Joachim Kathmann, Geschäftsführer bei AT&T
Investitionen in die Informations- und Telekommunikationstechnologie und Produktivitätssteigerungen sind eng miteinander verbunden. ITK-Investitionen führen sogar zu größeren Produktivitätssteigerungen als andere Formen von Kapitalinvestitionen. Würde Deutschland seinen ITK-Kapitalbestand bis 2020 in Relation zur Größe der Volkswirtschaft auf das Niveau der USA anheben, stiege das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 1,5 Prozent – sprich um 46 Mrd. Euro. Zu diesem Ergebnis kommt Oxford Economics in der Studie „Capturing the ICT Dividend: Using Technology to drive productivity and growth in the EU”, die von AT&T in Auftrag gegeben wurde.
Informations- und Telekommunikationstechnologie steigert die Produktivität eines Unternehmens unter anderem durch die Erhöhung der totalen Faktorproduktivität (TFP). Doch einige Branchen profitieren deutlich stärker davon als andere: So verzeichnet der deutsche Großhandel mit rund 18 Prozent das höchste TFP-Wachstum, gefolgt vom Autoeinzelhandel und dem Kraftstoffsektor mit neun Prozent. Der deutsche Einzelhandel verbuchte hingegen ein negatives TFP-Wachstum (-2,5 Prozent). Auch der Zellstoff-, Papier- und Drucksektor (-4 Prozent) sowie der Bereich Business Services (-14 Prozent) schnitten deutlich schlechter ab.
Damit Unternehmen von ihren ITK-Investitionen profitieren, sollten sie in jedem Fall folgende Punkte berücksichtigen:
– ITK-Investitionen müssen in die gesamte Wachstumsstrategie einbezogen werden.
– Es ist wichtig, die Vorteile zu beziffern, die Business-Anwendungen wie ERP, CRM und SCM bieten. Viele Unternehmen verfügen nicht über die notwendigen Systeme, um ihre Produktivität zu maximieren und Redundanzen zu vermeiden.
– Auch das immaterielle Kapital gilt es zu berücksichtigen. Um einen höheren Mehrwert zu erzielen, sollten Mitarbeiter in der Anwendung der Systeme geschult sein.
– Es ist sinnvoll, neue Systeme stufenweise auszurollen, da Unternehmen angesichts hochvolatiler Märkte in der Lage sein müssen, die Lösungen nach oben und nach unten zu skalieren – je nach Anforderung.
– Unternehmen sollten ihre Ergebnisse messen. Nur so lassen sich Initiativen, die vom Kurs abweichen, frühzeitig erkennen und korrigieren.
Das Engagement der Unternehmen ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Die Politik hat einen wesentlichen Einfluss auf die Wirksamkeit von ITK-Investitionen und die daraus resultierenden Produktivitätsgewinne. So erzielen Länder, die solche Investitionen fördern, tendenziell höhere Produktivitätsraten. Die europäischen Regierungen könnten das wirtschaftliche Wachstum erheblich steigern, wenn sie ITK stärker in der Wirtschaftsplanung berücksichtigen. Hauptansatzpunkte für eine verbesserte Produktivität sind die europaweite Harmonisierung von Datenschutzgesetzen, die Überarbeitung von Regulierungen bezüglich der Weitergabe von Daten, und die ständigen Anpassungen von Sektorstrategien im Hinblick auf technologische Entwicklungen.