Campusnetze

„Lizenziertes Spektrum garantiert störungsfreie Verbindungen“

Laut Samuel Buttarelli, VP Sales EMEA & APAC, DAS & Small Cell Solutions bei Commscope, unterscheiden sich die Einrichtung und der Betrieb eines Campusnetzes nicht wesentlich von der Einrichtung und dem Betrieb eines WiFi-Netzes.

Samuel Buttarelli, VP Sales EMEA & APAC, DAS & Small Cell Solutions bei Commscope

„Die Bereitstellung von Campusnetzen erfordert Systemintegratoren, die über spezielle Erfahrungen mit der 5G-Mobilfunktechnologie verfügen“, betont Samuel Buttarelli von Commscope.

ITD: Herr Buttarelli, für welche Kunden lohnt sich der Aufbau eines privaten Campusnetzes?
Buttarelli: Der Aufbau eines Campusnetzes lohnt sich besonders für Industrieunternehmen, die neben dem Übergang zur Industrie 4.0 auch die Digitale Transformation und Automatisierung im eigenen Unternehmen voranbringen möchten. Aber auch Hochschulen und Universitäten sowie medizinische Einrichtungen, Flughäfen oder der Einzelhandel können von einem privaten 5G-Netz profitieren.

ITD: Welche Vorteile bietet solch ein Netz? Können Sie konkrete Anwendungsmöglichkeiten nennen?
Buttarelli: Im Gegensatz zu WiFi-Netzen, die in einem unlizenzierten Frequenzspektrum betrieben werden, arbeiten Campusnetze, die auf 4G-/5G-Mobilfunktechnologie basieren, im lizenzierten Spektrum. Das bedeutet, dass Betreiber einen eigenen Frequenzbereich erhalten, der nur ihnen zur Verfügung steht. Das lizenzierte Spektrum garantiert somit störungsfreie Verbindungen, so dass Campusnetze in Bezug auf Leistungen wie Durchsatz und Latenzzeit deterministischer sind. Außerdem bleibt die Datenverbindung dank der 5G-Mobilfunktechnologie auch bei vielen gleichzeitigen Teilnehmern schnell und stabil. Aufgrund der geringeren Interferenzen mit der 5G-Mobilfunktechnologie kann der gesamte Campus mit einer geringeren Anzahl von Funkpunkten im Vergleich zu WiFi kontinuierlich versorgt werden. Zusätzlich bilden private 5G-Netze eine gute Grundlage, um weitere Services zu implementieren. So können beispielsweise Tools wie Künstliche Intelligenz (KI) oder Maschinelles Lernen (ML) Daten aus dem Netzwerk nutzen und Unternehmen helfen, Entscheidungen in Echtzeit zu treffen. Daneben fördern Campusnetze auch den Einsatz von Internet-of-Things-Anwendungen (IoT) und ermöglichen damit, die Kosten und den ökologischen Fußabdruck von Unternehmen zu reduzieren, da sich ein Großteil der Prozesse im Gebäude-Management automatisieren lässt. Ist das der Fall, überwachen beispielsweise Sensoren, die an das Netzwerk angeschlossen sind, sowohl die Raum- als auch die übergreifende Gebäudenutzung, wodurch Anpassungen am Strom- und Heizverbrauch automatisch vorgenommen werden. Gleiches ist auch für einen bewussteren, ökologischeren Wasserverbrauch anwendbar. Im universitären Kontext erweisen sich u.a. Campus-ID-Karten als besonders nützlich. Sind diese im Netzwerk angemeldet, können sie die Anwesenheit von Studierenden bestätigen, wenn diese bei Veranstaltungen verpflichtend vorausgesetzt wird. Desweiteren lassen sich die Campus-IDs mit Smart Payment kombinieren, wodurch Bezahlvorgänge in der Mensa oder im Unibuchhandel wesentlich schneller vonstattengehen.

ITD: Inwieweit schmieden Unternehmen anno 2023 entsprechende Pläne für ein Campusnetz? Wie groß ist das Interesse?
Buttarelli: Ein Viertel der deutschen Industrieunternehmen möchte ein 5G-Campusnetz installieren oder hat dies bereits getan. Sieben Prozent planen die Umsetzung eigenständig und 19 Prozent gemeinsam mit einem Mobilfunkanbieter. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 500 Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten in Deutschland.

ITD: Stichwort „Komplexität“: Mit welchen Herausforderungen sind der Aufbau und Betrieb eines Campusnetzes für Gebäudeverwalter und Netzwerkmanager verbunden?
Buttarelli: Die Einrichtung und der Betrieb eines Campusnetzes unterscheiden sich nicht wesentlich von der Einrichtung und dem Betrieb eines WiFi-Netzes. Die Funkplanung erfordert möglicherweise eine detailliertere Analyse, aber IT-Manager können sich an Unternehmen wenden, die auf 4G-/5G-Funkplanung spezialisiert sind, um die Positionierung der Funkpunkte zu bestimmen. Moderne 4G-/5G-Mobilfunknetze in Gebäuden können unter Verwendung der vorhandenen IT-Infrastruktur wie Verkabelung und Switches eingerichtet werden. Die Verwaltungsplattformen für WiFi- und Campusnetze stammen in der Regel von unterschiedlichen Anbietern, was die Arbeit der Netzwerkmanager, die mit zwei verschiedenen Plattformen hantieren müssen, etwas kompliziert macht. Campusnetze treiben jedoch die Integration von WiFi- und 5G-Verwaltungsplattformen voran und IT-Manager können zukünftig mehr vereinheitlichte Plattformlösungen erwarten, um den Betrieb der gesamten IT-Infrastruktur zu vereinfachen und effizienter zu gestalten.

ITD: Welche technische Ausrüstung bzw. Hardware sind vonnöten?
Buttarelli: Ein Campusnetz erfordert in der Regel 4G-/5G-Funkgeräte (für den Innen- und/oder Außenbereich), ein Kernnetz, das entweder auf einem lokalen Server (On-Premises) oder in der Cloud (z.B. Amazon AWS oder Microsoft Azure) bereitgestellt werden kann, sowie eine Verwaltungsplattform, die auch die SIM-Verwaltung für die Authentifizierung der Geräte im Campusnetz umfasst.

ITD: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl eines entsprechenden Dienstleisters achten?
Buttarelli: Die Bereitstellung von Campusnetzen erfordert Systemintegratoren, die über spezielle Erfahrungen mit der 5G-Mobilfunktechnologie verfügen. Es gibt Ähnlichkeiten mit WiFi-Bereitstellungen, aber einige Aspekte wie die Funkplanung und die Verwaltung von 5G-fähigen Geräten sind eher etwas für Unternehmen, die über spezielle Erfahrungen mit der neuen Technologie verfügen. Wenn die Anforderungen eine Integration des Campusnetzes mit dem öffentlichen Mobilfunknetz vorsehen, könnte es sinnvoll sein, eine Lösung direkt von einem Mobilfunkbetreiber des öffentlichen Netzes auszuwählen, der die lokale Campusnetzlösung mit einer garantierten Interoperabilität mit seinem öffentlichen Netz anbieten kann. Dies kann beispielsweise bei Logistikunternehmen der Fall sein, die für reibungslosen Betrieb einen nahtlosen Handover zwischen dem Campusnetz und dem öffentlichen Netz benötigen. Deshalb müssen Unternehmen entsprechend planen und sich sorgfältig vorbereiten. Auf Dienstleisterseite sollten wiederum alle beteiligten Technologieanbieter, Systemintegratoren, Managed Service Provider sowie Maschinenhersteller konstruktiv zusammenarbeiten, um für gemeinsame Kunden die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Bildquelle: Commscope

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