Emanuel Lippmann verantwortet in seiner Rolle als Program Manager alle Aktivitäten rund um Nachhaltigkeit.
Es ist ein Vergleich, der seine Wirkung eigentlich nie verfehlt: Die größten Vorkommen an Kupfer finden sich heute in Städten oder besser gesagt im Elektromüll, der sich dort anhäuft. Doch während sich aus 20 Tonnen Schrott eine Tonne des begehrten Materials gewinnen lässt, müssten – um die gleiche Menge aus natürlichen Ressourcen zu schöpfen – ganze 170 Tonnen Erz abgebaut werden.
Fakt ist: Umweltschädliche Rohstoffe, der Energieverbrauch in der Produktion, ungelöste Entsorgungsfragen und ein fachgerechtes Recycling, das erst langsam anläuft, stellen die IT-Branche vor große Herausforderungen. Alle – von den Herstellern über die Verbraucher bis zur Politik – stehen in der Pflicht und können ihren Beitrag für mehr Nachhaltigkeit leisten. Die IT-Industrie beispielsweise hängt stark von Rohstoffen ab, deren Gewinnung mit einem hohen Energie- und Wasserverbrauch einhergeht. Die Branche braucht deshalb Alternativen zu den bislang verwendeten Materialien – wie Kohlefasern aus der Luft- und Raumfahrtindustrie, die das Polycarbonat für die Herstellung von Laptops liefern, oder Biokunststoffe, die aus Baumabfällen bei der Papierherstellung stammen und ein zweites Leben in Gehäusen finden. Abfallprodukte belasten die Umwelt nun einmal weniger als neue Rohstoffe, die erst geschürft oder abgebaut werden müssen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Wo es keine nachhaltigen Alternativen gibt, muss konsequent recycelt werden. Aus aufbereitetem Kunststoff etwa lassen sich Gehäuse für Rechner produzieren. Metalle wie Aluminium wiederum lassen sich relativ problemlos aus alten Festplattenrahmen gewinnen und in neuen wiederverwenden.
Ein geschlossener Wertstoffkreislauf – also die fachgerechte Entsorgung wertvoller Rohstoffe und deren Wiederaufbereitung – ist entscheidend, wenn wir die von uns verursachten Umweltschäden reduzieren und die CO2-Bilanz verbessern wollen. Genauso wichtig ist es, IT-Systeme möglichst lange im Umlauf zu lassen. Was heißt das? Mustern Unternehmen nach dem klassischen Abschreibungszyklus von drei Jahren ihre Rechner oder Server aus, sind diese keineswegs Abfall. Unternehmen, Schulen und Bildungseinrichtungen sowie Privatanwender, die nicht auf Höchstleistungen für die tägliche Arbeit angewiesen sind, bekommen mit einem sogenannten Refurbished-Modell ein durchaus vollwertiges System, das noch viele Jahre vor sich hat. Vorausgesetzt, der IT-Hersteller hat für eine einfache Reparaturmöglichkeit und die langfristige Verfügbarkeit von Ersatzteilen sowie Updates gesorgt. Und zu guter Letzt ist die Politik gefordert: Nach wie vor setzt der deutsche Gesetzgeber die Spende eines Computers einer Lieferung gegen Entgelt gleich – mit steuerrechtlichen Folgen für den Betrieb. Da wundert es nicht, wenn ausrangierte Geräte lieber im Lager verstauben oder beim Wertstoffhof abgegeben werden.
Bildquelle: Tatjana Dietrich