Design Thinking, Lean Startup und agile Entwicklung

Methodenmix entwickeln

Die Innovationsmethoden Design Thinking, Lean Startup und agile Entwicklung sind in der Unternehmenspraxis als Instrumente der Digitalen Transformation und ­Produktentwicklung etabliert. Nun wurde ein Reifegradmodell zur Einordnung der Unternehmen hinsichtlich Einsatz und Kombination der Methoden entwickelt.

Papierflieger

Die Produktentwicklung sollte flexibel und dynamisch gestaltet sein sowie Kreativität ermöglichen – und gleichzeitig Struktur und Disziplin vorgeben.

Die Produktentwicklung sollte flexibel und dynamisch gestaltet sein sowie Kreativität ermöglichen – und gleichzeitig Struktur und Disziplin vorgeben. Agile Methoden wie Design Thinking und Lean Startup entsprechen diesen Vorgaben und ermöglichen eine dynamische und kundenorientierte Produktentwicklung. In einer Ende 2020 durchgeführten Umfrage des Unternehmens Mm1 mit 123, hauptsächlich in der digitalen Produktentwicklung tätigen Teilnehmern wurden die praktische Relevanz und der Mehrwert aller drei Methoden bestätigt. Es wurde deutlich, dass die Methoden nicht nur individuell eingesetzt, sondern häufig kombiniert und/oder einzelne Aspekte adaptiert werden. So können die wichtigsten Elemente und die Grundhaltung der Methoden im Projektkontext Anwendung finden.

In vier Schritten zum Experten der Methodenanwendung

Das Reifegradmodell gibt vier Stufen der Methodenanwendung wieder. Dabei werden die Detailtiefen der Anwendung unterschieden. Beim reinen Vorgehensmodell werden Prozesselemente und Rollen meist sehr strikt angewandt (z. B. die sechs Phasen im Design-Thinking-Modell). Werden darüber hinaus bestimmte Praktiken und Artefakte wie etwa Daily Scrum Meetings genutzt, wird von einer Toolbox gesprochen. Die Adaption von Grundhaltungen und Philosophie (z. B. Eingehen auf Änderungen vor Planverfolgung) wird als Mindset bezeichnet. Methodenexperten haben Vorgehensmodell und Mindset so verinnerlicht, dass sie einzelne Elemente im Sinne einer Toolbox immer wieder verwenden. Um die jeweils nächste Stufe des Reifegradmodells zu erreichen, sollten folgende Handlungsempfehlungen genutzt werden. Zu beachten ist dabei, dass diese aufeinander aufbauen – Handlungsempfehlungen aus den ersten Phasen sind demnach auch als Grundlage für die späteren Phasen zu sehen.

Grundlegende Voraussetzungen zum ­Methodeneinsatz:
– Offenheit gegenüber agilen Arbeitsweisen
– Bekenntnis des Managements zum Methodeneinsatz
– Bewusstsein über zusätzlichen Aufwand und be­nötigte Ressourcen
– Entwicklung der grundlegenden Methodenkom­petenzen
– Organisation der Methodeneinführung

Was Anfänger bei der Anwendung der Methoden ­beachten sollten:
– Einbeziehen aller Stakeholder in die Methoden­einführung
– Erstellung eines Zeitplans und einer strukturierten Vorgehensweise Einführung und Anwendung ­einer Methode
– Etablierung agiler organisationaler Strukturen (z. B. Freigabe von Budgets mit hoher Geschwindigkeit entsprechend dem agilen Prozess)
– Definition der Zuständigkeiten für die Methodeneinführung und Gewährleistung der zeitlichen Verfügbarkeit von Verantwortlichen

Fortgeschrittene haben die Methodengrundsätze ­verinnerlicht und nutzen die Elemente bedarfsweise:
– Verinnerlichung der Grundhaltung der Methoden hinsichtlich Kundenfokussierung, Flexibilität und Dynamik
– Einbezug aller Mitarbeiter durch das Angebot methodischer Fortbildungen
– Professionalisierung der Methoden und Integration zusätzlicher Methoden

Wie Experten von der Kombination der Methoden ­profitieren:
– intuitive Anwendung der Methoden und häufige ­Anwendung von Methodenkombinationen
– zielgerichtete Individualisierung und Adaption der Methoden
– Verständnis der agilen Arbeitsweise als Teil der ­Unternehmenskultur
– fachlicher Austausch mit anderen Anwendern und Weitergabe der Methodenkompetenz

Bei der Entwicklung innovativer IT-Produkte oder -Services hat sich der Einsatz des Methodenkanons besonders bewährt. Die Anwendung bei betreffenden Unternehmen zeigt, dass drei Aspekte besonders erfolgsrelevant sind:

Organisation: Unternehmen, die stark von der Methodenanwendung profitieren konnten, zeichneten sich durch ein deutliches Bekenntnis zu einer methodengeleiteten Arbeitsweise auf allen Ebenen aus – einschließlich der Geschäftsführung. Organisationale Strukturen für eine erfolgreiche Anwendung der Methoden wurden geschaffen: transparente Kommunikation, Ausstattung aller Beteiligten mit zeitlichen und finanziellen Ressourcen, Anpassung der involvierten Einheiten und Vorgänge an das Tempo des agilen Arbeitens.

Mitarbeiter: Innovative Methoden und Vorgehensweisen wurden von den Mitarbeitern verstanden und als sinnvolle Maßnahme akzeptiert. Für die nötige Kompetenz­entwicklung wurden gezielt eigene Mitarbeiter geschult und externe Experten einbezogen.

Innovationskultur: Ein essenzieller Erfolgsfaktor war zudem der kreative, flexible Umgang mit den Methoden. Dadurch konnten die Mitarbeiter wertvolle Elemente wie Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Kundenfokus in alle Bereiche ihrer Tätigkeit einfließen lassen und in die Unternehmenskultur übernehmen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Per definitionem sind Innovationsmethoden dafür da, neuartige Produkte und Services zu entwickeln. Deren Anwendung ist daher stets mit Unvorhersehbarkeit ­verbunden. Doch wer Mut und Flexibilität zur Anwendung der Methoden aufbringt, kann das erreichen, was Unternehmen von der Konkurrenz unterscheidet: erfolgreiche und kundenorientierte Innovationen.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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