Jörg Keller, BT Germany

Interview mit Jörg Keller, Senior Product Manager IT Services, BT Germany

Jörg Keller, BT Germany

IT-DIRECTOR: Auf welche Service Level Agreements sollte ein IT-Verantwortlicher beim Abschluss eines Cloud-Vertrags – etwa hinsichtlich der Dienstgüte, Verfügbarkeit und Datensicherheit – auf jeden Fall bestehen?
J. Keller:
Das hängt stark von der Anwendung ab, die „in die Cloud“ ausgelagert werden soll. Bei geschäftskritischen Daten und Prozessen sind Verfügbarkeiten von 99,9 Prozent oder höher üblich und notwendig. Wichtig ist es, alle Komponenten einer Cloud-Lösung zu betrachten: So hilft es nichts, wenn die Server zuverlässig sind, aber die Netzverbindung für längere Zeit ausfällt. Ein SLA sollte also die Ende-zu-Ende-Verfügbarkeit vom Endgerät des Anwenders bis zur eigentlichen Applikation umfassen.

IT-DIRECTOR: Worin liegen die Unterschiede bei der Ausgestaltung von SLAs für Private Clouds und für Public Clouds?
J. Keller:
Mit „Public Cloud“ werden meist Angebote beschrieben, die auf eine geteilte Infrastruktur zurückgreifen und via Internet angebunden sind. Für die Leistung der Internet-Anbindung und insbesondere Latenzzeiten kann der Public-Cloud-Anbieter aber in der Regel keine Garantie abgeben, da sie von verschiedenen Providern abhängig ist. Das limitiert die SLA-mäßige Zusicherung von Performance, Verfügbarkeit und Sicherheit sowie rechtliche Compliance von Public-Cloud-Angeboten und schränkt deren Nutzungsmöglichkeiten für Unternehmen massiv ein.

Mit der sogenannten „Private Cloud“ beschreiben Hardware-Hersteller, wie sich Unternehmen eine eigene Infrastruktur aufbauen können, deren starre Kapazitäten durch Virtualisierungstechniken möglichst effizient allokiert werden. Mit der Agilität und den Kostenvorteilen des eigentlichen Cloud-Ansatzes hat das nichts mehr zu tun. Der Begriff ist deshalb fehlleitend. Der dahinter stehende objektive Bedarf an Security, Compliance und kontrollierbarer Performance definiert jedoch wichtige Anforderungen einer Cloud-Lösung für Unternehmenszwecke.

Nur eine „Hosted Private Cloud“ wie VDC verbindet konsequent und SLA-basiert das Beste beider Welten: Nämlich die Agilität, das Vermeiden von Kapitalbindung und Kapazitätsgrenzen sowie das Pay-per-Use-Modell des Cloud-Ansatzes auf der einen Seite mit den harten Anforderungen an Security, Kontrolle und Compliance und auf der anderen Seite. VDC erreicht dies durch vollständig portalgesteuerte, je Kunden-VDC dedizierte Kapazitäten, vollständige 365x24x7-Automatisierung und Pay-per-Use-Abrechnung. Darüber hinaus kann ein VDC nicht nur via Internet angebunden werden, sondern optional mittels privatem MPLS. Die Sicherheit, Leistungskontrolle und entsprechenden SLAs erstrecken sich damit bruchfrei über die gesamte Strecke der Datenbewegung.

IT-DIRECTOR: Wie ist es um den Support für Public-Cloud-Lösungen bestellt? Kratzt dieser nur an der Oberfläche oder kann Nutzern auch individuell geholfen werden?
J. Keller:
Das ist sicher sehr stark vom jeweiligen Anbieter abhängig. Gerade bei vordergründig preisgünstig erscheinenden, Internet-basierten Angeboten muss dem Anwender klar sein, dass er nicht die im Enterprise-Markt angemessene Unterstützung erhalten wird. BT hingegen begleitet ihre Kunden auf Wunsch bei der Identifikation geeigneter Nutzungsszenarien, Verknüpfung mit Nicht-Cloud-Elementen, Einbindung in die Infrastruktur-Strategie, sichere Migration und darüber hinaus kontinuierlich durch beratende Experten.

IT-DIRECTOR: Externe Cloud-Anwendungen müssen auch mit internen, nicht-cloud-fähigen Applikationen interoperabel sein. Inwieweit verlieren Cloud-Lösungen ihren Reiz, wenn hierfür erst teure Schnittstellen aufwendig programmiert werden müssen?
J. Keller:
Das ist richtig, ganz besonders natürlich bei Hybrid-Lösungen, bei denen einige Teile der IT in die Cloud ausgelagert werden, andere im Unternehmen verbleiben. BTs VDC-Produktfamilie ist auf diese praktischen Anforderungen ausgerichtet:

Mit dem Feature „VDC Connect“ können wir nicht nur mehrere VDCs des Kunden miteinander verbinden, sondern auch individuelle Lösungen als Colocation/Telehousing oder Managed Hosting direkt im BT-Rechenzentrum oder am Kundenstandort anbinden.

Mit dem Feature „Customer Virtual Server“ (CVS) gibt es eine Migrationslösung für Unternehmen, die bereits virtualisierte Server in ihren Rechenzentren betreiben. Vorhandene virtuelle Server lassen sich mit CVS einfach, schnell und automatisiert in das VDC verlagern.

Die Technik ist die eine Seite, aber darüber hinaus bieten wir praxisbewährte Methoden, ganze Applikationsportfolios auf ihre Cloud-Tauglichkeit zu untersuchen, eine Roadmap mit dem Kunden zu erstellen und schrittweise Migrationen gesichert durchzuführen. Die VDC-Umgebung wächst dabei kapazitäts- und kostenmäßig schlank mit.

Wenn solche Lösungen nicht bereitstehen und erst entwickelt werden müssen oder viele Arbeitsschritte manuell durchgeführt werden müssen, erhöht dies die Kosten einer Cloud-Lösung, was natürlich die Attraktivität schmälert.

IT-DIRECTOR: Apropos Interoperabilität: Wie aufwendig ist nach einer Vertragskündigung die Migration von einem Public-Cloud-Anbieter zu einem anderen?
J. Keller:
Das ist insbesondere für „Software-as-a-Service“ Themen relevant. Bei reinen „Infrastructure-as-a-Service“-Lösungen, wenn also z.B. Serverkapazität mit einem Standard-Betriebssystem genutzt wird, ist ein Wechsel vergleichsweise einfach. Unser Kunde behält zu jeder Zeit die Kontrolle über seine Installation und erst recht über seine Daten.

IT-DIRECTOR: Das Internet vergisst nichts – wie können IT-Verantwortliche dennoch sichergehen, dass ihre beim alten Cloud-Anbieter verbliebenen Unternehmensdaten sicher und gesetzeskonform gelöscht werden?
J. Keller:
Sicherheit ist für die meisten Anwender ein besonders wichtiger Punkt. Wichtig: Die Verantwortung für die Einhaltung von Richtlinien wie Datenschutzgesetzten liegt immer beim Unternehmen und verbleibt auch dort, wenn Daten oder Anwendungen ausgelagert werden. Insofern ist es für ein Unternehmen gerade bei personenbezogenen Daten besonders wichtig, einen vertrauenswürdigen Cloud-Anbieter auszuwählen, der hohe Sicherheitsstandards bieten kann. Bei BT liegen Kundendaten nicht „irgendwo in der Cloud“ sondern in einem dem Kunden bekannten BT Rechenzentrum. Dieses, die VDC-Plattform und alle dahinterliegenden Prozesse sind zertifiziert. Und unsere Kunden steuern ihre VDCs selber und haben damit auch die vollständige Kontrolle über installierte Applikationen und Daten.

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