KI-Entwicklung

Mutig sein und Innovationsgeist beweisen

Im Kommentar erläutert Marcel Kappestein, Geschäftsführer der Avenga Germany GmbH, warum die Entlassungswelle im IT-Sektor nicht nur als Krise gesehen werden darf. Vor allem für die KI-Entwicklung und den Standort „Deutschland“ birgt sie auch Chancen.

Marcel Kappestein

Marcel Kappestein ist Visionär und Macher. Zudem steht er für ein modernes Leadership, mit dem er Teams befähigt, neu zu denken und mutig zu sein.

Die mediale Berichterstattung malt aktuell ein düsteres Bild der IT-Branche. Eine Krise, ja sogar eine ausgewachsene Midlife Crisis wollen einige Beobachter erkennen – so z.B. Derek Thompson, Autor beim Magazin „The Atlantic“. Grund dafür sei der massive Stellenabbau bei amerikanischen Tech-Giganten wie Amazon, Google und Co. Ich sehe in der aktuellen Situation dagegen weniger eine Krise als vielmehr eine große Chance.

Anstelle des schon häufig beschworenen Kollapses des IT-Sektors befinden wir uns aktuell in einer spannenden Situation: Waren die letzten drei Jahre vor allem von der Entwicklung schnelldrehender „Pandemieprodukte“ wie beispielsweise On-Demand-Services geprägt, treten nun größere Innovationen in den Vordergrund, vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) – und deren Entwicklung dauert bekanntlich länger und ist deutlich investitionsintensiver. Gleichzeitig sind die US-amerikanischen Konzerne mit der Neujustierung ihrer Geschäftsstrategien und der damit einhergehenden Konsolidierung ihrer Fachkräfte beschäftigt – eine Chance für deutsche Unternehmen, im internationalen Wettbewerb aufzuholen. Die Voraussetzungen dafür könnten kaum besser sein.

KI als Schlüssel zum Erfolg

Deutschland verfügt über eine starke Fertigungs- und Automatisierungsindustrie, die sich auch durch die Integration von Technologien der Industrie 4.0 auszeichnet. Während andere Länder erst einmal Zeit und Ressourcen in Grundlagenarbeit stecken müssen, können viele deutsche Unternehmen direkt zur Optimierung ihrer Prozesse mithilfe von KI übergehen. Die so verbesserte Produktion und größere Flexibilität generieren in kürzester Zeit einen echten internationalen Wettbewerbsvorteil und ebnen den Weg zur „fünften industriellen Revolution“.

Weiterhin zeichnet sich der Wirtschaftsstandort „Deutschland“ durch eine starke F&E-Tradition aus, inklusive der notwendigen Strukturen für Wissensaustausch und Kooperation. Auch hier maximieren die bereits bestehenden Prozesse das Potenzial von KI-Anwendungen. Diese beschleunigen wiederum Innovationen, etwa durch umfassende Simulationen basierend auf großen Datenmengen, die durch die Kombination mit Technologien wie dem High Performance Computing (HPC) ermöglicht werden.

Eine weitere Chance sehe ich ausgerechnet in unserem strengen Datenschutz. Die Diskussionen um KI-Anwendungen wie ChatGPT sowie der Fortschritt beim europäischen KI-Gesetz zeigen: Regularien werden kommen, und zwar bald. Doch im Gegensatz zum unbefriedeten „digitalen Wilden Westen“ des amerikanischen Big Tech kennen sich deutsche Unternehmen bestens mit Datenschutz aus und können eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung ethischer KI einnehmen. Unternehmen, die hier zeitig aktiv werden, sichern sich gegenüber den Nachzüglern einen deutlichen Vertrauensvorsprung bei ihren Kunden und steigern dadurch ihre Konkurrenzfähigkeit.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die „Krise“ der IT-Branche verschafft deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb eine seltene Verschnaufpause. Diese Chance muss ergriffen werden! Mit Mut zur Innovation kann ein überragender Beitrag dazu geleistet werden, dass deutsche Unternehmen wieder eine globale Vorreiterrolle übernehmen und demonstrieren, wie die Digitale Transformation gelingt. Gleichzeitig wird die eigene Wettbewerbsfähigkeit langfristig abgesichert.

Bildquelle: Avenga

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