Anton Kreuzer, Geschäftsführer der Frontrange Solutions Deutschland GmbH
IT-DIRECTOR: Welche Standards existieren bereits für das Cloud Computing?
A. Kreuzer: Die Standardisierungsbemühungen stecken beim Cloud Computing noch in den Kinderschuhen. Zwar existieren bereits verschiedene Standards – etwa zum Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Cloud-Umgebungen, es bleibt jedoch abzuwarten, welche davon für einen wirtschaftlichen Einsatz ausgereift sind und ob sich diese durchsetzen können. Besonders bei den Themen Rechts- und Informationssicherheit – beispielsweise in Bezug auf Datenschutz – und Governance müssen schnellstmöglich verbindliche Standards festgelegt werden.
IT-DIRECTOR: Was halten Sie von dem Softwareprojekt „OpenStack“? Inwiefern wird die Verbreitung der daraus resultierenden Technologien vorangetrieben?
A. Kreuzer: Es ist schwierig, die Relevanz dieses Projektes einzuschätzen.
IT-DIRECTOR: Inwieweit sollten die Bundesregierung oder die EU hinsichtlich der Etablierung von Clouds-Standards aktiv werden?
A. Kreuzer: Eine der zentralen Fragen von Unternehmen und Privatanwendern beim Cloud Computing ist, was genau mit ihren Daten passiert und wer darauf zugreifen kann. Um den Anwendern hier langfristig Sicherheit zu geben, müssen sowohl die EU als auch die Bundesregierung zeitnah die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen. Daher wäre es wünschenswert, dass beide Institutionen das Thema Cloud Computing weiter vorantreiben.
IT-DIRECTOR: Woran liegt es, dass sich Standards für Cloud Computing aktuell noch nicht flächendeckend etablieren konnten?
A. Kreuzer: Cloud Computing ist trotz des Hypes der letzten Jahre immer noch eine junge Technologie. Dies ist einer der Gründe, warum sich bisher noch keine allgemein akzeptierten Standards herausgebildet haben. Zudem ist es ein Markt mit vielen Technologie-Anbietern, die alle unterschiedliche Vorstellungen von der Cloud haben. Da die fehlenden Standards zur Verunsicherung der Unternehmen beitragen, sind die Bemühungen der verschiedenen Cloud-Initiativen umso wichtiger.
Stichwort Migration: Worauf sollten IT-Verantwortliche, die Teile ihrer IT in die Cloud verlagern wollen, hinsichtlich Interoperabilität bzw. Datenkonsistenz achten?
A. Kreuzer: Prinzipiell sollten IT-Verantwortliche darauf achten, dass sich in der Cloud keine neuen organisatorischen Silos entwickeln, die nicht vollständig interoperabel sind. Wir haben beispielsweise im Bereich des IT-Service-Management beobachtet, dass Unternehmen häufig mehrere Systeme – klassische sowie cloud-basierte – parallel nutzen, in die jeweils nur ein Teil der Anwendungen integriert ist. Dies ist nicht nur unkomfortabel für die Nutzer, sondern stellt auch die IT vor zusätzliche technische Herausforderungen und verursacht hohe Integrationskosten durch die vielen Einzellösungen. Sinnvoller sind hier sogenannte Hybridlösungen, die sowohl die On Premise installierten als auch die cloud-basierten Systeme abdecken können.
IT-DIRECTOR: Wie können die Anwenderunternehmen sicherstellen, dass ihre Cloud-Services untereinander bzw. mit älteren, bereits im Unternehmen vorhandenen Softwaresystemen integriert werden können?
A. Kreuzer: Unternehmen, die ihre bestehende Infrastruktur um Cloud-Services erweitern wollen, sollten bei der Auswahl sicherstellen, dass die für sie relevanten Anforderungen hinsichtlich Integration, Migration und Standards erfüllt werden. Die bessere Alternative sind meist allerdings hybridfähige Systeme, die sich individuell an die Anforderungen der Firmen anpassen lassen und ihnen gleichzeitig die notwendige Flexibilität und Skalierbarkeit geben, um auch für zukünftige Herausforderungen bestens gerüstet zu sein.
IT-DIRECTOR: Worauf sollten die Verantwortlichen bei der Technologieauswahl und beim Vertragsabschluss achten, damit es bei einem Wechsel von der Cloud zurück auf „herkömmliche“ Systeme nicht zu einem bösen Erwachen kommen wird?
A. Kreuzer: Ideal sind hybridfähige Systeme wie unsere „Hybrid IT Service Management“-Lösung, die sich sowohl klassisch, On Premise im Rechenzentrum als auch in der Cloud einsetzen lassen. Da sie sich jederzeit an die individuellen Anforderungen des Unternehmens anpassen lassen, ermöglichen sie Organisationen, ihre Cloud-Strategie ohne großen Aufwand zu ändern und anzupassen. So können beispielsweise kleinere Firmen ohne große IT-Abteilung Services problemlos in die Cloud auslagern, um den Installations- und Wartungsaufwand gering zu halten. Wächst die Firma dann beispielsweise, kann es sinnvoll sein, die Lösung stattdessen im eigenen Rechenzentrum zu installieren. Dieser Wechsel von der Cloud zu einem klassischen Modell oder umgekehrt ist mit Hybridsystemen jederzeit problemlos möglich.