Scrum-Meeting? Oder doch bloß Gedränge?
Agile Methoden sind in. Wer bei Jobscout 24.de die Stichworte "Agile" oder "Scrum" (eine Methode zur agilen Softwareentwicklung) eingibt, bekommt deutlich mehr als 500 Treffer angezeigt. Ohne Kenntnis dieser Methoden scheint heute kaum noch jemand einen Job in Entwicklung oder Projektmanagement zu bekommen.
Doch es gibt auch Skeptiker, die zwar agile Methoden bevorzugen, aber trotzdem Schwachpunkte sehen. Die Beraterin
Martine Herpers weist auf die hohe Bedeutung der OderFührungskräfte hin: Durch gegenseitiges Misstrauen kann rasch eine Atmosphäre entstehen, bei der die täglichen Kurzmeetings zu einer Farce werden, weil niemand die wirklichen Probleme anspricht.
Dies wird auch von erfahrenen IT-Praktikern so gesehen: Wolfgang Sprick von der Datagon GmbH meinte in einer
Diskussion auf Xing, das sich die Rolle der Führungskräfte sehr stark ändert. "Pläne verlieren an Wert, Command & Control ist out. Die eigene Rolle müsste ganz neu definiert werden. Vor allem das eigene Verhalten müsste oft stark hinterfragt werden."
Nicht alle Führungskräfte erkennen dies als Chance, so dass Situationen wie die von Martine Herpers beschriebene entstehen: Die Führungskräfte verhindern einen offenen Austausch. Ohnehin sind Meetings und noch dazu tägliche nicht beliebt. Bei Scrum zum Beispiel dienen sie der selbst organisierten Arbeitsverteilung.
In vielen Unternehmen funktioniert das allerdings nicht: Die Entwickler fühlen sich aus der Arbeit herausgerissen, die Meetings dauern zu lange und hinterher weiß niemand so recht, was jetzt seine Aufgabe ist. Dies kann sehr unterschiedliche Gründe haben. Ein häufiger Fehler ist es, für agile Methoden ungeeignete Projekte auszuwählen.
Dies liegt an einer Überschätzung dieser Methoden. Der
Unternehmensberater Dr. Michael Kirchhof stellt eine "teilweise fast naive Begeisterung für agile Methoden" in den Unternehmen fest. Er plädiert für eine undogmatische Herangehensweise und meint: "So bieten sich für Migrationsprojekte, bei denen der Kundenauftrag genau und endgültig abgegrenzt ist, klassische Steuerungsmechanismen geradezu an."
Doch neben den Führungskräften und falsch ausgewählten Anwendungsgebieten gibt es noch einen dritten Stolperstein: Die "normalen" Mitarbeiter, die plötzlich ihre Arbeit nicht mehr auf dem Silbertablett präsentiert bekommen. "Die Transparenz und die plötzliche Selbstorganisation schleudert so manchen festgefahrenen Entwickler aus seiner Bahn",
meint Ilker Cetinkay, Berater für Agiles Management.
Viele Leute fühlen sich von der gewachsenen Verantwortung für die eigene Arbeit überfordert. Sie reagieren dann mit "Dienst nach Vorschrift" - oder was sie dafür halten. "Um es etwas provokant auszudrücken:Sehr," beschreibt Cetinkay die gestiegenen Anforderungen an die Mitarbeiter.
Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Gunter Dueck in seinem neuen
Buch. "Agilität erfordert ein hohes Maß an professionellen Kommunikationsfähigkeiten, und zwar fast durchweg von allen Entwicklern", meint der erfahrene IT-Manager und Ex-IBM-CTO. Leider mangele es ihnen häufig an Kommunikationsfreude und -fertigkeit.
Er empfiehlt agile Methoden nur für solche Projekte, bei denen es um Innovation geht und gleichzeitig Innovatoren mitarbeiten: "Agile Entwicklung ist dann besser als solche nach bürokratischen Prozessen, wenn alle Beteiligten Pioniere und Entrepreneure sind, also auch als Personen agil sind. Ein agiles Projekt mit traditionellen Mitarbeitern, die für alles Anordnungen und Arbeitszuweisungen erwarten, wird tendenziell scheitern."
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