„Wir machen den nächsten logischen Schritt in der Weiterentwicklung unserer Business Suite“, betont SAP-Technikvorstand Bernd Leukert.
Für die Anwender dürfte viel Interessantes dabei gewesen sein bei der „Teched && D-code“ im November in Berlin. So stellten die Walldorfer etwa ihre Produktstrategie zu S-Innovations vor, die laut Technikvorstand Bernd Leukert „der nächste logische Schritt in der Weiterentwicklung der Business Suite“ ist. Dabei zerlegt SAP seine betriebswirtschaftliche Standardsoftware in verschiedene Einzelapplikationen, um sie dem Anwender zur Verfügung zu stellen – zugeschnitten auf verschiedene Geschäftsszenarien und Branchen.
Bereits auf der Anwenderkonferenz Sapphire Mitte des Jahres hatte der Softwerker S-Finance vorgestellt. Die dahinter steckenden Applikationen bieten alle wichtigen Funktionen für Prozesse in der Finanzbuchhaltung, die sich damit deutlich beschleunigen lassen sollen. Dies war somit das erste Beispiel für die Anwendungen mit dem Label „S-Innovations“.
Auf der Technologiekonferenz verkündete man nun, wie es weiter geht: S-Finance sei zur Zeit als On-Premise-Lösung sowie als Angebot für die Managed Cloud verfügbar, berichtet Sven Denecken, Vice President of Cloud Solutions and Head of Co-Innovation. Ab Januar werde die Applikation auch als Service aus der Public Cloud angeboten. Dann sollen auch weitere Lösungen vorgestellt werden. Geplant sind Applikationen für die Kundeninteraktion, den Handel, das Beschaffungswesen und die Bestandsverwaltung. Diese sollen grundsätzlich On premise, in der Managed Cloud sowie in der Public Cloud bereit gestellt werden.
Technische Basis für sämtliche Lösungen ist die In-Memory-Datenbank Hana. Diese ist auch der Grund für den Buchstaben S im Namen der Produktfamilie. Denn der steht für „simple“ – also einfach. Dies bezieht sich auf das vereinfachte Datenmodell. Mit Hana als Basis sparen sich die Anwender laut Leukert Indizes und Voraggregation bei der Verarbeitung der Daten, wenn sie künftig Applikationen der S-Innovations nutzen. So soll sich die Menge der zu verarbeitenden Daten um einen beträchtlichen Teil reduzieren lassen – bis um den Faktor 40, so der Plan des Anbieters.
Ihrer In-Memory-Lösung Hana haben die Walldorfer außerdem mit dem Service Pack 9 (SPS09) ein Update verpasst. Sie haben das System mit neuen Funktionen ausgestattet, die zum Teil schon lange erwartet wurden. Dazu gehört etwa die Mehrmandantenfähigkeit. Durch diese soll es nun einfacher sein, mehrere Datenbank-Work-loads in der Cloud bereitzustellen und zu verwalten. Cloud-Nutzer können sich dann Computing- und Speicherressourcen teilen.
Zu den weiteren Features zählen Dynamic Tiering, mit dem die Daten anhand von vorab definierten Regeln auf verschiedene Speichermedien verschoben werden können, sowie Smart Data Streaming, das die Verarbeitung von Informationen in Echtzeit ermöglicht. SPS09 sei „die größte Ankündigung, seitdem Hana auf dem Markt ist“, meint Matt Zenus, Senior Director für die Hana-Plattform-Lösungen.
Ohnehin dreht sich bei dem Softwarehaus nach wie vor alles um Hana. Die Datenbank ist auch die Grundlage für die Lösungen, mit denen man das Internet der Dinge adressiert. Hana in der Cloud fungiert dabei als Brücke zwischen den Maschinen und den Geschäftsanwendungen im Unternehmen. Das System sammelt die Daten, die z.B. von den Sensoren aus der Fabrikhalle kommen, analysiert sie und bereitet sie für Systeme wie etwa ERP-Software auf.
Nach diesem Prinzip wurden bereits Lösungen für den Logistikbereich, die Fertigung und Predictive Maintenance entwickelt. Bei letzterer werden Daten von Maschinen regelmäßig erfasst und mit Hana ausgewertet. So sollen Störungen frühzeitig erkannt werden – im Idealfall, bevor sie tatsächlich eintreten.
Das Internet der Dinge findet aber nicht nur in den Fabrikhallen statt. Auf der Konferenz demonstrierte Gernot Bernert, Geschäftsführer des Hygieneunternehmens Hagleitner, einen weiteren Einsatzort für Hana. Seine Firma stattet öffentliche Toiletten mit den notwendigen Geräten und Materialien aus. Und diese hat Hagleitner nun mit Sensoren versehen. Durch die Korrelation und Analyse der verschiedenen Daten auf Basis von Hana lässt sich nun immer aktuell erkennen, wie bestimmte Materialien verbraucht werden. „Wir bauen quasi ein Google of Washrooms auf“, so Bernert. Der Nutzen: Das Unternehmen kann damit zum Beispiel Logistikprozesse verbessern und Lagerkosten einsparen. Außerdem ergeben sich neue Geschäftsmodelle wie etwa Pay-per-use-Konzepte. Nach Bernerts Auftritt auf der Veranstaltung stand IoT für viele Teilnehmer nicht mehr nur also Akronym für Internet of Things, sondern auch für Internet of Toilets.
Bildquelle: SAP SE/Wolfram Scheible