Jens-Peter Feidner von Equinix Deutschland sieht gerade in der aktuellen Situation eine stabile IT-Infrastruktur als Rückgrat der Digitalwirtschaft. ((Bildquelle: Equinix))
Gut 40 Prozent der Befragten haben angegeben, dass Nachhaltigkeit ein zentraler Treiber in ihrem Unternehmen ist. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
ITD: Herr Feidner, wie haben sich Covid-19 und die Folgen der Pandemie – Stichwort „Homeoffice“ – auf die Digitalisierung in Deutschland ausgewirkt?
Jens-Peter Feidner: Die Digitale Transformation stand in Deutschland vor der Pandemie in vielen Branchen oft noch am Anfang. Im vergangenen Jahr kam es dann zu einem regelrechten Digitalisierungsschub, vor allem in Branchen, die bislang noch ganz am Anfang ihrer Digitalisierungsplanung standen. Das zeigt unsere kürzlich vorgestellte weltweite Umfrage unter IT-Entscheidern – die 2021 Global Tech Trends Survey. Ziel der Studie ist es, besser zu verstehen, welche Technologie und Digitaltrends Entscheider in Deutschland und international bewegen und was sich seit 2020 im Zuge von Corona bei der Digitalisierung geändert hat.
Langfristige Digitalisierungspläne, wie z. B. die Migration in die Cloud, mussten plötzlich schneller umgesetzt werden, um das Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen und neuen Digitalanforderungen gerecht zu werden. 55 Prozent der IT-Entscheider gehen in ihrem Unternehmen von einem langfristigen Wandel aus bei der Art und Weise, wie und wo Menschen arbeiten und miteinander kommunizieren. Das macht sich natürlich auch bei der dafür zugrunde liegenden digitalen Infrastruktur bemerkbar: Gut die Hälfte (48 Prozent) haben ihre IT-Infrastruktur an die neuen Anforderungen von verteilter Arbeit und hybriden Pro-zessen angepasst. Entgegen den Befürchtungen, dass Covid-19 Investitionen bremst, haben 44 Prozent der Unternehmen ihre IT-Budgets aufgestockt, um die Herausforderungen zu meistern.
ITD: Wie schneidet Deutschland im internationalen Vergleich ab, etwa was die Geschwindigkeit der Digitalisierung angeht?
Feidner: Allgemein ähneln sich die weltweiten Digitalisierungstrends – fast überall sehen wir, dass Unternehmen Digitalprojekte beschleunigen. Bei der Umsetzung gibt es aber durchaus regionale Unterschiede: Deutschland liegt z. B. bei der Nutzung der Hybrid- und Multicloud vorn – 55 Prozent nutzen die Hybrid-Cloud und fast ein Drittel Multiclouds. International liegen die Werte jeweils bei 46 und 28 Prozent. Gleichzeitig haben deutsche Unternehmen aber mit 41 Prozent einen vergleichsweise geringeren Teil ihrer IT-Infrastruktur in der Cloud. Nordamerika liegt mit 52 Prozent vorn.
Unterschiede zeigen sich auch beim 5G-Fortschritt: Nur 20 Prozent der deutschen Entscheider sagen, dass die 5G-Einführung schnell voranschreitet. International sind knapp 40 Prozent dieser Meinung. Es gibt also durchaus noch Potenzial, die Transformation zu beschleunigen.
ITD: Wo setzen Unternehmen in Deutschland ihre Schwerpunkte?
Feidner: Die Schwerpunkte in Deutschland liegen ganz klar auf der Modernisierung der IT-Infrastruktur (78 Prozent), der Cloud-Migration und dem Datenschutz (jeweils 73 Prozent). Die Werte sind zum Teil sprunghaft angestiegen: Bei der Modernisierung und der Cloud-Migration stieg der Wert im Vergleich zum vergangenen Jahr um über 20 Prozent. Verglichen mit anderen Technologien hat die Cloud für mehr als die Hälfte der deutschen Entscheider das größte Potenzial für das Geschäftswachstum in den nächsten fünf Jahren. Auch das Thema Edge wird immer wichtiger: 69 Prozent der Unternehmen sehen die Verlagerung der Infrastruktur an die „Edge“ als wichtige Priorität – ein Anstieg von fast 25 Prozent im Vergleich zu 2020.
Ein weiterer Schwerpunkt in Deutschland ist das Thema Green IT: Gut 40 Prozent der Befragten haben angegeben, dass Nachhaltigkeit ein zentraler Treiber in ihrem Unternehmen ist, ihre Kunden Wert auf die Klimafreundlichkeit ihrer IT-Infrastruktur legen und sie infolgedessen auch einen langfristigen Nachhaltigkeitsplan aufgestellt haben.
ITD: Was sind häufige Stolpersteine hinsichtlich der
IT-Infrastruktur bei der Umsetzung?
Feidner: Gerade mittelständische Unternehmen, aber auch der öffentliche Sektor, verfügen oft nicht über die nötige IT-Infrastruktur, um den neuen Digitalanforderungen gerecht zu werden. Laut unserer Umfrage sieht ein Großteil (52 Prozent) der IT-Entscheider in Deutschland veraltete Infrastrukturen als Hindernis. Aber auch mangelnde Fachkräfte (50 Prozent) und fehlende Interoperabilität mit der IT von Partnern werden als Herausforderungen genannt. Letztere ist in diesem Jahr im Vergleich zum vergangenen sogar noch weitaus größer geworden – von 9 auf 27 Prozent.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Genau bei diesen Herausforderungen können Infrastrukturbetreiber wie Rechenzentren unterstützen, indem sie Expertise, Leistung und Konnektivität bereitstellen. Sie bilden das Fundament für unsere digitale Wirtschaft und Gesellschaft und sind deshalb auch Teil der kritischen Infrastruktur. Die neue Arbeitswelt, die im Zuge der Corona-Pandemie entstanden ist, wäre ohne diese digitale Infrastruktur nicht möglich gewesen. Gerade in der aktuellen Situation, in der viele Menschen von zu Hause aus arbeiten, mehr Streaming-Plattformen genutzt werden und Unternehmen ihre Prozesse zunehmend digitalisieren, erweisen sich Rechenzentren und eine stabile IT-Infrastruktur als Rückgrat der Digitalwirtschaft.