„Ich gehe davon aus, dass sich AR wie das Internet als Informations- und Kommunikationsmedium in allen Bereich durchsetzten wird“, so Lars Vogel, Principal Business Development bei der T-Systems MMS.
IT-DIRECTOR: Herr Vogel, welches Potential bietet Augmented Reality (AR) grundsätzlich für die Logistikindustrie?
L. Vogel: AR bietet einen optimaleren Einsatz von Ressourcen sowie die kontextsensitive Bereitstellung von Informationen zu Lagerständen und Lagerpositionen. Ferner bietet AR einen schnelleren Einsatz neuer Mitarbeiter bzw. breiteren Einsatz von Mitarbeitern, da direkt eingeblendete Informationen Erfahrungen teilweise ersetzen können.
IT-DIRECTOR: Für welche Anwender bzw. Branchen und deren Logistik ist die Technologie besonders interessant und warum?
L. Vogel: Die Technologie ist überall dort interessant, wo digitale Informationen bereits vorliegen und eine Tätigkeit unterstützen können. Beispielsweise werden bereits erste Handbücher als AR-App in der Automobilindustrie bereitgestellt. So können auch andere Branchen sowohl im B2B- als auch B2C-Bereich davon profitieren. Ein Logistiker kann beispielsweise mit einer AR-Anwendung Platzierungen von Gütern in Hallen, LKWs, Schiffen kalkulieren, kontrollieren und virtuell positionieren (lassen).
IT-DIRECTOR: Inwieweit ist das Thema „Augmented Reality“ bereits in der Logistik angekommen – sprich, wie gestaltet sich das entsprechende Lösungsangebot auf dem Markt und der Technologie-Einsatz bei Großunternehmen?
L. Vogel: Es ist im Gespräch und wird von vielen Unternehmen als Lösung geprüft. Auch Unternehmen, die für Logistiker bereits heute schon Software anbieten (z.B. SAP), legen Konzepte vor, wie die Lösungen um AR erweitert werden können. Wir selbst arbeiten dazu aktuell mit verschiedenen Logistikunternehmen an individuellen Lösungen.
IT-DIRECTOR: Das eine oder andere Großunternehmen mag noch skeptisch im Hinblick auf AR sein. Was hält sie bisher davon ab, auf jene Technologie in der Logistik zu setzen, und wie könnte man ihnen die Lösung schmackhaft machen?
L. Vogel: Es gibt noch keinen Standard, der sich durchgesetzt hat, und teilweise liegen noch nicht die richtigen digitalen Informationen in nutzbarer Form vor. Das heißt, es ist noch eine individuelle Lösung und damit ein höherer Invest, als wenn es schon einen Standard gäbe. Hinzu kommt, dass AR als Technologie teilweise nur eingeschränkt nutzbar ist. Das heißt, bei starkem Lichteinfall oder Schattenbildung gibt es noch technische Hürden, genauso bei der Erkennung nicht eindeutig identifizierbarer Elemente. Das ist aber nur eine Frage der Zeit und Kosten.
IT-DIRECTOR: Wie sehen konkrete Einsatzfelder bzw. Anwendungsszenarien aus und welche AR-Technologien sind hier jeweils sinnvoll?
L. Vogel: Man unterscheidet zwischen markerloser und markerbasierter AR. Beide Technologien oder auch gemischt machen Sinn: markerlos z.B. bei außenliegenden Elementen, wo ein Marker verschmutzt oder abgerissen werden könnte; markerbasiert bei Elementen, die nur kaum von anderen unterscheidbar sind und wo ein Marker für den Betrachter oder die Funktion nicht störend ist. Wenn ein Mitarbeiter schnell Informationen zu einem Gerät, Zustand oder einer Situation haben möchte, ohne lange in Datenbanken, ausgedruckten Plänen etc. zu suchen, dann hilft AR bei der kontextsensitiven Bereitstellung und Mobilisierung von Daten.
IT-DIRECTOR: Welche Voraussetzungen muss ein Großunternehmen erfüllen, das zukünftig auf Augmented Reality in seiner Logistik setzen möchte?
L. Vogel: Es müssen die nötigen Informationen, die augmentiert werden sollen, digital und im entsprechenden Format vorliegen. Dazu muss die AR-Lösung in die bestehenden Prozesse integriert werden, um das volle Potential von AR auszuschöpfen. Dazu kommt noch die Bereitschaft, mobile Geräte wie Glasses oder Smartpads einzusetzen.
IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich die Einführung einer entsprechenden Lösung? Mit welchem Aufwand ist sie verbunden?
L. Vogel: Das hängt immer von den bestehenden Voraussetzungen und dem Lösungsansatz ab. Wir empfehlen einen entsprechenden Experten-Workshop, um diese Fragen zu beantworten.
IT-DIRECTOR: Inwiefern sind Schulungen nötig oder ist Augmented Reality intuitiv anwendbar?
L. Vogel: AR ist und soll intuitiv bedienbar sein. Ein bekannter Entwickler hat mal gesagt, wenn man für eine Software eine Anleitung benötigt, ist es eine schlechte Software. Das stimmt nun nicht ganz, aber für AR würde ich das so sehen.
IT-DIRECTOR: Welche konkreten Vorteile lassen sich aus AR in der Logistik schöpfen?
L. Vogel: Effizienterer und vielfältiger Einsatz von Mitarbeitern, schnellere Einarbeitung von neuen Mitarbeitern und optimaler Einsatz von Ressourcen.
IT-DIRECTOR: Welche Risiken birgt die Technologie wiederum – insbesondere auch im Hinblick auf die komplette Vernetzung (Stichwort: „Internet of Everything“)?
L. Vogel: Das ist wie beim Autofahren: Wenn Sie sich einmal an eine Einparkhilfe gewöhnt haben, verlernen Sie, ohne Hilfe einzuparken.
IT-DIRECTOR: Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklungen von AR in der Logistikindustrie ein und welche Faktoren werden die Entwicklungen beeinflussen?
L. Vogel: Ich gehe davon aus, dass sich AR wie das Internet als Informations- und Kommunikationsmedium in allen Bereich durchsetzten wird.