Anforderungen an moderne Rechenzentren

„Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Effizienz“

Über die Anforderungen an moderne Rechenzentren berichtet Matthias Engler, stellv. Projektleiter für den Bau eines neuen Akquinet-Rechenzentrums in Hamburg-Rahlstedt, im Interview.

  • Matthias Engler, Akquinet

    Matthias Engler verfolgt als stellv. Projektleiter regelmäßig die Fortschritte beim Bau des neuen Rechenzen­trums in Hamburg-Rahl­stedt.

  • Rechenzentrum Victoria Park

    Das fertige Gebäude des Rechenzentrums Victoria Park ist nicht sehr hoch, das Rechenzentrum selbst befindet sich unter der Erde.

ITD: Herr Engler, welche Herausforderungen sind mit dem Bau und Betrieb eines modernen Rechenzentrums (RZ) verbunden?
Engler: Zunächst einmal gibt es die unterschiedlichsten normativen Anforderungen und Compliance-Vorgaben, wie z.B. BSI-Grundschutz, ISO 27.001, EN 50.600 und TÜViT TSI, die in unterschiedlicher Ausprägung durch unsere Nutzer gefordert werden. Hinzu kommen individuelle Anforderungen unserer künftigen Colocation- und Outsourcing-Kunden, für die wir das RZ bauen wollen. Eine besondere Herausforderung in der Planung sind Flexibilität und Skalierbarkeit des neuen Datacenters. Anforderungen, die unter Umständen heute noch nicht bekannt sind, müssen auch im Nachgang in das RZ-Konzept integriert werden können. So erfordern die Planung und der Bau ein Höchstmaß an Kreativität, um möglichst viele Szenarien abzudecken. Die Wahl des Standorts ist ein weiterer kritischer Faktor. Hat man einen möglichst risikoarmen Standort gefunden, muss dieser auch eine redundante Anbindung an Strom und Datentrassen bieten, sodass hohe Bandbreiten und im Optimum lokale Energiequellen genutzt werden können. Zudem bleiben der recht hohe Gesamtenergiebedarf und die damit verbundene Notwendigkeit möglichst hoher Energieeffizienz. Hier ist die Gesetzeslage leider noch nicht ganz eindeutig, insbesondere im Hinblick auf das kommende Energieeffizienzgesetz (EnEfG).

ITD: Welche Rolle spielt das Thema „Nachhaltigkeit“ in modernen Rechenzentren?
Engler:
Nachhaltigkeit spielt bei uns, wie bei allen modernen Rechenzentren, eine sehr wichtige Rolle. Als Großverbraucher stehen Rechenzentren mittlerweile im Fokus des Gesetzgebers sowie der medialen Präsenz. Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Effizienz, sondern auch langfristige Kostenreduzierung für unsere Kunden und uns. Unsere Bestandsrechenzentren haben einen durchschnittlichen Jahres-Power-Usage-Effectiveness-Wert (PUE) von 1,23. Um so etwas zu erreichen, muss Nachhaltigkeit bereits in der Planung verankert sein und es bedarf eines Betriebsteams, das die Anlagen versteht und täglich auf das Optimum trimmt, ohne Einschränkungen bei der Betriebssicherheit zu riskieren. Dieses Team optimiert etwa die Betriebsparameter unseres Kälte- und Kühlkonzepts, um die nicht produktiv genutzte Abwärme effizient abzugeben. Der Einsatz von verlustarmen Systemen in der technischen Infrastruktur, wie USV-Anlagen mit hohem Wirkungsgrad, ist ein weiterer Schritt. Wir achten zudem sehr auf die Verwendung umweltfreundlicher Komponenten, wie recyclebare Batterien, ein Kältemittel mit einem geringen GWP und wassersparende Systeme. Darüber hinaus beziehen wir den Strom für die anderen Rechenzentren bereits seit einigen Jahren ausschließlich aus erneuerbaren Energien. Unsere Abwärme wollen wir nicht nur zur Beheizung der eigenen Büroräume, sondern auch für benachbarte Gebäude und Industrieanlagen nutzen. Dies ist in Deutschland aufgrund ungünstiger Voraussetzungen für Fern- oder Nahwärme sehr herausfordernd.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Welche baulichen Besonderheiten sind darüber hinaus noch erwähnenswert?
Engler:
Unser RZ in Hamburg-Rahlstedt errichten wir in einer viergeschossigen Bauweise, wobei zwei Stockwerke bis zu 15 Meter unter der Erde liegen. Das gewährleistet eine maximale physische Sicherheit. Dies wird ergänzt durch einen kameraüberwachten Perimeterschutz, ein zweischaliges Design und durch die strikte bauliche und organisatorische Trennung von technischen und IT-Bereichen. Eine 24/7-besetzte Datacenter-Security-Zentrale mit Kreuzüberwachung der anderen Standorte im Hamburger Großraum gewährleistet höchste Sicherheit. Das RZ verfügt über ein modulares und skalierbares Ausbaukonzept, das eine Leistungserhöhung um 100 Prozent ohne Betriebsunterbrechung ermöglicht.

Bildquelle: Akquinet

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