Kommentar von Matthias Kellers, Tools4ever

Keine Vorurteile

Matthias Kellers, Consultant bei Tools4ever, räumt mit den Mythen rund um Single-Sign-On (SSO) auf.

Matthias Kellers, Tools4ever

Matthias Kellers ist Con­sultant bei Tools4ever, ­einem Anbieter von Identity- und Access-Management­lösungen.

Single-Sign-On (SSO) bietet einige Vorteile: Endbenutzer melden sich einmal mit ihren Zugangsdaten an und können sofort auf alle Anwendungen und Systeme zugreifen. Erneute Anmeldungen sind nicht erforderlich. Viele Unternehmen zögern jedoch bei der Implementierung einer Single-Sign-On-Lösung. Wobei die Skepsis vieler IT- und Security-Manager auf zahlreichen Vorurteilen beruht, die überdies oftmals noch falsch sind.

SSO-Einsatz belastet die Sicherheit

Viele Verantwortliche glauben: Das Öffnen der Anwendungslandschaft per einmaligem Login gefährdet die Datensicherheit. Wenn unbefugte Personen dann die einzig noch verbleibenden Anmeldedaten erfahren, können sie auf alle registrierten Anwendungen zugreifen. Unternehmenskritische Informationen stehen offen, und vor allem das stößt auf Widerstand. Und in der Tat, bei SSO ersetzt ein Zugangspunkt alle unterschiedlichen Zugangsports.

Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass Enduser ihre durchschnittlich zwölf Kombinationen aus Benutzernamen und Passwörtern, die sie ohne SSO benötigen, tastaturnah notieren. Unbefugter Zugriff ist also einfach möglich. Dagegen ist die eine SSO-Kombination leicht merkbar. Und um kritische Anwendungen mit sensiblen Informationen zu schützen, lässt sich ein primärer SSO-Login mit einer Smartcard und PIN-Code oder einem komplexen Passwort zusätzlich sichern. Dieser Anmeldungsprozess gilt gleichermaßen als sicher und benutzerfreundlich.

Langwierige SSO-Implementierung

SSO wird oft im Rahmen umfassender Sicherheitsrichtlinien eingeführt, dazu gehören etwa komplexere Passwörter, der korrektere Umgang mit Genehmigungen und die Einhaltung offizieller Normen. Dabei betrifft SSO fast alle Endnutzer und die gesamte Organisation. Die mögliche Komplexität ist jedoch kein Grund, die Implementierung einer SSO-Lösung zu verschieben.

Cloud-Anwendungen lassen sich nicht einbinden

Viele widersprüchliche Aussagen legen diese Einschätzung nahe. Zweifel bestehen etwa darüber, ob sich die Anmeldungen für Cloud-Anwendungen überhaupt vereinigen lassen oder ob es Konnektoren dafür braucht. In der Tat sind manche Details der Auswirkungen der „Cloud“ in Kombination mit SSO unklar und müssen im Einzelfall geprüft werden. Grundsätzlich ist ein Login per SSO für Cloud-Anwendungen wie bei jeder anderen Anwendung möglich.

Eine SSO-Implementierung ist teuer

SSO für jeden Nutzer unternehmensweit einzuführen, kostet Geld. Stimmt, aber wieso sollte man das tun? Denn häufig ist es nicht nötig, eine SSO-Lösung für jeden im Unternehmen einzurichten. In Krankenhäusern ist SSO zum Beispiel nur für eine ausgewählte Gruppe erforderlich. Wer sich auf kritische Anwendungen beschränkt und auf Mitarbeiter mit vielen Berechtigungen, kann die Implementierung in puncto Preis und Komplexität leicht beherrschen. Zudem lassen sich SSO-Lösungen leicht erweitern und damit zukünftigem Wachstum Rechnung tragen.

Es ist besser, Entwicklungen noch abzuwarten

Viele Organisationen beobachten, was sich in ihrer Branche tut. Manche Krankenhäuser zögern etwa ­wegen der elektronischen Gesundheitskarte und einige Unternehmen warten bis andere, kritische Systeme wie ERP oder HR umfassend implementiert sind. Solche Umstellungen können gute Gelegenheiten bieten, um SSO als letzten Schritt einzuführen. SSO ist jedoch einfach und in kleinem Umfang bereits zu Prozess­beginn einsetzbar. Damit lassen sich alle neu implementierten Anwendungen in die SSO-Lösung einbeziehen, ohne große Anpassungen vorzunehmen.

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok