Cloud-Lösungen

„Jedes Modell hat eigene Vorzüge“

Im Interview erklärt Philipp Merth, Regional Vice President CER bei Akamai, wie Unternehmen sich optimal auf ihre Cloud-Migration vorbereiten können.

Cloud-Lösungen

Philipp Merth: „Oft ist es sogar einfacher, sich in der Cloud abzusichern, denn dafür gibt es ein breiteres Spektrum an Tool.“

ITD: Herr Merth, was versprechen sich Unternehmen und Organisationen anno 2024 vom Umzug in die Cloud?
Merth: Die Hauptargumente für eine Cloud-Lösung sind Skalierbarkeit, Benutzerfreundlichkeit, Stabilität, erweiterte Funktionen und ganz zentral: Zukunftssicherheit.

ITD: Wie gelingt es, die optimalen Voraussetzungen für eine geplante Cloud-Migration zu schaffen?
Merth: Entscheidende Kriterien sind eine saubere Planung und fundierte Kenntnisse über die eigene Anwendung. Wenn es an Wissen in Bezug auf die Cloud mangelt, gibt es viele gute Lösungsanbieter, die helfen können. Bei der ersten Umstellung sollte so wenig wie möglich verändert werden, stattdessen verwenden Unternehmen am besten dasselbe Betriebssystem, dieselbe Codeversion, dieselbe Webserver-Version usw. Essenziell ist auch, sich langfristig die Möglichkeit einer Multi-Cloud-Lösung offen zu halten, um später einem Vendor-Login zu entgehen. Dafür braucht es entsprechende Management-Vorgaben. Physische Dateien wie Mediendateien und der Datentransfer werden oft unterschätzt. Zu Beginn sollten sich Unternehmen daher Gedanken machen, wie sie das umsetzen können. Zentral ist auch der Zeitpunkt, wenn etwa Daten während des Transfers aktualisiert werden. Dieser Prozess kann lange dauern. Für diesen Fall lohnt es sich, den Großteil des Transfers lange vor der Migration durchzuführen und Delta-Updates einzurichten, um so schnell wie möglich umzusteigen. Sobald die Bereitstellungen abgeschlossen sind und der Code wie vorgesehen läuft, stehen Trockenläufe für den Migrationsprozess sowohl mit Medien als auch mit Daten an. Solide Pläne für einen Rollback minimieren das Risiko und helfen, Stakeholder bei der Stange zu halten. Ein wichtiger Tipp: Managed Services sind eine großartige Möglichkeit, um bei der anfänglichen Migration voranzukommen – selbst wenn Firmen später beabsichtigen, Datenbanken und Ähnliches selbst zu betreiben.

ITD: Welche Rolle spielt dabei das Betriebsmodell – also ob eine Private, Public oder Multi-Cloud in Frage kommt?
Merth: Jedes Modell hat eigene Vorzüge – ausschlaggebend sind die individuellen Anforderungen seitens der Nutzer. Regierungsbehörden oder Unternehmen mit hochsensiblen Daten bevorzugen meist private Clouds, während durchschnittliche Unternehmen auf die weniger teure und einfachere öffentliche Cloud zurückgreifen. Für größere Unternehmen wird in naher Zukunft wahrscheinlich eine Multi-Cloud-Lösung zum gängigen Modell. Das dient der Risikominderung und ermöglicht, so mit verschiedenen Anbietern zusammenzuarbeiten, dass Unternehmen von deren jeweiligen Stärken profitieren.

ITD: Was ist mit Legacy-Applikationen im On-Premises-Betrieb? Inwieweit sind Altsysteme ein Bremsklotz für die Cloud-Migration?
Merth: Ich empfehle, alles in die Cloud zu verschieben. Wenn eine Anwendung mit Blick auf Betriebssysteme und Programmiersprachen halbwegs aktuell ist, laufen die meisten Legacy-Anwendungen gut – manchmal sogar besser auf virtuellen Maschinen in der Cloud, da größere Maschinen normal virtualisiert werden können. Für sehr alte Anwendungen, die beispielsweise eine IBM DB2-Datenbank ausführen, ist es ratsam, diese Anwendung neu zu erstellen, bevor sie verschoben wird. Eine gute Strategie ist es, alles, was über die Datenbank verbunden ist, in einem einzigen Schritt zu verschieben. Ein Content Delivery Network (CDN) hilft, Dinge zu verknüpfen und die Herkunft zu wechseln. APIs ermöglichen, zwischen Backend-Systemen zu kommunizieren.

ITD: Inwieweit halten Sie eine Cloud-Migration auch bei (oftmals komplexen) ERP- und CRM-Systemen für empfehlenswert?
Merth: Das hängt von der zugrunde liegenden Technologie ab. Es wird viel Festplattenspeicher benötigt, die Boot-Zeit usw. spielt eine Rolle. Die Cloud selbst unterscheidet sich nicht wesentlich von der lokalen oder herkömmlichen Hosting-Umgebung. Wir haben einfach die Server an zentrale Standorte verschoben, die von hochspezialisierten Personen verwaltet werden. Man darf nicht vergessen, dass es trotz möglicher Herausforderungen bei älteren Anwendungen auch Vorteile beim Skalieren gibt. Die maximale Maschinengröße ist normalerweise erheblich größer, auch wenn ich natürlich nicht empfehle, einen großen Einzelserver auszuführen. In einigen Fällen ist das jedoch die einzige Möglichkeit.

ITD: Wie lassen sich die Mitarbeiter am besten in den Migrationsprozess einbeziehen?
Merth: Zuerst und am einfachsten: Jede Abteilung sollte immer ihre eigenen Arbeitsabläufe testen. Außerdem ist es wichtig, die Systeme zu dokumentieren, die nicht von der Abteilung verwaltet werden, die die Migration durchführt. Das erleichtert den Blick auf deren Interkonnektivität mit den migrierenden Systemen.

ITD: Inwieweit sind Cybersicherheit und Datenschutz in der Cloud noch ein Problem?
Merth: Oft ist es sogar einfacher, sich in der Cloud abzusichern, denn dafür gibt es ein breiteres Spektrum an Tools. Trotzdem ist es unerlässlich, strenge Sicherheitsmaßnahmen anzuwenden. Wenn Unternehmen ihre Datenbank für das öffentliche Internet öffnen, nützt es nicht viel, dass sie in der Cloud sind. Der primäre Angriffspunkt sind die Mitarbeiter, deshalb lohnen sich Regelungen wie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (MFA).

Bildquelle: Akamai

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