoors in Schleswig-Holstein sowie den Aufbau von Windkraftanlagen in Neukaledonien“, so Claudia Frese von Strato. Langfristig helfen etwa Maßnahmen wie der Bezug von Ökostrom und der Einsatz effizienter IT-Hardware dabei, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. „Wir haben uns mit solchen Maßnahmen vorgenommen, unseren Verbrauch um mindestens zwölf Prozent in den nächsten drei Jahren zu reduzieren“, meint die Expertin. Auch sieht sie in der Digitalisierung eine Chance, Emissionen zu reduzieren, etwa weil neue Kollaborationslösungen viele Dienstreisten überflüssig machen. „Es darf aber nicht rein der Digitalisierung wegen digitalisiert werden“, warnt Nils Giesen. „Bleiben soziale und ökologische Aspekte in der Entscheidungsfindung auf der Strecke, ist eine Digitalisierung nicht nachhaltig.“ Wichtig und eine große Hilfe seien hier ein strukturiertes Vorgehen sowie professionelle Unterstützung.
Um letztlich eine umfassende CO2-Bilanz zu erstellen, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Wer sich hier nur auf sein Kerngeschäft konzentriert, „erhält keinen ehrlichen Einblick und verpasst möglicherweise potenzielle Optionen zur Einsparung von Emissionen“, betont Frese. Je gründlicher also die Erhebung ist, desto klarer ist auch der Weg zu nicht nur mehr Emissions-, sondern möglicherweise auch zu Kosteneinsparungen.
Nicht zuletzt hat der Umgang eines Unternehmens mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ natürlich auch einen Einfluss auf Kunden, Partner und den Rest der Gesellschaft – und zwar immens, meint Paula Brandt: „Darum nenne ich Unternehmer, die tatsächlich etwas in diese Richtung verändern, auch ‚Impact-Unternehmer‘.“ Sie wollen nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein, sondern auch einen nachhaltigen Effekt auf die Welt haben. Wer diesen Weg beschreite, erhalte in der Regel schnell Resonanz aus dem Markt. Das könne sich an Kunden zeigen, die aufgrund des Nachhaltigkeitsengagements zur Firma wechseln oder ihr gerade deswegen treu bleiben. Mitarbeiter blieben deshalb oder würden sich überhaupt erst deswegen bewerben. Und oft entstehe ein Ökosystem aus gleichgesinnten Partnerfirmen, die zum neuen Kurs passen und sich gegenseitig empfehlen.
Wer sich bislang noch keine Gedanken über Nachhaltigkeitsstrategien gemacht hat, sollte anno 2022 unbedingt damit anfangen, denn laut Brandt werden diese zur Frage des Überlebens. „Die Augen davor zu verschließen, wäre fatal für die Zukunft jedes Unternehmens“, betont auch Emanuel Lippmann. Der Druck zu nachhaltigem Produzieren und Wirtschaften wachse. Er komme von allen Seiten – vom Gesetzgeber, von Investoren, Partnern, Mitarbeitern und nicht zuletzt von solchen, die es vielleicht einmal werden wollen. Auch Claudia Frese betont, dass es Zeit ist, zu handeln. Zugleich beruhigt sie: „Das Thema ist nicht so komplex, wie viele befürchten. Kein Unternehmen muss von heute auf morgen klimaneutral werden, aber kleine Schritte machen bereits einen Unterschied.“ Natürlich gibt es schon viele Unternehmen, die sich erfolgreich in die nachhaltige Transformation begeben haben, aber gerade an diesen könne man sich nun orientieren, mein Nils Giesen, „wenn man sich bislang noch keine Gedanken über eine Strategie für mehr Nachhaltigkeit gemacht hat“.
Im Jahr 1970 entstand der Earth Day als spontane Studentenbewegung in den USA. Mit dem Earth Day sollte dem Washingtoner Establishment und der Öffentlichkeit demonstriert werden, dass es in Nordamerika eine Umweltbewegung gab und dass die Natur jetzt über eine starke Lobby verfügt. Der 22. April ist seitdem der weltweit begangene Earth Day. Begründet wurde die Volksaktion von dem sozial engagierten US-Senator Gaylord Nelson. In Kanada wie in vielen anderen Ländern der Erde ist die Earth-Day-Idee eng mit der nationalen Umweltpolitik verwoben.
Quelle: earthday.de
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