Nachhaltigkeit

Nachhaltige Retouren – ein Widerspruch in sich?

Retouren sind ein großes Problem. Markus Lohmann, Sales Director bei Manhattan Associates, erklärt im Kommentar, wie Unternehmen ihren Kunden komfortable, nachhaltigere Optionen bieten können.

Markus Lohmann

In der Branche gilt Markus Lohmann als erfahrener Fachmann, der komplexe, internationale Projekte im Sinne des Kunden realisiert werden.

Immer mehr Menschen erwarten, dass der Handel nachhaltig agiert. Laut einer kürzlich von uns unter rund 2.000 volljährigen Personen in Deutschland durchgeführten Umfrage finden sogar 76 Prozent, dass Unternehmen hinsichtlich der eigenen Nachhaltigkeit verantwortungsvoller handeln sollten. Angesichts steigender Retouren im E-Commerce steht diese Haltung allerdings im Widerspruch dazu, wie nachhaltig sich Verbraucher selbst verhalten. So tun beispielsweise 22 Prozent nichts, um beim Online-Shopping Rücksendungen zu vermeiden.

Recycling statt Verschwendung

Für Marken heißt das, dass sie ihren Kunden mit komfortablen Optionen die Möglichkeit geben sollten, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. Im Fall von Rücksendungen können sie gezieltes Recycling oder eine flächendeckende Kreislaufwirtschaft anbieten. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Logistik: Denn egal ob ein Produkt repariert werden soll, wieder in Umlauf gebracht werden soll, nach einem Online-Kauf zurückgegeben oder final verwertet werden soll – es geht bei der Verlängerung des Produktlebenszyklus immer um Lieferkettenprozesse und -netzwerke. Eine große Herausforderung für Unternehmen ist dabei, mehr Transparenz und Wissen in Bezug auf ihre Warenbestände zu schaffen – unabhängig davon, wo sie sich in ihrem Netzwerk gerade befinden. Sämtliche Produkte müssen jederzeit exakt erfasst werden. Mit einer zentralen Übersicht über alle Bestellungen sowie Rücksendungen können Unternehmen Lieferkettenprozesse und die Auftragsabwicklung optimieren, was zu kürzeren Lieferzeiten und einer Vermeidung von Fehlern oder Verzögerungen führt. Dafür benötigen sie innovative IT-Lösungen.

Eine Win-win-Situation für alle Seiten

Viele Marken bieten ihren Kunden gar nicht die Möglichkeit, Bestellungen nachträglich zu ändern, zu stornieren oder Waren hinzuzufügen. Das führt häufig zum Versand von Waren in unterschiedlichen Lieferungen und mit mehreren Kurieren. Fortschrittliche IT-Lösungen schaffen mehr Flexibilität und lassen Kunden nachträglich Änderungen vornehmen. Der Kunde hat so mehr Einfluss auf Lieferkettenentscheidungen. Übermäßige Lieferkilometer sowie das Aufteilen in mehrere kleinere Bestellungen lassen sich so vermeiden. Ziel ist, den Kunden mit mehr Entscheidungsfreiheit und Flexibilität zu informierten und ihn zu nachhaltigen Entscheidungen zu bewegen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Auch in Bezug auf Retouren sollten Händler ihren Kunden mehr Wahlmöglichkeiten bieten – denn genau das wünschen sich die Verbraucher. 41 Prozent der Befragten finden etwa, dass Unternehmen Reparaturen anbieten sollten. 18 Prozent fordern einen nachhaltigen Produktlebenszyklus und ein vollständiges Recycling zurückgegebener Produkte. Die Investition in nachhaltigere Rücksendungen ist also eine große Chance für Unternehmen, sowohl die Kundenzufriedenheit zu steigern als auch einen positiven Beitrag für den Klimaschutz zu leisten.

Bildquelle: Manhattan Associates

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