Digitaler Handel

Kein temporärer Trend

Im Interview betont Malte Rau, CEO und Co-Gründer des Fintechs Pliant, dass Covid-19 nicht für einen temporären Trend, sondern für eine langfristige ­Entwicklung im digitalen Handel sorgt.

Malte Rau, Pliant

Laut Malte Rau ist die Kreditkarte im Berufsleben das vorherrschende Zahlungsmittel.

ITD: Herr Rau, laut einer aktuellen Umfrage der Universität Regensburg haben Scheine und Münzen bald ausgedient. Wie sehen Sie das?
Malte Rau: Grundsätzlich begrüßen wir diese Entwicklung. Insbesondere weil hohe Kosten mit der Herstellung und Ver­teilung von Geldscheinen bzw. Münzen verbunden sind, sparen solche Entwicklungen viele Ressourcen ein. Auch wird der Endverbraucher durch den fort­geschrittenen Digitalisierungsprozess von Zahlungsmitteln nur profitieren – Kreditkarten sind nämlich nicht teurer oder kompliziert in der Anwendung. Eines der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale besteht darüber hinaus in der Art, wie abgerechnet wird – also in Prozent. Zwei Prozent des Umsatzes hören sich da für viele nach ­einer höheren Ausgabe an als 1.000 Euro für eine spezifische Ausgabe innerhalb eines Unternehmens. 

ITD: Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie in den letzten Monaten auf die Entwicklung und Nutzung ­digitaler Payment-Lösungen hierzulande ausgeübt?
Rau: Corona hat die Entwicklung extrem getrieben. Heutzutage wird jemand schon ein wenig kritisch beäugt, wenn er an der Kasse mit Münzen bezahlt – schließlich können sich Bakterien noch eine lange Zeit auf Münzen und Scheinen halten. Ähnlich intensiv wie im Alltag spüren wir auch einen vertieften Digitalisierungsgrad im Berufs­leben. Hier ist die Kreditkarte das vorherrschende Zahlungsmittel.

ITD: Welche Bezahlmöglichkeiten werden derzeit im E-Commerce bevorzugt und warum?
Rau: Der riesengroße Vorteil von Kreditkarten hängt mit der Schnelligkeit von Zahlungsprozessen zusammen. E-Commerce-Betreiber werden sofort bezahlt, während das Risiko eher bei der Bank oder dem Kartenanbieter bleibt. Käufer erhalten zudem einen Schutz durch Visa oder Mastercard, sollten bestimmte Waren nicht geliefert werden. Das Problem eines ärgerlichen Zahlungsausfalls kann so gar nicht erst entstehen.

ITD: Wo sehen Sie noch Herausforderungen und Stolpersteine?
Rau: Wirkliche Stolperstein sehe ich – Stand jetzt – nicht. Eher können kleine Details am Markt noch für kleinteilige Probleme sorgen – beispielsweise wenn man sich die gegenwärtigen Zahlungsprozesse genauer ansieht, die aufgrund von Zwei-Faktor-Authentifizierung oft kompliziert verlaufen. Da diese Authentifizierung allerdings den Teil einer regulatorischen Übergangsphase darstellt, wird dieser Prozess mittelfristig überwunden sein. Dies ist nur eine Frage der Zeit und löst dabei das viel größere Problem von Sicherheits- und Betrugsrisiken.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Warum wird 2022 Ihrer Meinung nach ein richtungsweisendes Entscheidungsjahr für den E-Commerce?
Rau: Weil Covid-19 im digitalen Handel nicht für einen temporären Trend, sondern für eine langfristige Entwicklung gesorgt hat. Wir werden in ­Zukunft eine noch stärkere Fokussierung auf den E-Commerce erleben. Dass die Branche extrem stark weiterwachsen wird, ist daher nur die logische Folge.

Bildquelle: Pliant

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