Interview mit Nina Wegner, CEO von BT Germany & Austria

Kommunikativ neue Verbindungen knüpfen

Interview mit Nina Wegner, CEO von BT Germany & Austria, über die technologischen wie kulturellen Anforderungen angesichts immer komplexer wie globaler werdender Geschäftsbeziehungen.

  • Nina Wegner, CEO von BT Germany & Austria

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Nach Einschätzung der Experton Group werden neben Cloud Computing insbesondere Social Business & Collaboration, Big Data und Mobility in den kommenden Jahren wichtige Treiber des deutschen ITK-Marktes sein. Während Cloud Computing Unternehmen in die Lage versetzen soll, flexibel auf sich rasch verändernde Marktanforderungen zu reagieren, gewährleistet der Einsatz innovativer Collaboration-Tools den reibungslosen Informationsaustausch im Unternehmen mit Partnern und Kunden. Die Analyse umfangreicher, unstrukturierter Datenbestände, beispielsweise aus sozialen Netzen, tragen dazu bei, die Basis für Unternehmensentscheidungen nachhaltig zu verbreitern. Und nicht zuletzt ermöglichen immer leistungsfähigere mobile Endgeräte den Mitarbeitern, zeit- und ortsunabhängig auf geschäftsrelevante Informationen zuzugreifen und mit Partnern und Kunden zu kommunizieren.

Beim Bestreben diese Technologien zur Steigerung des Geschäftserfolgs zu nutzen, ist nach Meinung von Marktbeobachtern allerdings zu beachten, dass die technologischen Komponenten zwar eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung für eine erfolgreiche Umsetzung darstellen. Neben dem Implementieren leistungsstarker Infrastrukturen gilt es, traditionelle Geschäftsprozesse zu hinterfragen und bereit zu sein, im Hinblick auf die Unternehmensorganisation, aber auch die Kommunikationskultur, neue Wege zu beschreiten.

IT-DIRECTOR: Frau Wegner, wie stellt sich vor diesem Hintergrund der Markt für Netzwerk-, IT- und TK-Services in Deutschland dar?
N. Wegner:
Die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen hierzulande ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ gut. Ein Grund hierfür liegt sicherlich darin, dass große Teile der deutschen Wirtschaft exportgetrieben sind. Die damit verbundene globale Ausrichtung bedeutet, dass diese Firmen die Möglichkeit haben, weltweit neue, attraktive Absatzmärkte zu erschließen. Das ist für uns eine große Chance: Als internationaler Anbieter von Kommunikationslösungen sind wir in mehr als 170 Ländern vertreten und können unsere Kunden optimal unterstützen, wenn sie zum Beispiel in Lateinamerika oder Asien expandieren. Die Internationalität bringt natürlich auch immer neue Herausforderungen mit sich, so muss man sich mit einer Vielzahl regional unterschiedlicher Datenschutzrichtlinien und Compliance-Vorgaben auseinandersetzen. Auch dabei beraten wir unsere Kunden und haben beispielsweise neue Cloud-Services entwickelt, die genau auf diese Anforderungen eingehen.

IT-DIRECTOR: Wie unterstützen Sie die Unternehmen dabei konkret?
N. Wegner:
Es geht für Infrastruktur- und Service-Provider wie uns heute nicht mehr vorrangig um die Bereitstellung von Kapazitäten oder Bandbreiten. Man muss vielmehr die tatsächlichen Bedürfnisse des Kunden verstehen und erkennen, wo er innerhalb seiner Wertschöpfungskette, was an welchem Punkt der Erde benötigt. Überdies muss man wissen, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Ausprägung er bestimmte Infrastrukturen und Services braucht und diese dann bereitstellen.

Mit „Cloud Compute“ bieten wir beispielsweise einen Service, mit dem CIOs deutlich bessere Steuerungsmöglichkeiten bei Planung, Erstellung, Bezug und Betrieb von Cloud-Lösungen haben. Die IT-Verantwortlichen können so individuelle Cloud-Lösungen aufbauen, die weltweit dieselben Standards in puncto Qualität, Sicherheit und Service erfüllen. Unsere Kunden können dank einer intelligenten Orchestrierung von Infrastruktur, Netzwerk, Anwendungen und Services die Ressourcen – und damit auch die Kosten – direkt nach ihren Geschäftsbedürfnissen ausrichten. Die Lösung hilft CIOs, auch strenge Compliance-Regelungen sowie lokale Gesetzesvorgaben und Vorschriften zu erfüllen. Die Services werden in mehr als 45 Rechenzentren rund um die Welt gehostet, und mithilfe eines Self-Service-Dashboards können die Kunden selbst entscheiden, wo genau ihre sensiblen Daten liegen sollen. Der IT-Administrator behält damit eine umfassende Steuerungsmöglichkeit und kann durch kontinuierliche Analysen überprüfen, ob er bezüglich der kalkulierten Leistungen noch im Plan ist oder ob Engpässe zu befürchten sind.

Von traditionellen Cloud-Angeboten unterscheidet sich Cloud Compute durch besondere Ausfallsicherheit und Fehlertoleranz, so dass Kunden ein Servicelevel von etwa 99,95 Prozent erhalten. Zudem bietet es Unternehmen die Möglichkeit, ihre eigenen Rechenzentren und Private Clouds mit den weltweiten Cloud-Kapazitäten von BT zu kombinieren.

IT-DIRECTOR: Setzen derartige Konstellationen nicht häufig eine grundlegende Transformation der kundeneigenen IT voraus?
N. Wegner:
Ja, das kann die Rolle der IT-Abteilung verändern. Man muss diesen Wandel bei der IT-Konzeption allerdings sehr differenziert betrachten. Es gibt hier keinen Königsweg. Jedes Unternehmen hat spezifische Anforderungen und Prozesse, die unterschiedlich angegangen werden müssen. In einem Fall können Prozesse sinnvoll und effizient über externe Cloud-Services abgewickelt werden. Es gibt allerdings auch Prozesse, die aus unternehmenspolitischen, sicherheitsstrategischen oder sonstigen Erwägungen komplett unter Eigenregie verbleiben sollen. In diesem Fall sind dann möglicherweise Investitionen in die unternehmenseigene Infrastruktur notwendig.

Unser Vorteil ist es, dass wir eine große Bandbreite an Services anbieten: Wir haben Experten, die unseren Kunden helfen, ihre eigene IT zu modernisieren. Dabei können wir Teile davon betreiben oder alle komplett in die Cloud auslagern. Gelegentlich hängt die Entscheidung davon ab, wie schnell derartige Strukturänderungen aufgrund wirtschaftlicher Rahmenbedingungen realisiert werden müssen. Viele Unternehmen benötigen für diese generellen Entscheidungen eine Basisanalyse. Diese sollte neben einer Ist-Aufnahme der branchenspezifischen Bedürfnisse und den zur Realisierung notwendigen technologischen Bausteinen auch eine konkrete Roadmap für die kommenden zwei bis drei Jahre beinhalten.

IT-DIRECTOR: Inwieweit bieten Sie ihren Kunden Consulting-Leistungen rund um IT-Transformationen an?
N. Wegner:
Aufgrund des hohen Bedarfs haben wir in den letzten Jahren unsere Ressourcen im Bereich Consulting und Professional Services massiv ausgebaut. Unsere Advise-Spezialisten decken sowohl den IT-Bereich mit Themen wie Datacenter, Cloud Computing und Storage, als auch den Telekommunikationsbereich rund um Einsatzszenarien für Unified-Communications- und Collaboration-Lösungen (UCC) ab.

Basierend auf ihren Erfahrungen haben unsere Experten außerdem branchenspezifische Konzepte für zehn Wirtschaftssektoren von Automotive bis Logistics entwickelt. Gemeinsam mit unserem vielfältigen Infrastrukturangebot verfügen wir damit über einen hochflexiblen „Werkzeugkasten“. Im Rahmen von uns durchgeführter Basisanalysen können wir daraus, im Einzelfall auch unterstützt von unseren spezialisierten Partnern, branchenspezifische Lösungsvorschläge ableiten. Zugute kommt uns dabei, dass wir neben der Netzinfrastruktur auch über hochmoderne Rechenzentren verfügen wie jenes, das wir kürzlich in Frankfurt/Main in Betrieb genommen haben. Es ist unter ökologischen Aspekten auf dem neuesten Stand und erfüllt neben allgemeinen Zertifizierungen wie ISO 27001 auch branchenspezifische Anforderungen, wie sie beispielsweise im Finanz- oder Pharmasektor existieren.

IT-DIRECTOR: In welchen Segmenten sehen Sie für ihr Unternehmen überdurchschnittliche Wachstumspotentiale?
N. Wegner:
Das sind vor allem Lösungen, die über die reinen Netzwerkservices hinausgehen. Neben Cloud Computing und Unified Communications ist „Big Data“ eines der Themen, das unsere Kunden bewegt. Wir haben dazu im vergangenen Jahr eine Studie durchgeführt: In vielen Unternehmen steigt die Menge der Daten, die verarbeitet und gespeichert wird, pro Jahr um 30 Prozent und mehr an.

Dadurch ergeben sich neue Anforderungen an die Architektur und den Betrieb der IT- und Netzwerkinfrastrukturen, um die immensen Datenmengen schnell, flexibel und kostengünstig zu verarbeiten. Unsere Kunden haben ihrerseits große Erwartungen an Big Data. Insbesondere kunden- und vertriebsnahe Prozesse sollen in den Unternehmen durch die Umsetzung von Big-Data-Strategien bzw. den Einsatz entsprechender Technologien beschleunigt und optimiert werden. So erhoffen sich die Unternehmen Qualitätssprünge hinsichtlich der verwertbaren Kundeninformationen. Unsere Aufgabe ist es, unseren Kunden zu helfen, ihre Infrastrukturen für Big Data zu dimensionieren. Das schließt Lösungen für die Netzwerkoptimierung und -beschleunigung genauso ein wie Cloud-Angebote, mit denen man kurzfristige Kapazitätsspitzen abfedern kann.

IT-DIRECTOR: Die Einführung von Unified-Communication- und Collaboration-Anwendungen stellt für Unternehmen häufig weniger eine technische als eine „kulturelle“ Herausforderung dar. Welche Hürden gilt es zu überwinden?
N. Wegner:
In der Praxis stellen wir häufig fest, dass die dafür Verantwortlichen zwar großen Handlungsbedarf sehen, aber noch keine konkreten Pläne für die Umsetzung haben. Das führt in manchen Fällen zu überhasteten Entscheidungen zugunsten dieser oder jener Technologie, was in der Regel teuer wird. Wir bieten deshalb einen kostengünstigen „Quick Start“-Workshop an, in dem wir gemeinsam mit den Kunden festlegen, welche konkreten Ziele erreicht werden sollen und wie der Weg dorthin aussieht.

Bei der Planung gilt es nicht nur „harte“ technische Fakten, sondern auch „weiche“ Faktoren, wie notwendige Verhaltensänderungen in der Kommunikation und Zusammenarbeit zu betrachten. Die Einführung einer neuen Kommunikationsarchitektur kann Änderungen in der Organisation zur Folge haben. Interne Machtverhältnisse, Befindlichkeiten und natürlich ganz einfach auch Angst um den Job spielen dann im Projekt eine Rolle und müssen berücksichtigt werden. Manchmal ist es auch so, dass die Vision des CIO vom tatsächlichen Bedarf der Nutzer abweicht. Ideal ist es natürlich, wenn die Mitarbeiter die Veränderung wollen und als nützlich empfinden.

IT-DIRECTOR: Welche konkreten Erfahrungen machen Sie bei der Implementierung von UCC-Lösungen?
N. Wegner:
Wir haben bisher sehr positive Erfahrungen gemacht, insbesondere die Videokommunikation kommt bei den Anwendern sehr gut an. Ich bin sicher, in wenigen Jahren wird dies selbstverständlich sein. Wenn wir unser Gegenüber beim Gespräch nicht sehen können, fehlt ein wesentlicher Teil der Information. Mittels Telepresence können viele Unternehmen schon heute Meetings mit Teilnehmern abhalten, die rund um den Globus verteilt sind – aber das kann nur ein erster Schritt sein. Denn für das spontane Gespräch mit den Kollegen am anderen Ende der Welt ist es viel zu umständlich, erst einen speziellen Videokonferenzraum aufzusuchen. Telepresence wird für ausgedehnte Sitzungen mit höchster Bildqualität noch lange State-of-the-Art sein, aber die Mitarbeiter wollen mehr: Nämlich Video am Arbeitsplatz oder unterwegs.

Exemplarisch für diese Entwicklung steht ein UCC-Projekt, das wir kürzlich mit der Hubergroup, einem internationalen Druckfarbenhersteller, realisiert haben. Die Unternehmensgruppe ist sehr stark gewachsen und bildet heute einen Verbund von nicht weniger als 40 weltweit verteilten Firmen. Da regelmäßige Treffen angesichts dieser Konstellation nicht mehr möglich waren, suchten die Verantwortlichen nach virtuellen Kommunikationskonzepten, die einem persönlichen Kontakt möglichst nahe kommen. Beginnend mit einer kleinen Pilotgruppe haben wir eine UCC-Lösung am Arbeitsplatz implementiert, die den Mitarbeitern auf einfache Weise Videokonferenzen und Chats und die gemeinsame Arbeit an Dokumenten ermöglichte. Die Reaktionen waren enorm positiv. Auf ausdrücklichen Wunsch der Mitarbeiter wurden inzwischen sukzessive immer mehr Unternehmensbereiche mit der UCC-Lösung ausgestattet.

IT-DIRECTOR: Unter dem Stichwort „Bring your own Device“ (BYOD) möchten Mitarbeiter eigene mobile Endgeräte in das Kommunikationsnetz ihres Unternehmens integrieren. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
N. Wegner:
Das Kommunikationsverhalten im Privatbereich wirkt sich auch darauf aus, wie die neuen Technologien im Beruf genutzt werden: Kontaktpersonen und Kommunikationskanäle, privates und berufliches vermischen sich. Interessanterweise fragen Unternehmen gerade im Zusammenhang mit der Einführung einer UCC-Lösung oft nach Lösungen für „Bring your own Device“.

Wir laden regelmäßig Kunden ein, um mit ihnen über neue Trends und Lösungen zu diskutieren. Beim letzten Kundenforum vor einigen Wochen war BYOD ein wichtiger Diskussionspunkt. Während derartige Konzepte vor zwei Jahren von einer überwältigenden Mehrheit der Unternehmen noch rundheraus abgelehnt wurden, ergab eine Umfrage, dass heute 90 Prozent der Teilnehmer bereits intensiv darüber nachgedacht und verschiedene Ansätze ausprobiert haben. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sich dieser Trend nicht mehr stoppen lässt. Unternehmen müssen sich dieser Thematik stellen, und sie sind gefordert, hinsichtlich Compliance und Sicherheit klare unternehmensspezifische Richtlinien zu definieren. Die Verantwortlichen müssen festlegen, ob sie das Unternehmensnetz mit BYOD ergänzen, oder ob sie „Fremdgeräte“ komplett getrennt halten möchten. Wir bieten für beide Alternativen eine Vielzahl von Lösungen, von der Beratung über Workshops zur Zieldefinition bis hin zu Anwendungen wie Mobile Device Management und Mobile Application Management. Der größte Fehler, den Unternehmensverantwortliche machen können, ist, die Augen zu verschließen und zu glauben, dass mit einem strikten BYOD-Verbot diese Thematik gelöst ist.

IT-DIRECTOR: Sie haben die Position des CEO im Dezember 2012 übernommen. Wo haben Sie bereits bzw. wo möchten Sie zukünftig, in der Geschäftsausrichtung oder im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden neue Akzente setzen?
N. Wegner:
Da ich bereits vorher als COO Teil des Managementteams war, war es ein fließender Übergang. Was mir persönlich wichtig ist – sowohl innerhalb unseres Unternehmens als auch in der Zusammenarbeit mit Kunden – ist, den Gedanken der Collaboration wirklich zu „leben“. Ich möchte noch stärker das Miteinander der Menschen einfordern, um sowohl für uns als auch für unsere Kunden das Beste zu erreichen.

IT-DIRECTOR: Frauen in Führungspositionen sind, gerade in der IT-Branche, noch nicht alltäglich. Ändert sich das jetzt langsam?
N. Wegner:
Ich habe mir darüber nie besonders viele Gedanken gemacht, weil ich immer das Gefühl hatte, dass bei BT gute Leistungen honoriert werden – egal, ob sie nun von einem Mann oder einer Frau, einen Europäer oder einem Asiaten, einem Katholiken oder einem Buddhisten erbracht werden. In unserem Unternehmen weiß man diese Vielfältigkeit zu schätzen. Wichtig ist sicher, dass wir ein Arbeitsumfeld geschaffen haben, in dem es möglich ist, Beruf und Familie miteinander in Einklang zu bringen, etwa durch flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, von zu Hause oder unterwegs zu arbeiten. Das geht bei uns gut, weil wir die technischen Lösungen dazu ja selber anbieten. Und das nutzen bei uns Frauen und Männer gleichermaßen.

Nina Wegner
Alter: 46 Jahre
Werdegang: Nina Wegner begann ihre berufliche Laufbahn in der Hardware-Industrie, bevor sie bei BT in Vertrieb und Business Development arbeitete. Anschließend wechselte sie zu „Global Telecom Markets“ (GTM), wo sie u.a. den Vertrieb für Europa und Lateinamerika verantwortete.
Derzeitige Position: CEO für die BT-Landesgesellschaften in Deutschland und Österreich
Hobbys: für Freunde kochen, Tanzen, Skifahren, Zeit mit der Familie verbringen

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