Der Relevanz-Check, den ein kognitives Computersystem bieten kann, kommt menschlicher Abwägung sehr nahe.
Mitte Oktober 2015 machte der Suchmaschinenpionier Yahoo mit einer Meldung Furore, in der er versprach, Passwörter für seinen E-Mail-Dienst komplett abzuschaffen. Yahoo Account Key heißt der Service, über den Nutzer von Yahoo Mail sich durch einfaches Tippen auf ihr Smartphone-Display von einem anderen Rechner aus auf ihr Konto zugreifen können. So verblüffend einfach, ja magisch diese Funktion vielen Nutzern erscheinen mag, so bekannt ist die Basistechnologie dahinter bei IT-Profis im Business-to-Business-Umfeld, wo so genanntes Identity Access Management (IAM) immer ein wichtiges Thema ist.
Niemand kann sich hunderte Passwörter merken und Mitarbeiter in Unternehmen, die immer dieselbe Zeichenfolge für den Zugriff auf ihre Geschäfts-Mails, ihre Social-Media-Konten und fürs Online-Shopping verwenden, sind der Albtraum jedes IT-Beauftragten. Selbst einzigartige Passwörter helfen wenig, sind diese auf Zetteln im Büro verteilt. Die Lösung liegt in IAM-Systemen, die auf Basis von intelligenten Regeln nur die Authentifizierungsinformationen verlangen, die Mensch und Situation angemessen sind und Anmeldeversuche zweifelhaften Ursprungs unterbinden.
Laut dem IBM Cyber Security Intelligence Index 2015 gehen rund die Hälfte aller Cyber-Angriffe auf Unternehmen direkt oder indirekt von Insidern aus – dazu zählen z.B. aktuelle und ehemalige Angestellte oder Dienstleister. Moderne IAM-Systeme arbeiten auch deshalb mit einer Mustererkennung, die Anmeldeversuche anhand bestimmter Kriterien als normal oder potentiell gefährlich einstuft. Hat etwa ein Mitarbeiter-Account aus Deutschland Zugriffsrechte zu einer SAP-Datenbank, wäre es kritisch, wenn sich jemand damit um drei Uhr morgens von einer IP-Adresse in Frankreich über einen nicht autorisierten Laptop einloggen wollte. Entsprechend gibt das IAM-System sofort eine Warnung aus oder sperrt den Nutzer.
Neben solchen relativ rudimentären Algorithmen beherrschen moderne IAM-Systeme bereits heute die Fähigkeit, Situationen in Echtzeit zu analysieren und aktuelle Informationen einzubeziehen. Denn auch eine vermeintlich sichere IP-Adresse könnte gefälscht sein. Wenn etwa über einen bestimmten Zeitraum verstärkt Cyberangriffe von gefälschten IP-Adressen aus China oder einer anderen Region gemeldet wurden, ist es sinnvoll, auch vertrauenswürdige Anmeldeversuche einem Doppelcheck zu unterziehen. In naher Zukunft werden beispielsweise der Watson-Technologie von IBM ausgestatte IAM-Lösungen in der Lage sein, Echtzeitinformationen nicht nur einfließen zu lassen, sondern auch deren Relevanz zu beurteilen. Der Relevanz-Check, den ein kognitives Computersystem bieten kann, kommt menschlicher Abwägung sehr nahe und basiert auf ausgeklügelten Metaregeln, wie: „Bewerte sicherheitsrelevante Anmelde- und Indentitätsinformationen vor dem Hintergrund aktueller Cybergefahren.“
Trotzt aller technologischen Möglichkeiten sollten Unternehmen stets die Bedürfnisse der Mitarbeiter genau im Blick behalten, wollen sie sich erfolgreich gegen Cyber-Gefahren und unbefugte Zugriffe absichern. Mehr Sicherheit geht nur, wenn Nutzer nicht unnötig einschränkt werden und sich etwa mobile Geräte privat genauso einfach einsetzen lassen wie geschäftlich. Hier können IAM-Systeme das Sicherheitsniveau dynamisch regulieren. So ermöglicht zum Beispiel für Einkaufssysteme in Unternehmen bereits eine einfache Regel, dass für die Beauftragung von Dienstleistern im Wert von unter 100 Euro nicht zwingend eine zweite Authentifizierung nötig ist, weil das Risiko gering ist.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Fingerabdrucksensoren oder Irisscanner wiederum erleichtern die Anmeldung an Smartphones oder Laptops zunehmend – sowohl bei den Konsumenten wie auch in Unternehmen. Obwohl bequem sind solche Authentifikationsmethoden nicht immer populär, weil sie einen Eingriff in die Privatsphäre darstellen, was besonders beim Verhältnis von Arbeitsnehmer und Arbeitgeber kritisch sein kann. Hier müssen Unternehmen aufklären und transparenter werden. Welche Daten werden gespeichert? In welcher Form? Wie werden sie verwendet? Nutzer, die verstehen, dass ihr Fingerabdruck auf ihrem Smartphone in einer kodierten Form gespeichert ist, die keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Fingerabdruck zulassen, vertrauen auch eher der Technologie und erhöhen damit die Sicherheit der gesamten IT-Umgebung.
40 Prozent der Unternehmen in Deutschland setzen biometrische Verfahren zur Authentifizierung ein:
Quelle: IDC
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