Stimmen Vorurteile gegenüber Digital Natives?

IT-Sicherheit: Risiko „Mensch“

Laut einer IBM-Studie sind Anwenderfehler der Grund für rund ein Viertel aller Cyberattacken auf Unternehmen. Besondere Nachlässigkeit beim Thema IT-Sicherheit wird dabei immer wieder den Angehörigen der Generation Y nachgesagt, auch Digital Natives genannt. Dabei müssen sich IT-Abteilungen meist an die eigene Nase fassen, denn was alle Mitarbeiter eigentlich wollen, ist produktiv arbeiten.

IT-Sicherheit: Risiko „Mensch“

IT-Sicherheit: Risiko „Mensch“ – was ist dran an den Vorurteilen gegenüber Digital Natives?

Was wurde nicht schon alles über die Generation Y behauptet? Die zwischen 1980 und 1993 Geborenen seien ständig auf der Suche nach Anerkennung, zudem online-süchtig und obendrein illoyal gegenüber ihren Arbeitgebern. Mit den meisten dieser Mythen hat eine Untersuchung des Institute of Bussiness Value (IBV) Anfang 2015 aufgeräumt. Ein Detail bleibt aber unbestritten: Im Gegensatz zu den Baby-Boomern, also der Nachkriegsgeneration, nutzen Digital Natives deutlich häufiger ihre privaten Social Media Accounts für berufliche Zwecke.

Privates + Berufliches = Einfallstor für Hacker


Beim Thema IT-Sicherheit ist es gerade die unzureichende Trennung der privaten von der öffentlichen Sphäre, die Kriminellen als Einfallstor dient. Auf Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Xing sammeln Hacker gerne Infos von Mitarbeitern, auf die sie es abgesehen haben. Zum Beispiel um ihnen nach erfolgreicher Pirsch eine täuschend echt aussehende E-Mail mit Anhängen oder Links zukommen zu lassen, die von Malware verseucht sind – etwa im Namen eines angeblichen Bekannten. „Gut ein Viertel aller Cyberattacken auf Unternehmen macht sich die Arglosigkeit von Mitarbeitern zunutze“, sagt Gerd Rademann, Executive Security Systems bei Big Blue. „Gut 30 Prozent der Angriffe gehen sogar direkt von Insidern aus, also etwa von unzufriedenen Angestellten – weniger als die Hälfte aller Cyberangriffe kommen von außen.“

Sicherheitslücke Digital Natives?

Auch das US-amerikanische Wall Street Journal prangert den laxen Umgang der Digital Natives mit der IT-Sicherheit an. Dabei liegt das Problem eigentlich beim Thema Nutzerfreundlichkeit: Digital Natives mögen es einfach und schnell, sie wollen produktiv sein und sich auch außerhalb des Büros unkompliziert mit Kollegen vernetzen. Wo die Unternehmens-IT mit ihren strengen Regularien und Prozessen das nicht leisten kann, suchen sie sich eben andere Wege über öffentliche Anbieter. Egal ob Whatsapp, um zu Chatten, Twitter für die neuesten Nachrichten oder Dropbox zum Datenaustausch – für Digital Natives zählen Bedienbarkeit und Produktivität offenbar mehr als Sicherheit. Im Kern geht es ihnen also um Themen, die alle Mitarbeiter betreffen.

Rademann: „IT-Abteilungen in Unternehmen sollten sehr genau die Bedürfnisse der Mitarbeiter im Blick haben, wollen sie sich erfolgreich gegen Cybergefahren absichern. Bring Your Own Device? Ja klar, aber so, dass es Nutzer nicht unnötig einschränkt und sich etwa mobile Geräte privat genauso einfach nutzen lassen wie geschäftlich. Ein gut aufgesetztes Mobile Device Management ist daher Pflicht und möglichst auch eine Whitelist mit vertrauenswürdigen Apps – verbieten bringt da nicht viel.“

Die Kosten, die Unternehmen weltweit durch den Verlust oder den Diebstahl von vertraulichen Daten entstehen, belaufen sich mittlerweile im Schnitt auf rund 3,8 Millionen US-Dollar – eine Steigerung von 23 Prozent seit 2013. Das geht aus einer im Frühjahr 2015 erschienen Studie des Ponemon-Instituts hervor. Dafür wurden 350 Unternehmen aus elf Ländern befragt, darunter auch Deutschland, wo im Schnitt 3,5 Mio. US-Dollar pro Datenpanne anfallen. „Allein mit Firewalls lässt sich den Hackern nicht beikommen“, sagt Gerd Rademann. „Wichtig ist neben dem Schutz der technischen Infrastruktur, Mitarbeiter so zu schulen, dass sie die nötige Sensibilität für IT-Sicherheit entwickeln und nicht auf Betrugsversuche von Cyberkriminellen hereinfallen. Die Kosten dafür sind im Verhältnis zu den Summen, die eine erfolgreiche Cyberattacke verursacht, eher gering.“

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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