Datenstrategie

Mit Bottom-up-Prozessen zum Durchbruch

Sonja Slomski, Data Strategy Consultant bei Dotsource, betont im Interview die Wichtigkeit einer fundierten Datenstrategie für Unternehmen, die sich zukunftsfähig aufstellen wollen.

Mit Bottom-up-Prozessen zum Durchbruch

Sonja Slomski, Data Strategy Consultant bei Dotsource

ITD: Frau Slomski, das Mantra von der „VUCA“-Welt hat sich durch die Pandemie im vergangenen Jahr schlagartig bewahrheitet. Wie kann eine individuell passende Datenstrategie helfen, künftig auf externe Schocks und Unabwägbarkeiten besser vorbereitet zu sein?
Sonja Slomski:
Die digitale Welt hat sich bereits vor der Pandemie rasant entwickelt. Waren bestimmte Produkte, Dienstleistungen, Inhalte oder Handlungsweisen in einem Jahr noch erfolgreich, so konnte dies im Folgejahr schon ganz anders aussehen. Der Druck wettbewerbsfähig zu bleiben, steigt kontinuierlich an und zwingt die Marktteilnehmer dazu, die sowieso schon schnell fortschreitende Entwicklung mit noch höherer Geschwindigkeit voranzutreiben.
Um den Herausforderungen zu begegnen und neue Chancen zu eröffnen, müssen Unternehmen ihr Handeln auf ein datengetriebenes Vorgehen umstellen. Dies gilt nicht nur für das Management, sondern für alle Abteilungen und Mitarbeitenden eines Unternehmens bzw. einer Organisation. Die Datenstrategie legt in diesem Zusammenhang fest, wie externe und interne Daten zusammengeführt werden müssen, um aus ihnen wertvolle Informationen zu gewinnen. Diese dienen wiederum der frühzeitigen Erkennung von Veränderungen innerhalb der Umwelt oder bestimmter Prozesse und erlauben im besten Fall deren Vorhersage.

ITD: Inwieweit hat sich die Art und Weise verändert, in der Unternehmen heute Daten betrachten? Denken Sie, dass das Bewusstsein für die Relevanz und das Potenzial von Daten in den Unternehmen bereits vollends angekommen ist? Falls nicht: Woran kann dies liegen?
Slomski:
Das grundlegende Bewusstsein die eigenen Daten intensiver zu nutzen, liegt bei den meisten Unternehmen bereits vor. Häufig scheitert es aber an einer gesamtheitlichen Strategie und der anschließenden Umsetzung. Es gibt genügend Fälle in denen Unternehmen nach anspruchsvollen datengetriebenen Lösungen fragen, diese aber nicht umgesetzt werden können, da es an der hierfür notwendigen Systemlandschaft bzw. Datenbasis fehlt. Mitarbeitende im Daily Business haben zudem nicht die Kapazität, die Vielzahl an Datenquellen im Unternehmen technisch anzubinden. Manchmal fehlt es aber auch einfach an dem Wissen, wie mittels geeigneter Verfahren Informationen gewonnen werden können.

ITD: Wie können Unternehmen auch bei ihren Mitarbeitern die Awareness für das Thema erhöhen?
Slomski:
Immer mehr Unternehmen führen Stabsstellen in Form von Digitalbeauftragen ein oder gründen gar ganze Abteilungen, die sich mit der Thematik des digitalen Wandels und datengetriebener Lösungen befassen. Es muss aber nicht sofort die organisationale Umstrukturierung her. Sinnvoll ist es bereits Mitarbeitende aus den verschiedensten Unternehmensbereichen in die Projektteams zu integrieren und an der Anforderungsaufnahme teilhaben zu lassen. So geht man sicher, dass sich niemand übergangen fühlt und alle Anforderungen ausreichend aufgenommen werden können. Weiterhin ist es wichtig, dass die Projekte am Ende einen für alle Beteiligten verständlichen Mehrwert haben. Als erfolgreiches Konzept hat sich zudem ein Start im Kleinen bewährt: Man beginnt beispielsweise mit Hilfe eines BI-Tools Daten für einen bestimmten Anwendungsfall zusammen zu tragen und diese mittels visueller Komponenten bereit zu stellen. Sind die dargestellten Informationen nützlich für den Anwender, beispielsweise weil der Bericht Zeit in der täglichen Arbeit einspart, so wird dies abteilungsübergreifend erkannt, akzeptiert und im Optimalfall sogar eingefordert. Dem ersten Report folgen auf diese Weise weitere Analysen und Berichte, die zugleich den Gesamtnutzen stetig erhöhen. Dieses Beispiel zeigt auf, dass gerade kleine Projekte über den Bottom-Up-Prozess einen großen Einfluss auf die Strukturen im Unternehmen nehmen können. Die Awareness für das Thema „datengetriebenes Arbeiten“ erwächst auf diese Weise mehr oder weniger organisch.

ITD: In der „Data Driven Economy“ werden immer mehr Daten generiert. Wie viele davon können Ihrer Einschätzung nach auch tatsächlich sinnvoll genutzt werden? Aus welchen Gründen können u.U. erhobene Daten anschließend nicht effizient genutzt werden?
Slomski:
Welche Daten genutzt werden, hängt immer vom Anwendungsfall ab bzw. davon, wer mit diesen Daten letztendlich arbeiten muss. Oft ist es nicht notwendig sehr viele Daten zu verwenden, um einen Mehrwert zu generieren. Wichtig ist am Ende immer der Use Case, also der Einsatzzweck der dahintersteht. Dieser entspringt wiederum dem Unternehmensziel. Hier schließt sich der Kreis, wenn man die angestrebten Anwendungsfälle als Folgeergebnis der strategischen Vorüberlegungen betrachtet. Qualität steht zudem immer über der Quantität. Werden zum Beispiel in verschiedenen Marketingkanälen Kampagnen gestartet und Daten gesammelt, die ein uneinheitliches Namensschema verwenden, so können die Daten in einer kanalübergreifenden Analyse nicht verknüpft werden. Auf diese Weise gehen dem Unternehmen wichtige Informationen verloren.

ITD: Wer unterstützt Unternehmen dabei, eine passende Strategie zu planen und aufzusetzen? Wie können Unternehmen Use Cases identifizieren und feststellen, wo noch ungenutztes Datenpotenzial zu heben ist?
Slomski:
Wir als Dotsource unterstützen unsere Kunden bei der Erstellung einer Datenstrategie und der anschließenden Umsetzung. Um den digitalen Reifegrad unserer Kunden aufzunehmen und Use Cases zu identifizieren, haben sich bei uns sogenannte Discovery Workshops bewährt. Mit Hilfe von Design-Thinking-Methoden erarbeiten wir mit unseren Kunden, bzw. den späteren Anwendern und Stakeholdern im Unternehmen, die Anwendungsfälle und prüfen diese anschließend auf ihre Geschäftstauglichkeit.

ITD: Können Unternehmen auch „zu viele“ Daten erheben? Falls ja, welche Konsequenzen kann dies haben?
Slomski:
Daten zu sammeln nur um sie am Ende zu besitzen, ist grundsätzlich die falsche Herangehensweise. Gesammelte Daten veralten schnell und werden auf diese Weise unbrauchbar. Viele Unternehmen bauen sich so regelrechte Datenfriedhöfe auf, die am Ende nur unnötig Ressourcen verzehren. Daten sollte man nur erheben, wenn sie auch genutzt werden und einen entsprechenden Mehrwert generieren. Das Zeitalter der blinden Sammelwut ist nicht nur auf Grund neuer Vorgaben wie der DSGVO vorbei. Hinzu kommt, dass das planlose Sammeln von Daten auch immer unnötige Aufwände generiert, z.B. für die Datenpflege, Backups und Sicherheit.

ITD: Die schiere Menge an Daten wächst täglich – wird es für dieses Wachstum aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren eine Obergrenze?
Slomski: Die Antwort ist ein klares Nein! Auch wenn Unternehmen in Zukunft mehr auf Qualität als auf Quantität setzen werden, wird der Einsatz von Sensoren in IoT-Projekten weiter zu einem deutlichen Anstieg gesammelter Daten führen. Die Digitalisierung des Menschen schreitet gleichermaßen im geschäftlichen wie auch privaten Umfeld voran, wo wir beispielsweise durch die Nutzung digitaler Endgeräte und unsere immer smarter werdenden Wohnräume Massen von Daten produzieren. Datenspeicher in modernen Cloud-Infrastrukturen sorgen dafür, dass diese Mengen aufgenommen werden können. Ein Ende ist Stand heute nicht zu sehen. Gleichzeitig bedeutet dies, dass die zielgerichtete Nutzung von Daten auch weiterhin eine große Herausforderung für Unternehmen sein wird. Durch den Einsatz moderner BI-Tools und den Aufbau von Datenplattformen, können Unternehmen allerdings die Weichen stellen, um ihre Daten sinnvoll zu nutzen und jedem Mitarbeiter im Unternehmen zugänglich zu machen.

Bildquelle: Dotsource GmbH

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