Christiaan Carstens blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung im Logistikumfeld zurück.
Anders als in den Bereichen „Marketing“ und „Sales“ steckte die Adoption von Artificial Intelligence (AI) in Logistikanwendungen bisher noch in den Kinderschuhen. Dies wird sich ändern. Einer Schätzung zufolge werden sich im Jahr 2024 knapp 50 Prozent aller Chief Supply Chain Officer mit dem Thema „AI“ tiefer beschäftigen und konkrete Pläne zur Einführung entwickeln. Ebenso hat ein signifikanter Teil bereits mit der konkreten Einführung begonnen.
Das Thema steht ganz oben auf der Prioritätenliste logistischer Führungskräfte, auch verbunden mit der Hoffnung, dass diese Technologie zu Verbesserungen im Bereich „Supply-Chain-Resilienz“ führen kann. Zudem werden Artificial Intelligence und Machine Learning (ML) ein Hebel sein, den für Großunternehmen spürbaren Fachkräftemangel durch Technologie zumindest in Teilen entgegenwirken zu können.
Diese klare Absicht, AI umzusetzen, wird die Art und Weise, wie Großunternehmen ihre operativen Logistikprozesse künftig gestalten und personell organisieren, massiv verändern. Dabei wird AI nicht unbedingt Menschen ersetzen. Vielmehr wird sich das Arbeitsbild dahin gehend verändern, dass Prozesse mit aufwendigen manuellen Anteilen intelligent automatisiert werden und der Mensch durch entscheidungsunterstützende oder auch entscheidungstreffende Funktionen entlastet wird. Im Kontext „AI in der Logistik“ wurde in der näheren Vergangenheit vor allem ausprobiert. Kleinere Prototypen oder Minimum Viable Products (MVP) haben die Implementierungslandschaft bis dato geprägt. Es war vor allem eine Suche nach Anwendungsfällen und Möglichkeiten, wie diese Technologien mit bestehenden Enterprise-Resource-Planning- (ERP) und Logistiksystemen verbunden werden können. Der Schwerpunkt lag oft in der Verwendung von AI in den Bereichen „Objekterkennung“ und „Identifizierung“, weniger in planerischen und optimierenden Bereichen. Die massive Innovationsgeschwindigkeit im AI-Sektor ermöglicht es jedoch, das Thema weiterzudenken.
Im Jahr 2024 werden AI und ML zur Fehlererkennung sowie als Frühwarnsystem im Bereich „Supply Chain Risk Management“ eingesetzt werden. Darüber hinaus finden sie im Kontext „Sequenz- und Ablaufoptimierung logistischer Aktivitäten“, beispielsweise in Bereichen wie Lkw-Abfertigung in großen Industrieanlagen oder auch in der Kommissionierauftragsplanung im Lager, zunehmend Verwendung.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2024. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
AI-gestützte Chatbots werden zur schnellen Auftrags- bzw. Datensuche eingesetzt und ermöglichen proaktive Information und Kommunikation bei Ungleichgewichten oder Störungen in der Logistik.
Diese Weiterentwicklungen werden zu einem Anstieg des Reifegrads und Erfahrungsschatzes im Umgang mit Artificial Intelligence führen und die gewonnenen Erkenntnisse gegen Ende des Jahres dazu beitragen, eine solide Grundlage für zukünftige Projekte zu bilden.
Bildquelle: Leogistics