„Das Interesse an Cloud Computing ist ungebrochen groß und mittlerweile mehr als nur ein Trend“, stellt Herbert Bild, Solutions Marketing Manager bei Netapp, fest.
IT-DIRECTOR: Herr Bild, nach wie vor herrscht ein Mangel an einheitlichen Informationen im Bereich „Cloud Computing“. Wie definieren Sie diese Technologie?
H. Bild: Kurz gesagt versteht man unter Cloud Computing flexible IT-Services auf Basis einer service-orientierten Infrastruktur, die sich jederzeit an die Geschäftsanforderungen anpassen lassen und nach dem tatsächlichen Bedarf abgerechnet werden können.
IT-DIRECTOR: Wie groß ist das derzeitige Interesse von Großunternehmen und Konzernen an Cloud Computing?
H. Bild: Das Interesse an Cloud Computing ist ungebrochen groß und mittlerweile mehr als nur ein Trend. Wir sehen, dass Unternehmen zunehmend an eigenen Cloud-Strategien arbeiten und überlegen, wie Cloud Computing die eigene IT-, aber auch Geschäftsstrategie zukünftig unterstützen kann. Unser Eindruck wird auch in der aktuellen Studie „Transformation der Unternehmens-IT auf dem Weg in die Cloud- Anwenderpräferenzen und Trends in Deutschland 2011“ von IDC bestätigt. So planen laut dieser zwei Drittel der befragten Unternehmen zukünftig eine Cloud-Strategie ins Auge zu fassen. Unterschiede sehen wir allerdings in der Herangehensweise und Geschwindigkeit. Viele Unternehmen planen Cloud-Services in so vielen Bereichen wie möglich zu nutzen, während andere das Thema etwas langsamer angehen.
IT-DIRECTOR: Welche Chancen bietet Cloud Computing den Unternehmen?
H. Bild: Die Chance, die IT bei überschaubaren Kosten und einem klar definierbaren Return on Investment (ROI) optimal an die Bedürfnisse des Unternehmens anpassen zu können.
IT-DIRECTOR: Trotz der zahlreichen Möglichkeiten, die die Cloud mit sich bringt, zeigen viele Anwender noch Skepsis gegenüber der Wolke. Welche Rolle spielt hier das Thema Standardisierung?
H. Bild: Standardisierung ist sicherlich unter Anwendern ein Thema. Das zeigt auch die bereits erwähnte IDC-Studie. Diese hat herausgefunden, dass neben dem fehlenden Know-how auch Standardisierung, Konsolidierung der IT-Umgebung und Virtualisierung eine kritische Rolle spielen. Wir als Netapp stehen dem Thema Standardisierung aufgrund der Flexibilität unserer Produkte offen gegenüber und unterstützen alle gängigen Standards. Zusätzlich engagieren wir uns aber auch in zahlreichen Standardisierungsgremien, damit Anwendern in Zukunft diese Skepsis genommen wird.
IT-DIRECTOR: Mit der wachsenden Anzahl von Cloud Computing Angeboten wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Anwender gleichzeitig Services von unterschiedlichen Anbietern beziehen. Idealerweise steht für das „Andocken“ der eigenen IT an die verschiedenen Cloud-Angebote ein überschaubares Set von Standardschnittstellen zur Verfügung. Inwiefern werden Sie als Anbieter ersten Standardisierungsansätzen gerecht?
H. Bild: Als Hersteller von Storage-Produkten unterstützen wir alle relevanten Anbieter in diesem Umfeld. Wir setzen strategisch auf offene Schnittstellen ohne jede proprietäre Komponente. Damit erhält der Nutzer ein Maximum an Flexibilität.
IT-DIRECTOR: In welchen Bereichen des Cloud Computings erachten Sie generell eine Standardisierung am sinnvollsten und warum?
H. Bild: Ich persönlich bin ein Verfechter des „Best of Breed“-Ansatzes. Bei der Auswahl der Komponenten sollte man darauf achten, dass alle Einzelteile perfekt aufeinander abgestimmt sind. Außerdem spielt natürlich die Skalierbarkeit eine wichtige Rolle. Diese service-orientierte Infrastruktur muss mitwachsen können, ohne dass dabei neue Inseln entstehen. Das passiert z.B. wenn Storage oder Server nicht mehr ausreichen und man auf ein völlig neues, nicht kompatibles System wechseln muss. Dies führt dann zwangsläufig zu hohen Migrationsaufwänden, Änderungen im Management und damit zu hohen Kosten, um nur einige Auswirkungen zu nennen. Insofern würde ich zu einer Standardisierung bezüglich der Server sowie der Netzwerk- und Storage-Komponenten raten.
IT-DIRECTOR: Welche Art von „Ausstiegsszenarien“ bieten Sie Ihren Kunden? Gibt es hier schon eine einheitliche Regelung?
H. Bild: Wir unterstützen unsere Kunden und Partner jederzeit mit passenden Infrastrukturlösungen, die sie benötigen, um zukünftige Herausforderungen erfolgreich meistern zu können.
IT-DIRECTOR: Wie eng arbeiten Sie mit Nominierungsgremien wie der DMTF oder Verbänden wie Eurocloud zusammen?
H. Bild: Netapp ist Mitglied in zahlreichen Standardisierungsgremien und arbeitet aktiv an der Gestaltung von Standards im Bereich Cloud Computing mit. So engagieren wir uns auch intensiv im DMTF, aber auch anderen Verbänden, wie z.B. der Cloud Security Alliance oder Oasis.
IT-DIRECTOR: Wie wird sich das Standardisierungsumfeld im Bereich „Cloud Computing“ Ihrer Meinung nach in den nächsten zwei bis drei Jahren entwickeln?
H. Bild: Die Verbände und Gremien arbeiten gerade intensiv am Thema Standardisierung und ich persönlich wünsche mir, dass Standardisierung im nächsten IDC Report nicht mehr als kritisches Thema der Anwender aufgegriffen wird.