In Cloud auslagern

Mit Outsourcing gegen den Fachkräftemangel

Strategien zur Digitalen Transformation sind für Unternehmen der entscheidende Weg in die Zukunft. Dabei spielt IT-Outsourcing eine immer größere Rolle, auch wegen des zunehmenden Fachkräftemangels.

  • Hand Laptop Cloud

    Ein guter IT-Outsourcing-Partner sollte über umfangreiche Erfahrungen in der Branche verfügen, eine hohe Servicequalität bieten und in der Lage sein, flexibel auf die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens einzugehen. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))

  • Netzwerkkonzeptweltweit

    Die Nachfrage nach IT-Fachkräften ist zuletzt deutlich gestiegen. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))

  • Kalyan Kumar, HCLTech

    „Bei den meisten großen Kundenaufträgen sehen wir eine Mischung aus Offshoring und Nearshoring“, so Kalyan Kumar von HCLTech. ((Bildquelle: HCLTech))

  • Sven Depner, Cancom

    „Der Fachkräftemangel ist nach wie vor ein präsentes Thema, gerade wenn es um IT-Personal geht“, weiß Sven Depner von Cancom. ((Bildquelle: Cancom))

  • Ulrich Faisst, Cognizant

    „Es ist wichtig, dass Unternehmen, die ihre IT in die Cloud auslagern, sicherstellen, dass sie geltende Vorschriften einhalten“, betont Dr. Ulrich Faisst von Cognizant. ((Bildquelle: Cognizant))

Laut aktuellem Cloud Business Survey von PwC Deutschland planen mehr als 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland, in zwei Jahren vollständig in der Cloud zu sein. Im Zuge dessen setzen immer mehr Unternehmen und öffentliche Institutionen auf ein Outsourcing ihrer IT- und Geschäftsprozesse an externe Dienstleister – von Cloud-Diensten über Cybersicherheit bis Support-Services. „Der Fachkräftemangel ist nach wie vor ein präsentes Thema, gerade wenn es um IT-Personal geht“, weiß Sven Depner, Vice President Portfolio, Solution Design & Architecture bei Cancom, „und selbst, wenn sich die Arbeitsmarktsituation ändern sollte, ist es – abhängig von der Unternehmensgröße – häufig nicht sinnvoll, sämtliche Skills und Kapazitäten im eigenen Haus vorzuhalten, da die kritische Masse einfach nicht da ist.“ Stichwort: „Economies of Scale“ – wenn z.B. ein IT-Dienstleister mit 20 Mitarbeitern einen Service für 100 Unternehmen betreibt, ist das allemal ökonomischer, als wenn 100 Unternehmen jeweils einen Mitarbeiter eines spezifischen Profils beschäftigen müssen. „Viele Unternehmen bewegen sich weg von festen eigenen Kapazitäten hin zu ergebnisbasierten Servicemodellen, inklusive Center of Excellence und Governance“, meint Kalyan Kumar, Global Chief Technology Officer (CTO) & Head Ecosystems bei HCLTech. Das erstrecke sich über die gesamte Wertschöpfungskette.

Auslagerung erfolgt in mehreren Schritten

Der Outsourcing-Prozess kann dabei viele Facetten haben – je nachdem, welche Dienstleistungen die Kunden wünschen. Dr. Ulrich Faisst, Chief Technology Officer (CTO) für die Region Central Europe bei Cognizant: „Zunächst wird der Outsourcing Scope beschrieben, häufig mit Unterstützung eines Sourcing Advisors wie ISG, Gartner oder KPMG.“ Anschließend erfolge die Ausschreibung, bei der potenzielle Dienstleister zur Abgabe eines Angebots aufgefordert würden. Nach der Entscheidung werde die Transition eingeleitet, die zum Teil auch den Betriebs- und Personalübergang beinhalte. „Schließlich erfolgt die Transformation, insbesondere im Sinne von Cloud First, Automation und KI First“, so Faisst. Die Transition sei ein kritischer Schritt im Outsourcing-Prozess, da sie den Übergang von der alten zur neuen Arbeitsumgebung darstelle. Dabei sei wichtig, dass der Dienstleister die bestehenden Prozesse und Systeme des Kundenunternehmens versteht und in der Lage ist, die notwendigen Änderungen vorzunehmen. „Eine erfolgreiche Transition ist entscheidend für den Erfolg des Outsourcing-Projekts“, betont Faisst.

Outsourcing, Offshoring, Nearshoring

Zunächst sei etwas Licht ins Terminologiewirrwarr gebracht, das mit der Auslagerung von IT-Infrastruktur und Services zusammenhängt: Outsourcing bezeichnet, wie eingangs erwähnt, die Externalisierung von Leistungen, wie z.B. den IT-Betrieb, an einen Service Provider. Offshoring beschreibt den Trend, Ressourcen bzw. Dienstleister aus Regionen der Welt zu beschäftigen, in denen das Preisniveau niedrig und die verfügbaren Arbeitskräfte zahlreich sind. „Allen voran wird Indien hier häufig als Beispiel herangezogen“, erklärt Depner. Nearshoring hingegen bedeutet  die Auslagerung in Nachbarländer – in unseren Breitengraden häufig Ost- und Südosteuropa. „Dieser Trend resultierte vor allem aus einer Unzufriedenheit vieler Kunden, was Offshoring-Modelle angeht“, so Depner. Das richtige Modell hänge in der Regel von den rechtlichen Anforderungen, den Support-Zeiten und den Arbeitsgesetzen ab, erläutert Kalyan Kumar. „Bei den meisten großen Kundenaufträgen sehen wir eine Mischung aus Offshoring und Nearshoring“, so der Experte. „Near­shoring bietet lokale oder bevorzugte Sprachkenntnisse, kulturelle Sensibilität und die Nähe zur Zeitzone. Falls hier bestimmte Fähigkeiten nicht vorhanden oder zu teuer sind, werden sie per Offshoring bereitgestellt.“ Die Offshoring versus Nearshoring-Frage ist natürlich zu einem hohen Grad unternehmensabhängig. „Lokale Mittelständler tun sich erfahrungsgemäß leichter mit Nearshoring-Modellen“, erklärt Sven Depner. „Offshoring wird wiederum gerade von großen Konzernen häufig genutzt, vor allem, wenn die Organisation ohne­hin in verschiedenen Zeitzonen arbeitet und sich ein Follow-the-Sun-Modell anbietet.“

Die passenden Partner finden

Bei der Auswahl eines passenden Anbieters für IT-Outsourcing gibt es verschiedene Kriterien, die berücksichtigt werden sollten: Ein wichtiger Faktor ist die Erfahrung und Kompetenz des Unternehmens. „Es ist wichtig, dass der Dienstleister über ausreichende Erfahrung in der Branche verfügt und über das notwendige Know-how, um die Anforderungen des Unternehmens zu erfüllen“, betont Faisst. „Wichtig ist auch, dass der Dienstleister jederzeit erreichbar ist, rasch auf Probleme reagieren kann und über ein Notfallteam verfügt, das schnell auf kritische Probleme eingehen kann.“ Unternehmen sollten außerdem sicherstellen, dass der Dienstleister über angemessene Sicherheitsmaßnahmen verfügt, um die Daten des Unternehmens zu schützen, und dass er die geltenden Datenschutzbestimmungen einhält. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Auswahl ist die Transformation, insbesondere in den Bereichen „Cloud“, „Automatisierung“ und „Nutzung generativer KI“. Faisst empfiehlt: „Sie sollten sicherstellen, dass der Dienstleister über die notwendigen Kompetenzen und Ressourcen verfügt, um die IT-Infrastruktur des Unternehmens zu modernisieren und zu optimieren.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2024. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Besonders komplex gestaltet sich der Outsourcing-Prozess für Unternehmen und Organisationen in streng regulierten Branchen, wenn ihre IT in die Cloud ausgelagert werden soll. „Entscheidend ist hier die Einhaltung der länderspezifischen Vorschriften für Datenresidenz und Datenschutz“, betont Kalyan Kumar. Hinzu komme die branchenspezifische Compliance für das Hosting von IT-Plattformen in der Cloud, etwa nach HIPAA für das Gesundheitswesen und PCIDSS für die Banken- und Finanzbranche. „Entsprechend spielt auch der Standort des Remote-Management-Centers und des IT-Personals eine große Rolle. So muss der Remote-Datenzugriff mit allen geeigneten Sicherheitsmaßnahmen erfolgen“, sagt Kumar. Insbesondere bei der Datenspeicherung und -verarbeitung gibt es in einigen Branchen nach wie vor Vorschriften, die On-Premises-Lösungen vorschreiben, etwa im militärischen Bereich oder bei kritischen Infrastrukturen. In anderen Fällen müssen Cloud-Rechenzentren innerhalb der EU genutzt werden. „Es ist wichtig, dass Unternehmen, die ihre IT in die Cloud auslagern, sicherstellen, dass sie geltende Vorschriften einhalten“, erläutert Dr. Ulrich Faisst. „Dazu gehört auch, dass sie sich vergewissern, dass die Cloud-Anbieter, mit denen sie zusammenarbeiten, die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, damit die Unternehmensdaten sicher geschützt sind.“

Der Weg führt weiter in die Cloud

Cloud Computing ist ein auf Virtualisierung basierendes Bereitstellungsmodell, bei dem IT-Ressourcen über das Internet bereitgestellt werden – ob nun über Public Cloud, Private Cloud oder Hybrid Cloud. „Heutzutage liegt der Schwerpunkt der Cloud-Nutzung auf höherwertigen Anwendungen wie Künstliche Intelligenz (KI), Microservices/Container, Mobile, Internet of Things (IoT), Basisinfrastruktur, Analytik und Blockchain“, erklärt Dr. Ulrich Faisst. „Diese Anwendungen erfordern eine hohe Skalierbarkeit, Flexibilität und Verfügbarkeit, die durch Cloud Computing bereitgestellt werden können.“ Daher werden Unternehmen und Organisationen weiter den Weg in die Cloud beschreiten, um mehr Wachstum, Innovationen und Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

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