„Work From Anywhere“

Investition in die Zukunft

Im Interview erklärt Anne Niemann, Marketing- und New-Work-Expertin bei Ricoh, wie remote Arbeitsplätze sinnvoll gestaltet werden können und welche Technologien dabei helfen, „Work From Anywhere“ aus der Zukunft in die Gegenwart zu holen.

Anne Niemann

Anne Niemann, Ricoh.

ITD: Frau Niemann, vor allem jüngere Arbeitnehmer pochen seit Längerem auf ein „Recht auf Homeoffice“ – die Corona-Krise hat diesen Wunsch Realität werden lassen. Wie sieht es ein Jahr später mit der Mitarbeiterzufriedenheit aus? Was klappt gut und wo gibt es aus Ihrer Erfahrung aktuell die größten Reibungsverluste?
Anne Niemann:
Die Zufriedenheit der Mitarbeiter im Homeoffice fällt sehr unterschiedlich aus: Während ein Teil die Arbeit im Homeoffice sehr schätzt, sehnen sich andere zurück nach der gewohnten Büroumgebung und den damit verbundenen sozialen Kontakten. Was wir auf jeden Fall wissen: Das Homeoffice funktioniert, insbesondere wenn die Beschäftigten barrierefrei arbeiten können. Die Einführung von digitalen Lösungen und Tools war maßgeblich für die Entwicklung kollaborativer Arbeitsweisen und innovativer Prozesse. Unternehmen haben im Bereich der Digitalisierung einen echten Sprung gemacht und viel dazugelernt. Die oft spontanen und schnellen Investitionen in unterschiedliche Technologie waren für viele, insbesondere für mittelständische Unternehmen, ein wichtiger Schritt, um Lösungen für akute Probleme zu finden. So wurden infolge des Lockdowns beispielsweise viele Arbeitsplätze erst remote-fähig. Je sorgfältiger und vorausschauender die Planung der Investitionen getätigt wurden, desto geringer sind oft auch die Reibungsverluste bei den Unternehmen ausgefallen. Das hier aber Nachholbedarf besteht, verdeutlicht unsere aktuelle Studie. Sie zeigt auf, dass bei der Einführung neuer digitaler Plattformen nicht immer die Arbeitsbelastung verringert wurde. 39 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihr Arbeitsaufwand durch neu eingeführte Tools noch einmal erhöht hat. Durch unseren ganzheitlichen Beratungs- und Technologieansatz helfen wir, Reibungsverluste zu vermeiden, und stehen so den Unternehmen als starker Partner zur Seite.

ITD: Weshalb sollten Unternehmen bei der Umsetzung von Homeoffice- und Remote-Work-Lösungen professionellen Partnern vertrauen und was droht, wenn sich Not- und Übergangslösungen dauerhaft im Unternehmen festsetzen?
Niemann:
Als Digitalisierungsexperte und verlässlicher Partner unterstützen wir unsere Kunden dabei, ihr Geschäft auszubauen, ihre Produktivität mit neuen Technologien zu steigern und strategisch zu investieren. Not- und Übergangslösungen können kurz- und mittelfristig sinnvoll sein, sollten aber unbedingt in die langfristige, strategische Planung und IT-Infrastruktur integriert werden, um weiterhin dynamisch auf Veränderungen reagieren zu können. Die schnelle Implementierung von digitalen Lösungen und kollaborativen Tools war besonders am Anfang der Krisenzeit für Unternehmen überlebenswichtig.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Werden diese aber nicht richtig in die bestehende IT-Infrastruktur integriert, kann das nicht nur zu Frust bei den Mitarbeitern führen, beispielsweise wenn der Zugriff auf benötigte Arbeitsmaterialien nicht problemlos funktioniert, sondern birgt zudem auch ein hohes Sicherheitsrisiko. Hinzu kommt, dass Unternehmen durch hausgemachte Technologiedefizite an Arbeitgeberattraktivität einbüßen und dadurch Gefahr laufen, Talente zu verlieren. Umso wichtiger ist daher die ganzheitliche Betrachtungsweise von IT-Investition, um all die unterschiedlichen Facetten im ausreichenden Maße zu berücksichtigen.

ITD: Welcher Technologie wird aus Ihrer Sicht in aktuellen Homeoffice-Szenarien noch zu wenig Beachtung geschenkt und wo besteht hier Nachholbedarf?
Niemann:
Wer ad hoc digitalisiert und IT-Infrastrukturen fürs Homeoffice implementiert, muss neben den organisatorischen Herausforderungen auch die IT-Sicherheit und den Datenschutz im Blick haben. Durch die Kurzfristigkeit der Umstellung auf Remote Work sind beispielsweise Compliance-Regeln und DSGVO-Bestimmungen durch den Zeitdruck in den Hintergrund gerückt, deshalb muss jetzt dringend nachgebessert werden. Zusätzlich sind viele Mitarbeiter oftmals nicht ausreichend über die Sicherheitsanforderungen ihres Arbeitgebers informiert. Für den Geschäftserfolg ist es daher unerlässlich, bei den digitalen Lösungen nachzubessern und die Weiterbildung der Mitarbeiter in diesem Bereich zu fördern.

ITD: Wo sehen Sie für die Zukunft das größte Potenzial zur Weiterentwicklung des Digital Workplace?
Niemann:
Das größte Potenzial sehen wir in der verstärkten Automatisierung von Prozessen und in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Die Bereitschaft, in diese Zukunftstechnologien zu investieren, steigt – u. a. auch aufgrund der aktuellen Situation. Wir konnten beobachten, dass Unternehmen, die bereits in ihre Digitalisierung investiert haben, besser durch die Krise gekommen sind. Kleine und mittlere Unternehmen sind zwar oft weiterhin zögerlich mit ihren Investitionen in Automatisierung und KI. Die Chancen und Vorteile, die mit einer Implementierung einhergehen, sind aber auch für sie nicht mehr von der Hand zu weisen. Diese Technologien gestalten als Treiber der Digitalisierung den Digital Workplace der Zukunft mit. Die Realisierung und Umsetzung sind jedoch auch abhängig von äußeren Faktoren wie beispielsweise dem Breitbandausbau. Um schnelleres Internet zur Verfügung zu stellen und „Work From Anywhere“ wirklich möglich zu machen, müssen digitale Wüsten aufgelöst und in Zukunft verhindert werden. Der Ausbau des Netzes ist Voraussetzung für die Vereinheitlichung der Digitalisierung und wird den Einsatz von Automatisierung und KI enorm erleichtern.

Bildquelle: Ricoh

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok