Internetkriminalität

Katastrophenfall Cybersicherheit?

Dirk Arendt, Head of Governement, Public & Healthcare bei Trend Micro Deutschland, kommentiert den jüngsten Cyberangriff auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld und ­dessen Auswirkungen auf die zukünftige Akzeptanz digitaler Verwaltungsprozesse.

Internetkriminalität

Durch zunehmende Ver­netzung steige in allen Bereichen das Risiko für Cybervorfälle, mahnt Arendt.

Das gab es in Deutschland noch nie: Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat in Folge eines erfolgreichen Cyberangriffs den Katastrophenfall ausgerufen. So drastisch dieser Schritt klingen mag – so wichtig und richtig ist er. Denn so kann der Landrat schneller entscheiden und Experten zur Hilfe holen, um die Lage bestmöglich wieder in den Griff zu bekommen. Doch die Ereignisse könnten auch das Vertrauen der Bürger in die Leistungs­fähigkeit des Staates untergraben und das weitere Voranschreiten der Digitalisierung bremsen. Das aber wäre fatal, denn künftig werden wir nicht mehr ohne digitale Prozesse auskommen.

Es ist kein Geheimnis, dass kommunale Einrichtungen mit der Digitalen Transformation noch hinterherhinken. Auch bei der Absicherung ihrer Infrastrukturen sind sie schlechter aufgestellt als Behörden auf Bundes- oder Länderebene, wo zum Beispiel CERTs geschaffen wurden. Dabei haben gerade im lokalen Bereich Systemausfälle unmittelbare Folgen für die Menschen vor Ort – wie der Vorfall in Anhalt-Bitterfeld deutlich macht. Hier liegt die Verwaltung des Landkreises für zwei Wochen praktisch still. Unter anderem können keine Bescheide bearbeitet und keine Sozial- und Unterhaltsleistungen mehr ausgezahlt werden.

Wir müssen uns deutlich vor Augen halten: Wo das Digitale auf das wirkliche Leben trifft, können sich auch digitale Angriffe auf die physische Welt auswirken. Das wird künftig noch häufiger passieren – sei es bei Behörden, Krankenhäusern, Energieversorgern oder anderen Einrichtungen, die für das öffentliche ­Leben relevant sind. Durch die zunehmende Ver­netzung steigt in allen Bereichen des Alltags das Risiko für Cybervorfälle. Dieser Herausforderung müssen sich Gesellschaft und Staat stellen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die gute Nachricht ist: Im Gegensatz zu vielen anderen Katastrophen handelt es sich bei Cyberangriffen nicht um höhere Gewalt. Wir haben es selbst in der Hand, Schaden zu vermeiden, indem wir uns gut vorbereiten. Unerlässlich sind zum Beispiel Notfallpläne, die genaue Handlungsanweisungen geben, was im Ernstfall zu tun ist. So lassen sich Auswirkungen von Cybervorfällen minimieren und schnellstmöglich beheben. Dafür spielen leistungsfähige Tools zur effektiven Detection & Response eine wichtige Rolle. Sie ermöglichen es, Anzeichen schnell zu erkennen und umgehend zu reagieren. In solche Infrastrukturen müssen wir verstärkt investieren.

Kommunale Einrichtungen dürfen bei der Cyber­sicherheit nicht länger hinterherhinken. Beschränkte finanzielle und personelle Ressourcen sollten dafür kein Hinderungsgrund sein. Auch mit kleinen Budgets ist es möglich, eine professionelle Cyberabwehr aufzubauen, indem man zum Beispiel Security-Dienstleistungen als „Managed Service“ von hochqualifizierten und -spezialisierten Partnern bezieht.

Unser Grundgesetz sichert Gemeinden zu, ihre Belange selbst gestalten zu dürfen. Doch dieses sinnvolle Instrument der „kommunalen Selbstverwaltung“ gerät leider bei international agierenden Kriminellen schnell an ihre Grenzen. Hier müssen wir über Lösungen für die Zukunft nachdenken: rechtlich, prozessual und schnell. Obwohl der Vorfall im Landkreis Anhalt-Bitterfeld den Finger in die Wunde legt und uns Schwachstellen aufzeigt: Es wäre falsch, der Digitalisierung die Schuld zu geben und ihre Sinnhaftigkeit anzuzweifeln. Vielmehr ist es an der Zeit, sie richtig anzugehen. Wir müssen die Sicherheit von Anfang an in allen Bereichen mitdenken und in gute Lösungen investieren.

Bildquelle: Trend Micro Deutschland GmbH

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