Der Energiesektor beschleunigt den Ausbau CO2-neutraler, erneuerbarer Energien. Damit das gelingt, sind digitalisierte leistungsfähige Hochgeschwindigkeitsnetze nötig.
Die letzten Jahre waren die wärmsten, die je auf der Erde aufgezeichnet wurden. Gleichzeitig geben wir immer noch zu viel CO2 in die Atmosphäre ab. Dabei ist das Potenzial digitaler Technologien mit Blick auf den Klimaschutz enorm.
Der Energiesektor beschleunigt den Ausbau erneuerbarer Energien. Damit das gelingt, sind digitalisierte Hochgeschwindigkeitsnetze nötig. Nur so können Energieversorger die wachsende Menge an dezentral gewonnener Solar- und Windenergie managen, die die Stromnetze im Gleichgewicht halten, die Nachfrage anpassen oder verschiedene Formen von Zwischenspeichern nutzen. Auch deshalb entwickelt sich das Stromnetz zu einem hochkomplexen verteilten Netz.
Auch für Telekommunikationsunternehmen und Netzbetreiber sind digitale Netztechnologien eine Chance, nicht nur ihre eigenen Emissionen massiv zu senken, sondern auch die ihrer Kunden. Sie führen digitale Technologien ein, die beispielsweise Geräte effizienter nutzen oder den Verbrauch senken, wenn Geräte und Anlagen nicht genutzt werden. Dazu zählen u.a. Network Slicing und neuartige Algorithmen, die den „Leerverkehr“ in Netzen (und damit den Energiebedarf) reduzieren. Breitbandanschlüsse verbrauchen heute schon 38 Prozent weniger Strom als 2007 bei einer Steigerung der Geschwindigkeit um das 64-Fache. Auch 5G mit seiner verbesserten spektralen Effizienz und weiteren Mechanismen ermöglicht einen um bis zu 90 Prozent geringeren Energieverbrauch pro Bit.
In Deutschland haben lizenzierte Funkfrequenzen für Unternehmen den Betrieb privater Campusnetze mit LTE und 5G ermöglicht, für die Netzausrüster wie Nokia die Technologien bereitstellen. Sie spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Verbesserung der Kommunikation in der Industrie, etwa bei der Fertigung in Fabrikhallen, bei der Zusammenarbeit von Maschinen oder in der unternehmensinternen Logistik, und tragen zum Klimaschutz bei. Ein Beispiel ist der Siemens-Campus in Wien. Er verfügt über ein lokales Energienetz (Microgrid) in Verbindung mit einem schnellen und sicheren 5G-Campusnetz. Es gibt dort rund 1.000 Datenpunkte von 34 verschiedenen Geräten, die in Echtzeit miteinander kommunizieren und automatisch steuern, wie viel Solarstrom ins Netz eingespeist wird und wie viel vor Ort genutzt wird. Allein diese Anlage hilft, 200 Tonnen CO2 im Jahr einzusparen.
Mit Blick auf die Klimaneutralität kommt auch der Idee der digitalen Zwillinge eine hervorgehobene Bedeutung zu. Dabei arbeitet man mit einem digitalen Abbild eines realen Objekts. Diese in der Industrie bereits genutzte Anwendung integriert die physische und die digitale Welt und ermöglicht Entscheidungen aufgrund von äußerst realistischen Simulationen und Szenarioanalysen, z.B. in Forschung und Entwicklung. Mit 5G, 5G Advanced und schließlich 6G in den 2030ern werden wir digitale Zwillinge von ganzen Städten und Ländern erstellen und die Folgen des CO2-Ausstoßes direkt analysieren können.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Viele Akteure stellen sich mithilfe dieser und weiterer digitaler Technologien inzwischen dem Klimawandel entgegen. Aber es geht auch darum, Produkte zu entwickeln, die mit weniger Energie mehr erreichen, etwa durch KI in Netzen, oder moderne Chipsätze für Festnetz-Breitband, die nur etwa die Hälfte des Stroms verbrauchen. Es geht darum, Technik wiederzuverwenden, Verpackung zu reduzieren und den eigenen Energieverbrauch zu reduzieren. Alle Unternehmen sind aufgerufen, ökologisch nachhaltig zu wirtschaften. Es gilt nun, die Technologie zu einer Kraft des Guten zu machen, um Klimaneutralität zu erreichen.
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