Preisgestaltung im Einlagengeschäft

„Mit den Entwicklungen am Markt Schritt halten“

Im Interview wirft Franziska Zangl, Regional Director DACH & Israel bei Fico, einen Blick auf die Komplexität der Preisgestaltung im Einlagengeschäft und erläutert, wir KI die Finanzinstitute unterstützen kann.

Franziska Zangl, Fico

Mit ihrer Erfahrung in den Bereichen „Digital Banking“, „Payments“ und „KI“ unterstützt Franziska Zangl Unternehmen im Finanzbereich auf ihrem Digitalisierungsweg.

ITD: Frau Zangl, wie kann ein Finanzinstitut seine Position in einer Umgebung steigender Zinssätze stärken und wachsen lassen, um den Wettbewerbern am Markt einen Schritt voraus zu sein?
Zangl: Im Umfeld steigender Zinssätze ist es mehr denn je entscheidend für Banken, eine differenzierte Einlagenpreisstrategie zu verfolgen. Die Überlegungen sollten darauf abzielen, die Wettbewerbsposition zu analysieren und festzulegen, ob das Hauptaugenmerk auf der Margenverbesserung oder dem Erhalt bzw. Wachstum des Marktanteils liegt. Das Abwägen von Wettbewerberreaktionen auf Zinserhöhungen oder -senkungen und das Festlegen entsprechender zeitlicher Abstände für Reaktionen können ebenfalls entscheidend sein. Wesentlich ist dann die Möglichkeit, schnell auf Marktänderungen reagieren zu können.

ITD: Welche Rolle spielen dabei IT-Lösungen?
Zangl: Durch effiziente Datenverarbeitung und fortgeschrittene Analytik unter Einbeziehung von Echtzeitdaten und einer preissensiblen Modellierung können Finanzinstitute besser auf Marktdynamiken reagieren und ihre Strategien anpassen. Viele Banken vertrauen in der Preisgestaltung noch immer auf statische Prognosen unter Verwendung von prädiktiver Analytik, anstatt mithilfe von präskriptiver Analytik und Optimierungs-Tools Erkenntnisse zu gewinnen. Klassische Analytikprojekte sind aufgrund hoher Investitionen und vorwiegend kurzzeitigem Nutzen keine strategische Alternative. Eine skalierbare Infrastruktur bietet Banken die Möglichkeit, mithilfe von Analytik die optimale Preisstrategie festzulegen und diese bei Marktveränderungen schnell neu zu kalibrieren. Wenn Konkurrenten beispielsweise ihre Preisstrategie ändern, helfen IT-Lösungen dabei, verschiedene Strategien zu simulieren und die optimale Strategie schnell zu implementieren.

ITD: Inwieweit kann auch Künstliche Intelligenz (KI) die Finanzinstitute unterstützen?
Zangl: Angesichts der hohen Komplexität der Preisgestaltung im Einlagengeschäft müssen Banken immer schneller immer mehr Daten verarbeiten, um mit den Entwicklungen am Markt Schritt zu halten. KI-gestützte Optimierungsplattformen bieten hierfür effiziente Lösungen. Sie ermöglichen die Simulation enormer Mengen individueller Kundenfälle unter verschiedensten angenommenen und veränderlichen Rahmenbedingungen – und führen so zu richtigen Portfolioentscheidungen.

ITD: Welche Überlegungen sollten bei der Festlegung einer Strategie für die Zinssatzpolitik von Einlagen berücksichtigt werden, insbesondere in Bezug auf die Reaktion der Wettbewerber auf Zinserhöhungen?
Zangl: Die Entscheidung, ob man den Wettbewerbern unmittelbar folgt oder eine differenziertere Strategie verfolgt, hängt von den individuellen Zielen und Marktbedingungen ab. Doch wie die jeweilige Preisstrategie für das Einlagengeschäft auch aussieht: Sie kann letztlich nur erfolgreich sein, wenn sie auf Analytik und Vorhersagen beruht. Es ist für Banken nahezu unmöglich, ihre Ziele strategisch zu erreichen, wenn sie die Auswirkungen von Maßnahmen nicht quantifizieren und die Ziele nicht mit dem tatsächlichen Marktgeschehen abgleichen können.

ITD: Inwiefern spielt die Stresstestung von Annahmen eine Rolle bei der Entwicklung und Umsetzung einer erfolgreichen Einlagenpreisstrategie, insbesondere in Bezug auf die Unsicherheiten bei Prognosen in einem steigenden Zinsumfeld?
Zangl: Mithilfe von Stresstests können Banken sicherstellen, dass ihre Einlagenpreisstrategie in verschiedenen Szenarien robust ist, insbesondere in einem steigenden Zinsumfeld. Die Unsicherheiten bei Prognosen erfordern regelmäßige Überprüfungen und Anpassungen der Annahmen. Stresstests können dazu beitragen, potenzielle Auswirkungen von unvorhergesehenen Ereignissen auf die Einlagenpreisstrategie zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Wenn man bedenkt, dass bereits kleine Anpassungen der Einlagenstrategie große Auswirkungen auf das Endergebnis haben, dann sollten Stresstests standardmäßig bei jeder neuen Strategie durchgeführt werden. Und zwar egal, ob es sich um eine Neuprodukteinführung oder um eine Zinsänderung für ein bestehendes Produkt handelt. Das gilt vor allem, wenn sie auf der Preisstrategie von Wettbewerbern basieren, da klar ist, dass diese Informationen sich als falsch herausstellen können.

Bildquelle: Fico

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok