Martin Wimmer von Modis sieht viel Potenzial in der Automatisierung von Service-Desk-Vorgängen.
ITD: Herr Wimmer, Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt ein Fax gesehen?
Martin Wimmer: Das ist schon eine Weile her. Wenngleich ich mich noch gut daran erinnere, wie umständlich ich damals diese Art von Informationsübermittlung fand.
ITD: Welchen Stellenwert hat Digitalisierung in der Service-Desk-Umgebung?
Wimmer: Ich behaupte, Service Desks sind, in Abhängigkeit vom Eingangskanal, schon mehr oder weniger digital. Im Zeitalter von Automatisierung können wir durch gezielte Prozessoptimierung und mit neuen Technologien Endanwendern und Service-Desk-Teams neue Supportangebote machen.
ITD: Wie sehen die neuen Supportlösungen aus?
Wimmer: Nehmen wir das Beispiel „Passwort-Reset“: Bei einem klassischen Prozess wendet sich der Anwender beispielsweise per Telefon an den Service Desk und erhält ein neues Passwort. Bei einem automatisierten Prozess nutzt der User möglicherweise biometrische Stimmauthentifizierung und bekommt praktisch ohne menschliches Zutun ein neues Passwort. Haben Anwender die Wahl zwischen klassischem und automatisiertem Prozess, wählen sie den aus, der am besten für sie passt. Indem wir die bestehenden Prozesse regelmäßig auf Automatisierungspotenziale überprüfen, ergeben sich intelligente Lösungen für die Nutzer der Service-Desk-Umgebung und gleichzeitig auch für das Supportteam, z. B. durch automatisierte Ticketerstellung oder das Echtzeit-Ticketmonitoring.
ITD: Wie wirken sich automatisierte Service-Desk-Lösungen auf das etablierte Supportteam aus?
Wimmer: Automatisierte Lösungen entlasten das Supportteam von Routineanfragen und schaffen Freiräume für die individuelle Kundenbetreuung, VIP-Services oder höhere Aufgaben. Gerade, wenn wir den internen Service Desk als externer Partner im sogenannten Co-Partnering entlasten, nutzen Kunden die frei gewordenen Ressourcen für die Weiterentwicklung ihrer internen IT-Landschaft.
ITD: Auf diese Weise kann Automatisierung dann die Servicequalität insgesamt verbessern?
Wimmer: Bestenfalls ja. Nämlich dann, wenn sie zu den vielfältigen Erwartungen und dem Verhalten der Nutzer passt. Die einen nutzen ganz intuitiv Self-Services und befragen den Chatbot. Erst wenn sie selbst nicht weiterkommen, wenden sie sich an den Service Desk, z. B. per Chat. Das dafür benötigte Supportteam ist deutlich kleiner als für die Personengruppe, die direkt zum Telefon greift.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Wie setzten Sie bei Modis Automatisierung ein?
Wimmer: Wir setzen z. B. auf Natural Language Processing, um aus E-Mails Tickets zu generieren. Unsere Personaleinsatzplanung erfolgt durch ein auf Künstlicher Intelligenz basierendes Personaleinsatztool. In unserer Supportumgebung kommt zudem unser Chatbot Modito zum Einsatz. Er ist FAQ- und Assistent-Bot zugleich, verweist also einerseits auf Hilfedokumente und leitet andererseits direkt an. Außerdem nutzen wir Realtime-System- und -Ticketmonitoring, um in sich abzeichnenden Störungssituationen noch proaktiver zu sein.
Bildquelle: Modis IT Outsourcing