Start der Digital X in Köln

Mit vereinten Kräften in die digitale Zukunft

Im Interview beschreibt Hagen Rickmann, Geschäftsführer des Geschäftskundenbereichs der Telekom Deutschland GmbH, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit die Transformation der Unternehmen bestimmen.

  • Hagen Rickmann, Telekom

    Hagen Rickmann: „Eine deutlich beschleunigte Digitalisierung könnte bis zu 60 Prozent zum deutschen Klimaziel 2030 beitragen.“

  • Hagen Rickmann, Telekom

    „Wir als großes Unternehmen müssen uns unserer Verantwortung und der Tragweite unserer eigenen Nachhaltigkeitsbestrebungen bewusst sein“, betont Rickmann.

  • Hagen Rickmann, Telekom

    „Im Cloud Computing liegt großes CO2-Einsparpotenzial, denn dadurch lassen sich die immer größeren Datenmengen effizienter managen“, so Hagen Rickmann.

  • Hagen Rickmann, Telekom

    Hagen Rickmann weiß: „Ein Regularium mit Anhang von mehreren 100 Seiten befähigt die Unternehmen nicht, es verlangsamt sie eher.“

ITD: Herr Rickmann, am 13. und 14. September 2022 wird die Kölner Innenstadt wieder von Digitalisierungsexperten und anderen an der Zukunft interessierten Menschen besucht – die Digital X beginnt. Seit 2018 hat sie sich zu einem der größten internationalen Digitalevents gemausert. Dieses Jahr ist sie wieder als „Weltausstellung der Digitalisierung“ angekündigt. Was erwartet Unternehmen dort?
Hagen Rickmann: Unter dem Motto „Vernetzen, austauschen, voneinander lernen“ bieten wir eine Plattform für den persönlichen Erfahrungsaustausch. Wir werfen einen Blick in die Zukunft und bringen zusammen, was in Sachen „Digitalisierung“ zusammengehört: Großkonzerne, Mittelstand, Start-ups, Politik, Visionäre und führende Experten. Sie finden hier Best-Practice-Beispiele, Benchmarks sowie Lösungs- und Inspirationsansätze für die eigenen Herausforderungen. Sie holen sich damit Tipps und Mut von Gleichgesinnten.

ITD: Keynotes von prominenten Innovatoren sind eine bewährte Attraktion auf der Digital X. Auf welche digitalen Köpfe sind Sie dieses Jahr persönlich besonders gespannt?
Rickmann: Interessant finde ich die Gründerin und Schauspielerin Jessica Alba. Sie ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau und hat das Milliarden-Dollar-Unternehmen „The Honest Company“ aufgebaut. Auf ihren Vortrag auf der Hauptbühne im Kölner Mediapark freue ich mich ganz besonders. Aber wir haben außerdem noch eine Digitallegende unter unseren Rednern: Steve Wozniak, der Mitgründer von Apple und eine wichtige Person der IT-Geschichte. Solche und viele weitere Gäste versprechen eine besonders spannende Veranstaltung.

ITD: Auch dieses Jahr werden wieder Preise verliehen und Mittelständler ins Rampenlicht gerückt, die entschlossen den Weg in die digitale Welt gehen. Doch der Award heißt dieses Jahr anders. Was hat sich geändert?
Rickmann: Dieses Jahr verleihen wir erstmals den Digital X Award – vormals Digital Champions Award. Mit dem neuen Namen hat sich die Auszeichnung weiterentwickelt und der Digital-X-Initiative angepasst. Er wird von der Telekom und dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) verliehen. Wir zeichnen damit branchenübergreifende Vorzeigeprojekte und innovative digitale Lösungen im Mittelstand aus. Wer die Chancen einer konsequenten Digitalisierung ergreift und Mut beweist, den gilt es zu prämieren. Die Gewinner haben neue Technologien und Trends bereits in die Realität und für den Mittelstand übersetzt. Das bedeutet: Sie sind wertvolle Best Practices, von denen viel zu lernen ist.

ITD: So ein Riesen-Event in Köln mit vielen Bühnen und mehr als 200 Locations kann selbst ein Unternehmen wie die Telekom nicht allein stemmen. Wie viele Partner haben mitgewirkt?
Rickmann: Ohne unsere mehr als 300 Partner würde es das Event gar nicht geben. Sie beteiligen sich durch ihre Präsenz und zeigen ihre Innovationen an den beiden Tagen einem breiten Publikum. Es fällt mir schwer, da einzelne Unternehmen hervorzuheben. Im Grunde ist die internationale Elite der Digitalisierung als Partner beteiligt, z.B. Cisco, Dell, Lancom, Microsoft, Salesforce, Samsung, Vmware. Daneben natürlich eine Vielzahl an digitalen Mittelständlern oder Start-ups mit ihren innovativen und disruptiven Produkten. Ohne Partner wäre das Event in dieser Form nicht möglich und hätte in den letzten Jahren kein so starkes Wachstum verzeichnet.

ITD: Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema. Gibt es für die Veranstaltung auch ein Nachhaltigkeitskonzept – etwa zur Müllvermeidung oder zum nachhaltigen Transport zwischen den Locations?
Rickmann: Absolut. Dazu haben wir verschiedene Maßnahmen aufgesetzt: Zum einen nutzen wir Bestehendes wie Restaurants und Ladenlokale sowie deren Einrichtung. Die Teilnehmer werden vollelektrisch mit E-Autos, E-Bussen oder auch Rikschas über die Digital X befördert. Durch zusätzliche CO2-Kompensation wird das Event klimaneutral. Zum anderen ist Nachhaltigkeit ein Megatrend auf der Veranstaltung. Sie zieht sich über die verschiedenen Brandhouses, Bühnen und Partnerstände wie ein grünes Band. Neben speziellen Workshops gibt es ein besonderes Highlight: Besucher können am Food Truck von „Redefine Meat“ tierfreie Burger aus dem 3D-Drucker probieren.

ITD: Bleiben wir beim Thema „Nachhaltigkeit“: Für eine Veranstaltung ist sonniges Wetter gewünscht, aber leider haben wir dieses Jahr schon wieder einen Hitzesommer mit Dürre. Da ist es umso wichtiger, die Klimaziele nicht nur zu erreichen, sondern zu übertreffen. Wie groß ist der Beitrag der Digitalisierung dafür?
Rickmann: Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Hebel zur Erreichung der Klimaziele. Wo immer sie erfolgreich implementiert wird, können Prozesse automatisiert, die Effizienz erhöht und letztlich auch Emissionen eingespart werden. Dass auch Digitalisierung Ressourcen benötigt, steht außer Frage. Doch die Potenziale überwiegen – das bestätigt auch eine Studie von Bitkom und Accenture aus dem vergangenen Jahr: Deutlich beschleunigte Digitalisierung, die sich an technologisch führenden Ländern orientiert, könnte bis zu 60 Prozent zum deutschen Klimaziel 2030 beitragen. Mit Abzug der Emissionen durch die Digitalisierung kommen wir auf einen Nettoeffekt von rund 50 Prozent. Wer also gezielt und durchdacht digitalisiert, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Wichtig ist, dass wir jetzt gemeinsam Gas geben und investieren.

ITD: Welche Aspekte der Digitalisierung sind besonders wichtig für mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft?
Rickmann: Das unterscheidet sich je nach Branche. Energie und Industrie sind laut Umweltbundesamt die größten Verursacher von Treibhausgasen – gleichermaßen groß sind also auch die Einsparungspotenziale. Im Energiesektor können beispielsweise intelligente Stromnetze helfen, eine bestmögliche Auslastung sicherzustellen und die Integration von erneuerbaren Energien zu optimieren. In der Industrie kann das Internet of Things (IoT) mit Sensoren und vernetzten Maschinen dazu beitragen, die Produktion sowie deren Steuerung und Überwachung zu automatisieren und zu optimieren. Das spart viele Ressourcen und minimiert Verluste. Wir als große Unternehmen müssen uns unserer Verantwortung und der Tragweite unserer eigenen Nachhaltigkeitsbestrebungen bewusst sein. Wenn wir konsequent nachhaltig werden, helfen wir den Kunden mit unseren Produkten und Lösungen dabei, ihre eigenen Emissionen zu reduzieren. So setzen wir als Telekom beispielsweise seit 2021 konzernweit nur noch Strom aus erneuerbaren Energien ein und zielen bis 2025 auf die Nettonull bei unseren unternehmenseigenen Emissionen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Was würden Sie einem deutschen Mittelständler empfehlen, der sich vom Thema überfordert fühlt?
Rickmann: Passende Partner suchen! Digitalisierung und ebenso Nachhaltigkeit schafft kaum jemand im Alleingang. Auch wir als Telekom stehen hier als Partner zur Seite und erweitern unser Portfolio kontinuierlich um nachhaltige Lösungen – seien es Mietmodelle für Endgeräte, Device as a Service (DaaS) genannt, oder konvergente Kollaborationslösungen für die digitale Zusammenarbeit. Der zweite Tipp: Klein anfangen! Hauptsache, sie beginnen und fassen durch Erfolge mehr Mut. Da lohnt es sich auch mal, Impulse von Start-ups einzuholen. Auf den ersten Blick passen Start-ups und Traditionsbetriebe nicht zwingend zusammen. Wenn wir genauer hinschauen, wird klar, dass sie enorm voneinander profitieren können: der eine von jahrelanger Erfahrung, der andere von innovativen Lösungen – auch für den kleinen Geschäftsbetrieb. Das hat sich in unserem Start-up-Programm „Techboost“ bereits oft bestätigt.

ITD: Und wo finden Mittelständler auf der Digital X Rat und Hilfe hierzu?
Rickmann: Wir haben jeweils Fahrpläne für die insgesamt zehn Megatrends zusammengestellt, die eine gezielte Route durch alle Quartiere in Köln bieten. Einer dieser Megatrends ist Nachhaltigkeit. Wer als Mittelständler hierzu Rat sucht, sollte sich auf diese Nachhaltigkeitsroute begeben und sich von spannenden Speakern, Partnerständen, digitalen Anwendungsfällen und mehr inspirieren lassen.

ITD: Ab dem nächsten Jahr werden Zug um Zug erweiterte Berichtspflichten zur Nachhaltigkeit eingeführt. Für die Telekom ist das nicht neu, aber für viele andere mittelgroße Unternehmen. Wie sind Ihre Erfahrungen damit?
Rickmann: In der Tat beschäftigen wir uns bereits seit der Jahrhundertwende mit Klimaschutz. Environmental Social Governance (ESG) ist mittlerweile fest in unserer Konzernstrategie und unseren Zielen verankert. Die konzernweite Kennzahlenerfassung läuft bei uns seit über zehn Jahren über eine interne, SAP-basierte Anwendung, die wir auf die Erfassung von ESG-Daten zugeschnitten haben. Sie erfüllt alle qualitativen Anforderungen, wie sie auch für unsere Finanzdatensysteme gelten. Um den Berichtspflichten gerecht werden zu können, ist die Integration von Nachhaltigkeit in die Unternehmens-Governance und -strategie unerlässlich. Nur dann wird ihr auch die Aufmerksamkeit geschenkt, die es für die Prozesse und Systeme des Nachhaltigkeitsmanagements zwingend bedarf.

ITD: Nach verschiedenen Statistiken steigt weltweit der Energieverbrauch von Rechenzentren, vor allem durch die zunehmende Verbreitung von Cloud-Lösungen. Ist die Cloud Ihrer Einschätzung nach ein Irrweg mit zu viel CO2?
Rickmann: Im Gegenteil: Im Cloud Computing liegt großes CO2-Einsparpotenzial, denn dadurch lassen sich die immer größeren anfallenden Datenmengen effizienter managen. Indem unsere Kunden ihre bestehende Infrastruktur in unsere effizienten Rechenzentren auslagern, können sie ihre CO2-Emissionen reduzieren. In Summe sorgen die besseren Server, energieeffizienteren Rechenzentren und eine höhere Auslastung der Infrastruktur dafür, dass der Energieverbrauch und die damit verbundenen Emissionen um bis zu 80 Prozent gesenkt werden können.

ITD: Auch die Telekom betreibt große Rechenzentren – Biere gehört beispielsweise zu den größten in Europa. Wie sieht es dort mit Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung aus? Haben Sie beispielhafte Lösungen im Angebot?
Rickmann: Unser Rechenzentrum (RZ) in Biere verbraucht 30 Prozent weniger Energie als vergleichbare Rechenzentren. Zudem ist es für Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) zertifiziert. Damit zählt Biere zu einem der zehn grünsten Rechenzentren weltweit und wir prüfen kontinuierlich, wie wir die Power Usage Effectiveness (PUE) dort weiter minimieren können. Der PUE-Wert misst dabei die Energieeffizienz eines RZ und setzt die insgesamt verbrauchte Energie ins Verhältnis mit der Energieaufnahme der IT-Infrastruktur. Das Ziel: ein „Net-zero energy data center“. Durch den Bezug unserer Cloud- und IoT-Lösungen sind unsere Kunden also grüner unterwegs.

ITD: Die EU-Regeln zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und die UN-Klimaziele verpflichten Unternehmen zu vielen Maßnahmen. In Deutschland gibt es noch eine Besonderheit: das Lieferkettengesetz. Es verpflichtet Unternehmen zu höherer Verantwortung etwa bei Arbeitsschutz, Korruption und Kinderarbeit. Wie geht die Telekom mit diesem Thema um?
Rickmann: Das Thema ist für uns nicht neu. Über unser Lieferanten-Management-System fragen wir nachhaltigkeitsrelevante Aspekte ab, wie z.B. Menschenrechte, Korruption sowie Umwelt- und Gesundheitsschutz. Wenn die Lieferanten strategisch relevant oder risikoreich sind, rufen wir zudem dazu auf, ausführlichere Selbstauskünfte über das Informationssystem „Ecovadis“ zu geben. Bei besonders risikoreichen und strategischen Lieferanten führen wir „Social Audits“ durch – prüfen also regelmäßig die Arbeitsweise an deren Produktionsstandorten. So stellen wir sicher, dass wir unserer Verantwortung als Konzern gerecht werden. Übrigens: Bis spätestens 2040 senken wir die gesamten Emissionen des Konzerns im Scope 3 auf Nettonull – sprich inklusive aller vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten.

ITD: Was wünschen Sie sich von der Politik? In welche Richtung sollen die aktuellen Gesetze weiterentwickelt werden? Verbote? Strengere Strafen? Oder ein ganz anderer Ansatz?
Rickmann: Grundsätzlich finde ich es gut, dass die Schritte der Politik in die richtige Richtung gehen. So ist beispielsweise die EU-Taxonomie sicherlich ein Mittel, um Druck auf Unternehmen zu erzeugen und nachhaltiges Wirtschaften zu fördern. Ich glaube, nachhaltigen Geschäftsmodellen den Weg zu erleichtern, ist ein besserer Weg als Strafen. Ich wünsche mir von der Politik grundsätzlich mehr Pragmatismus – mehr unter die Arme greifen, anstatt Steine in den Weg zu legen. Ein Regularium mit Anhang von mehreren 100 Seiten befähigt die Unternehmen nicht, sich mit den Möglichkeiten der Nachhaltigkeit im eigenen Geschäftsmodell zu beschäftigen. Es verlangsamt sie eher. Am Ende des Tages kann regulatorischer Druck lediglich ein Impuls sein. Um langfristig einen nachhaltigen Unterschied zu machen, müssen Unternehmen mit voller Überzeugung selbst dahinterstehen. Das ist auch ein Kulturthema. Insbesondere das Management muss als Vorbild vorangehen.

Hagen Rickmann

Alter: 53 Jahre
Derzeitige Position: Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland GmbH
Interessen: Digitalisierung im Mittelstand, neue Technologien, Familienzeit an der Ostsee

Bildquelle: Mike Henning

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok