Guter Deal mit der Cloud?

Neuer Cloud-Marktplatz der Deutschen Börse

Ab 2014 können über die Deutsche Börse Cloud-Ressourcen ähnlich wie Strom oder Wertpapiere an einem Marktplatz gehandelt werden. Welche Vorteile bietet der neuartige Handel mit Cloud-Infrastrukturen für die IT-Verantwortlichen der Unternehmen?

  • Maximilian Ahrens, Mitglied der Geschäftsführung bei der Deutsche Börse Cloud Exchange

  • Dr. Ferri Abolhassan ist Geschäftsführer der T-Systems International GmbH und verantwortlich für den Bereich Delivery.

Was sich für Strom bereits bewährt hat, soll künftig auch den Cloud-Markt weiter beleben: Der Handel mit Ressourcen über eine börsenähnliche Onlineplattform. Doch wann und für welche Unternehmen bietet sich der Handel mit den Ressourcen an, in welcher Form profitieren sie davon und wie sicher ist der Onlinehandel in einem sensiblen Umfeld wie der Cloud überhaupt? Und wie funktioniert der Handel mit der Cloud?

Der Handelsplatz der Deutschen Börse Cloud Exchange AG, ein Joint Venture der Deutschen Börse und dem Berliner Software-Unternehmen Zimory GmbH, funktioniert wie der Handel an der Strombörse: Anbieter und Käufer treffen sich auf einer neutralen Basis. Gegenstand der Deals auf dem Cloud-Parkett sind allerdings keine Kilowattstunden, sondern messbare Performance Units (PUs) für Computing-Ressourcen (CPUs, Storage und RAM) – bei Storage sind diese Performance Units beispielsweise in Gigabytes festgelegt.

Als Wirtschaftsgut dienen hauptsächlich standardisierte IT-Kapazitäten – damit richtet sich der Marktplatz insbesondere an Großunternehmen und je nach Anforderung auch an den Mittelstand. Vorteil für den Käufer: Ohne umfangreiche Marktrecherchen erhält er einen Vergleich verschiedener Anbieter zu aktuellen Konditionen. Zudem können die Leistungen kurzfristig gekauft und bezogen werden, was gerade beim Abfedern von Lastspitzen von Bedeutung ist. Verglichen mit dem Bezug klassischer Infrastructure-as-a-Service-Lösungen (IaaS) über einen dedizierten IT-Provider ist für den Anwender der Kaufvorgang als solcher zwar ein anderer – die erworbene Serviceleistung selbst unterscheidet sich für den Kunden in der Anwendung nicht.

Der Cloud-Marktplatz: ein „sicheres“ Geschäft?

Neben den Standardleistungen können die Provider ebenfalls auf spezifische Kundenanforderungen eingehen, sogenannte Over the Counter Services (OTC). Denn: Die Anbieter bilden zusammen ein Ökosystem, in dem jeder sein spezielles Wissen und seine Leistungen einbringt – unter anderem in Form von Mehrwertdiensten oder sicheren Applikationen für die Cloud. Damit hebt der Cloud-Marktplatz auch unter den Providern das Potential: Die Synergieeffekte erlauben es einem Provider, die eigenen Ressourcen durch den Zukauf gehandelter Kapazitäten zu erweitern – beispielsweise in Ländern, in denen der Serviceprovider nicht über eigene Rechenzentren und IT-Ressourcen verfügt.

Der Handel von Cloud-Ressourcen auf einem börsenähnlichen Umschlagplatz, und das auch noch zu sicheren Bedingungen? Klingt widersprüchlich. Ist es aber nicht – und darf es auch nicht sein. Denn das Thema Cloud Computing erfordert besonders hohe Sicherheitsmaßnahmen auf Seiten des Providers. Im Vordergrund vieler Unternehmen steht nach wie vor die Vertrauensfrage: Sind Daten und sensible Informationen in der Cloud wirklich ausreichend geschützt? Der Cloud-Marktplatz bietet hier für die Kunden einen besonderen Nutzen. Denn die angebotenen Infrastructure-Services werden durch einen unabhängigen Dritten – die Deutsche Börse Cloud Exchange – beaufsichtigt.


Die hohe Qualität der Services bildet damit das Fundament für den Handel mit Cloud-Ressourcen. Zu jedem Cloud-Service sind verschiedene Parameter hinterlegt, die dem Käufer als Entscheidungsgrundlage dienen. Diese Parameter umfassen beispielsweise Informationen zu Service Level Agreements (SLA), Performanceklassen oder Vertragslaufzeiten. Ebenso ein Kriterium ist die „Governing Region“. Hieraus ist für den Käufer ersichtlich, welche Landesgesetze den jeweiligen Services zugrunde liegen. Kommt für ihn nur die Leistung aus einem Rechenzentrum in Deutschland in Betracht, kann er das Angebot gezielt danach auswählen.

Cloud-Provider werden überprüft

Desweiteren durchläuft jeder Anbieter einen „Admission Process“. Hier wird der Provider eingehend auf Sicherheitsstandards und -prozesse überprüft. „Damit schaffen wir nicht nur Transparenz darüber, welche Anforderungen ein Provider erfüllt, sondern auch eine wichtige Vertrauensbasis für den Kunden“, so Maximilian Ahrens, Chief Product Officer des Joint-Venture-Partners Zimory. „Den Unternehmen fehlen am Markt oftmals einheitliche Standards und maßgebende Zertifizierungen als Entscheidungshilfe. Umso wichtiger ist ein solcher Zertifizierungsprozess als Voraussetzung zur Teilnahme an der Handelsplattform“, ergänzt Ahrens. Unternehmen erhalten am Cloud-Marktplatz somit eine hohe Vertrauensgrundlage: Die Provider werden auf Herz und Nieren geprüft, alle wichtigen und sicherheitsrelevanten Informationen sind für die Käufer ersichtlich.

Rund fünf Jahre ist es her, dass Maximilian Ahrens Zimory gegründet hat. „Die Idee dahinter war es, eine Art Aggregator für Cloud-Anbieter mit Überkapazitäten zu schaffen – und Unternehmen damit die Möglichkeit zu geben, Cloud-Services zu aktuellen Marktpreisen und sicheren Bedingungen zu beziehen“, sagt er. Als Partner der Deutschen Börse ist Zimory verantwortlich für die „Settlement-Technologie“: Im Rahmen eines Handels zwischen Provider und Unternehmen auf dem Cloud-Marktplatz stellt man sicher, dass die Kunden nach dem Kauf der IT-Kapazitäten auch Zugang zu diesen haben.

Ein Provider, der das Vorhaben von Beginn an unterstützt, ist T-Systems. Wichtige Argumente, die als Technologiep von Zimory sprachen, waren die langjährige Erfahrung und das ausgereifte Lösungsportfolio im Enterprise-Segment. Gemeinsam mit dem Anbieter hat die Telekom-Tochter den Prototyp eines cloud-basierten Handelsplatzes entwickelt, der im Innovation Center des Bonner Unternehmens aufgebaut ist. Hierbei war man maßgeblich daran beteiligt, Standards festzulegen und die Performance Units im Sinne der Kunden zu definieren. Dr. Ferri Abolhassan, Geschäftsführer T-Systems International, betont: „Mit dem Cloud-Marktplatz erhalten Unternehmen eine neutrale Plattform für sichere und zuverlässige Cloud-Dienste in einem transparenten Umfeld. Wir sprechen uns schon lange für Zertifizierungskriterien von Cloud-Leistungen aus. Von daher war die Mitarbeit an diesem Konzept für uns selbstverständlich, da hier genau dieser Gedanke unterstützt wird.“

Der Cloud-Handelsmarktplatz soll Unternehmen künftig neue Perspektiven am Markt eröffnen. Sie erhalten Cloud-Infrastrukturen zu tagesaktuellen Preisen und erhöhten Sicherheitsaspekten. Im ersten Quartal 2014 soll die Plattform für den Handel verfügbar sein. Dabei wird sich die Spreu vom Weizen trennen, da aufgrund der Transparenz schnell ersichtlich sein wird, welche Provider auch halten, was sie versprechen. Denn genau diese Transparenz ist am Markt erforderlich und wird bei den Unternehmen den Zuschlag erhalten.

dbcloudexchange.com/de-de

www.t-systems.de

www.zimory.com


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