Observability hilft beim Energiemanagement
Alois Reitbauer, Chief Technology Strategist, Dynatrace
Während Organisationen die digitale Transformation vorantreiben und gleichzeitig immer strengeren Nachhaltigkeitsvorgaben gegenüberstehen, steht KI wegen ihres hohen Ressourcenverbrauchs und der damit verbundenen Treibhausgasemissionen im Fokus. Der enorme Rechenaufwand für das Training und den Betrieb großer Modelle ist nicht zu leugnen. Doch die Nachhaltigkeitsdiskussion in der IT konzentriert sich überproportional auf KI – während andere systemische Faktoren eine weitaus größere Umweltbelastung darstellen.
Die Wahrheit ist: Das IT-Ökosystem ist nach wie vor von Ineffizienzen geprägt. Ungenutzte Server, kurze Hardware-Lebenszyklen und mangelnde Transparenz über Infrastrukturverschwendung sind zentrale Herausforderungen, die Nachhaltigkeitsinitiativen behindern. KI ist nicht das Hauptproblem, sondern der Katalysator für eine überfällige Debatte über Effizienz im IT-Betrieb.
KI hat bestehende Ineffizienzen und versteckte Infrastrukturkosten deutlicher sichtbar gemacht. Unternehmen sollten dies als Auslöser für Veränderungen begreifen – nicht als Krise. Das eigentliche Potenzial liegt global betrachtet darin, das Bestehende effizienter zu betreiben.
Ein oft unterschätztes Problem in Rechenzentren sind sogenannte „Zombie-Server“ – also Maschinen, die zwar laufen, aber keine produktive Aufgabe erfüllen. Laut einem Bericht des Lawrence Berkeley National Laboratory von 2024 verbrauchen selbst im Leerlauf befindliche Server zwischen 27 und 36 Prozent ihrer maximalen Leistung. Sie erscheinen funktional, liefern aber keinen nennenswerten Output und sind damit eine dauerhafte Quelle verschwendeter Energie. Das Identifizieren und Stilllegen solcher Server ist heute eine Kernaufgabe nachhaltigen Rechenzentrumsbetriebs.
Diese Unterauslastung führt zu massiver Ressourcenverschwendung und trägt direkt zu Treibhausgasemissionen bei. Da viele Unternehmen jedoch mit isolierten Daten und begrenztem Überblick arbeiten, bleibt das Problem unsichtbar. Anders gesagt: Jeder zweite Server müsste eigentlich gar nicht erst produziert und installiert werden. Sowohl ökologische Vorteile als auch Kosteneinsparungen sind möglich, wenn weniger Server im Einsatz sind und ältere, günstigere Hardware für bestehende Systeme weitergenutzt wird. Angesichts des Wachstums von Rechenzentren und steigender Nutzung ist es unhaltbar, diese Ineffizienzen zu ignorieren.
Ein weiteres zentrales Problem sind die CO₂-Emissionen, die nicht aus dem Energieverbrauch, sondern aus der Hardwareproduktion und deren zu schneller Erneuerung stammen. Studien zeigen, dass die sogenannten „embodied emissions“ – also Emissionen aus Herstellung und Entsorgung – mehr als die Hälfte der gesamten Lebenszyklusemissionen ausmachen können. Das bedeutet: Längere Nutzung, Wiederverwendung und sachgerechtes Recycling sind entscheidend für nachhaltige IT. Vom Rohstoffabbau über die Produktion bis hin zur Entsorgung gibt es zahlreiche Ineffizienzen – etwa unnötige Upgrades oder falsche Entsorgung. Priorität sollte daher auf längere Nutzung, Cloud-Migration und korrekte Recyclingprozesse gelegt werden.
Nachhaltigkeit in der IT bedeutet nicht Perfektion, sondern Optimierung und Anpassungsfähigkeit. Systeme, die sich selbst regulieren, Abfälle reduzieren und dynamisch auf veränderte Anforderungen reagieren, sind entscheidend, um die strukturellen Ineffizienzen im Technologiesektor zu überwinden.
Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss über punktuelle Verbesserungen hinausgehen und Systeme einführen, die Echtzeit-Einblicke und Steuerung ermöglichen. Genau hier kommt Observability ins Spiel.
Observability liefert die Daten und Kontexte, die Unternehmen benötigen, um fundierte und wirkungsvolle Entscheidungen zu treffen. Mit einem klaren Blick auf die Performance der Infrastruktur können Teams ungenutzte Ressourcen identifizieren, Energieverschwendung reduzieren und die Hardware-Auslastung maximieren – und so gleichzeitig die Lebensdauer ihrer Systeme verlängern.
Beispielsweise lässt sich präzise ermitteln, wo unnötig Energie verbraucht wird. Daraufhin können Workloads dynamisch und effizient umverteilt werden. Solche Erkenntnisse unterstützen nicht nur Nachhaltigkeitsziele, sondern senken auch Kosten und erhöhen die Resilienz im Betrieb.
Durch Echtzeit-Transparenz in Performance, Nutzung und Ineffizienzen macht Observability Nachhaltigkeit greifbar. Sie verwandelt ökologische Ziele in messbare Resultate, auf deren Basis Unternehmen handeln können.
Die strukturellen Probleme, die Nachhaltigkeit ausbremsen, sind ein branchenweites Thema. Doch sobald sie sichtbar sind, können Unternehmen aktiv werden – oder bewusst untätig bleiben. Letzteres bringt nicht nur ökologische, sondern auch finanzielle und reputative Kosten mit sich.
Die Umweltbelastung durch KI ist real. Aber der erste Schritt der Branche muss ein fundamentaler Perspektivwechsel sein: hin zu Optimierung, Effizienz und dynamischer Anpassungsfähigkeit.
Nachhaltigkeit ist letztlich eine Herausforderung des Systems Engineerings – und Observability ist das Werkzeug, das Unternehmen befähigt, sie zu meistern. Indem es tiefe, umsetzbare Einblicke in Verschwendung bietet, verwandelt Observability Nachhaltigkeit von einem abstrakten Ziel in eine konkrete operative Priorität – besonders, wenn die potenziellen Kosteneinsparungen für das Business sichtbar werden.
Sobald Ineffizienzen transparent sind, haben Unternehmen die Wahl: handeln oder die Konsequenzen in Kauf nehmen. Wir können nicht beheben, was wir nicht sehen. Aber sobald wir es sehen, tragen wir Verantwortung. Observability macht nachhaltige IT messbar – und zur konkreten Handlungspflicht für Unternehmen. Plattformen wie Dynatrace liefern diese Echtzeit-Einblicke – und helfen Unternehmen, ökologische Ziele operativ umzusetzen.
Bild: Dynatrace