Meinung: Elektronischer Dokumentenaustausch

Kein Aus für die E-Mail

Seitens Marktanalysten und Anbietern hörte man zuletzt regelmäßig vom Ende der E-Mail. Denn die Kommunikationsform sei nicht mehr zeitgemäß, könne doch insbesondere die jüngere Generation rein gar nichts mehr mit diesem Medium anfangen. Vielmehr würden die sogenannten „Digital Natives“ ausschließlich über Chats, Foren oder soziale Netzwerke kommunizieren.

Mail, Bildquelle: Thinkstock/iStock

Vielleicht wird der Mailverkehr in der internen Kommunikation auf lange Sicht zurückgehen.

Dies mag augenscheinlich der Fall sein. Und sicherlich haben es viele junge Leute nicht einfach, wenn sie nach dem Schulabschluss oder Studium in den Arbeitsalltag von Großunternehmen eintauchen. Ob sie jedoch einen regelrechten Kulturschock erleiden, wenn sie das erste Mal eine E-Mail schreiben bzw. mit einem Mailprogramm arbeiten müssen – was durchaus viele Branchenkenner behaupten – sei einmal dahingestellt.

Vielleicht wird der Mailverkehr in der internen Kommunikation auf lange Sicht zurückgehen. Lassen sich doch für die Mitarbeiter relevante Informationen sehr gut in einem Intranet oder sozialen Netzwerk darstellen. Insbesondere letzteres kann zum einen für allgemeine Infos wie den Kantinenplan, die Weihnachtsfeier oder einen anstehenden Vorstandswechsel genutzt werden. Zum anderen lässt sich damit auf Abteilungsebene die Zusammenarbeit besser koordinieren. So können Projektteams in eigenen Gruppen oder Foren vertraulich kommunizieren und zeitgleich an denselben Dokumenten arbeiten, ohne in die Gefahr des Versionschaos zu geraten.

Doch was passiert, wenn eine von der Gruppe vereinbarte Aufgabenliste von dem einen oder anderen Mitarbeiter nicht im gewünschten Zeitrahmen eingehalten wird? Wird dieser im großen Forum öffentlich gerügt? Oder mittels einer für ihre kryptische Sprache bekannte Chatnachricht Druck auf ihn ausgeübt? Wohl kaum, denn ob dieser arbeitsrechtlich fraglichen Vorgehensweise stünde schnell der Betriebsrat auf dem Plan. In solchen Fällen wird die direkte Kommunikation mit dem einzelnen Mitarbeiter wohl auch in Zukunft vertraulich per Mail ablaufen. Darüber hinaus wird die „soziale Kommunikation“ wohl spätestens bei der Außenkommunikation an ihre Grenzen stoßen. Sicherlich kann man soziale Netze auch für die Kommunikation mit Kunden und Partnern zunächst freischalten und anschließend rege nutzen. Doch wie sieht es in diesem Zusammenhang mit einer revisionssicheren Archivierung der Inhalte in Chats und Foren aus – und dies sowohl betriebsintern sowie auf Seiten der Kunden und Partner? Und auf welche gemeinsamen Richtlinien – neudeutsch Guidelines – einigen sich die Parteien? Dies sind nur einige Aspekte, die die Nutzung von Firmengrenzen überschreitenden Netzen etwas kompliziert werden lassen. Ganz zu schweigen von einheitlichen technologischen Standards. An dieser Stelle sei ein Vermerk auf den noch immer alles andere als standardisierten elektronischen Dokumentenaustausch erlaubt.

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