Laut Ute Riester sollen bis 2030 alle Verpackungen von Dell aus recycelten oder nachwachsenden Rohstoffen bestehen.
ITD: Frau Riester, Unternehmen müssen auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen, um in Zeiten des Fachkräftemangels ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen und sich damit Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Welche Bedürfnisse sind das genau?
Riester: Mitarbeiter in Unternehmen haben zunächst einmal sehr hohe Anforderungen an die technische Ausstattung ihres Arbeitsplatzes, aber sie erwarten von ihrem Arbeitgeber darüber hinaus noch weit mehr: Ganz vorne liegen Flexibilität bezüglich Arbeitsort und Arbeitszeit. Sie wollen die Möglichkeit haben, von überall aus und unabhängig von starren Bürozeiten produktiv zu sein – Stichworte „Remote Work“ und „Homeoffice“. Wichtig ist ihnen auch, dass sie ihre Arbeit als sinnstiftend erleben und dass sie etwas beitragen können. Bewerber schauen heute auch sehr genau auf das soziale Engagement des potenziellen Arbeitgebers. Besonders attraktiv sind Unternehmen, die Diversity, Inklusion, Nachhaltigkeit und Umweltschutz aktiv vorantreiben und sich klare und messbare Ziele setzen. Letztlich müssen die Werte des Unternehmens einfach passen – wer also engagierte Fachkräfte möchte, sollte auch genau diese Werte im Unternehmen leben.
ITD: Wie gestaltet sich aus Ihrer Sicht ein attraktives Arbeitsplatzkonzept in einem Großunternehmen?
Riester: Ein attraktives Konzept stellt die Mitarbeiter und deren Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Direkt am Arbeitsplatz heißt das, dass Hard- und Software ein effizientes Arbeiten ermöglichen müssen. Gleichzeitig geht es auch darum, ein Gefühl der Zugehörigkeit aufzubauen, z.B. durch regelmäßige Teambuilding-Aktivitäten. Nicht zuletzt müssen die persönlichen Umstände jedes einzelnen beachtet werden. Den Beschäftigten ist es sehr wichtig, Berufliches und Privates unter einen Hut zu bekommen. Wer Kinder betreut oder Angehörige pflegt, ist dankbar, wenn der Arbeitgeber verständnisvoll ist und unterstützt, wo er kann, beispielsweise durch flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Programme bis hin zu zusätzlichen freien Tagen zur Betreuung von Angehörigen – etwas, was wir entsprechend anbieten.
ITD: Welche Herausforderungen müssen Unternehmen bei der Kombination aus Büro, Homeoffice und Offsite-Locations bewältigen?
Riester: Angestellte brauchen für unterschiedliche Szenarien unterschiedliche Ausstattungen. Bei hybriden Arbeitsmodellen wechseln Mitarbeiter ständig zwischen den Arbeitsplätzen. Aus diesem Grund müssen Unternehmen die Übergänge nahtlos gestalten. Beim Wechsel von Location zu Location darf es z.B. keine Schwierigkeiten beim Log-in geben. Auch die Ausstattung sollte ähnlich sein, damit es nicht ungewohnt ist, wenn sich beispielsweise die Tastatur im Büro ganz anders anfühlt als zu Hause. Nutzen Mitarbeiter an jedem Standort andere Systeme und andere Tools, wird das Arbeiten unnötig erschwert.
ITD: Welche technischen Grundlagen sind hier Voraussetzung? Welche Rolle spielen z.B. Collaboration-Tools bei solchen Workspace-Kombinationen?
Riester: Über Collaboration-Tools findet häufig die einzige Art von Kommunikation statt, wenn man remote oder aus dem Homeoffice aus arbeitet. Deswegen brauchen Teammitglieder aus verschiedenen Locations und Arbeitsszenarien unbedingt diesen virtuellen Raum, in dem sie konstruktiv zusammenarbeiten können. Es versteht sich von selbst, dass diese Tools für eine effiziente Zusammenarbeit zuverlässig und leicht bedienbar sein müssen.
ITD: Worauf sollte bei der Auswahl entsprechender Tools geachtet werden?
Riester: Die Tools müssen einfach bedienbar und zuverlässig sein. Deswegen ist es wichtig, zertifizierte Kommunikationslösungen zu verwenden. Generell gesagt müssen alle Tools und Systeme nahtlos ineinandergreifen.
ITD: Inwieweit bereiten sich Unternehmen und ihre Mitarbeiter bereits auf die Ungewissheit vor, die der kommende Winter bereithält – Stichworte „hohe Energiepreise“ und „steigende Infektionsraten“?
Riester: Wir diskutieren ja schon seit geraumer Zeit über nachhaltige Systeme und Lösungen. Das Thema ist jetzt durch die hohen Energiekosten richtig relevant. IT-Systeme, die durch optimale Dimensionierung und energieeffizientes Design punkten, rücken mehr und mehr in den Mittelpunkt. Wir sehen beispielsweise, dass unsere PC-as-a-Service-Angebote verstärkt gefragt sind, gerade eben, weil die Kosten für Beschaffung, Betrieb und Wiederverwertung von Hardware jetzt so schwer kalkulierbar sind. Die steigenden Infektionszahlen ebnen den Weg für ein Umdenken. Jetzt sind flexible Arbeitsmodelle gefragt, die nicht nur die Produktivität durch Flexibilität steigern, sondern auch dem Aspekt der Gesundheit entgegenkommen.
ITD: Von wo aus werden Arbeitnehmer die nächsten Wochen und Monate wohl bevorzugt arbeiten – vom Homeoffice aus, um möglichst Kontakte und damit Infektionsrisiken zu vermeiden, oder vom Büro aus, um daheim Heizkosten zu sparen?
Riester: Das ist nicht ganz einfach zu beantworten, denn beide Szenarien zeigen ja bereits in Ihrer Frage mögliche Vor- und Nachteile auf. Wir gehen davon aus, dass sich hybride Arbeitsformen durchsetzen werden, sprich ein gesunder Mix aus Homeoffice und Präsenzarbeit, der auf die Bedürfnisse von Unternehmen und der Belegschaft ausgerichtet ist. Wir pflegen jedenfalls auch weiterhin dieses hybride Arbeitsmodell, das unseren Mitarbeitern genau diese Flexibilität bietet, die nötig ist, um maximal motiviert, zufrieden und damit letztlich auch produktiv zu sein.
ITD: Wie können wiederum Unternehmen eine produktive Arbeitsumgebung sicherstellen, die infektionssicher und zugleich nachhaltig, sprich energiesparend, ist?
Riester: Infektionssicher und Nachhaltigkeit sind zwei Themen, die in der heutigen Zeit tatsächlich gemeinsam betrachtet werden sollten. Wenn ich meine neue Arbeitsweise anschaue, dann reise ich deutlich weniger als früher. Damit spare ich CO2 und schütze gleichzeitig meine Kontakte und mich selbst vor Infektionen. Gerade im Hinblick auf die Nachhaltigkeit ist die IT gefordert. Zum einen müssen wir die Systeme nachhaltig gestalten und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Themen „Materialien“, „Energieanforderungen“, „CO2-Fussabdruck“ und die „Herstellung“ legen. Unternehmen können einen enormen Beitrag leisten, indem sie Verpackungen umweltfreundlicher gestalten und auch das Recycling mit in den Produktkreislauf einbeziehen. Die Zahlen des global eWaste Monitors sind wirklich bemerkenswert: Von den jährlich anfallenden 53 Millionen Tonnen Elektroabfall werden lediglich 17 Prozent recycelt. Deswegen haben wir das Thema „Nachhaltigkeit“ mit dem Moonshot-Ziel ganz nach oben gesetzt. Bis 2030 werden alle unsere Verpackungen aus recycelten oder nachwachsenden Rohstoffen sein und für jedes verkaufte Produkt werden wir eins recyceln oder wiederverwenden.
Bildquelle: Dell