Bernhard Hecker, Leiter Produktmanagement bei Retarus
IT-DIRECTOR: Jüngst gab Google die Abschaltung seiner Postini-Dienste bis Ende 2013 bekannt. Die von Google angebotene Variante sieht den Umstieg der Postini-Anwender auf Google Apps vor. Welcher Migrationsaufwand ist Ihrer Ansicht nach mit einem solchen Umstieg verbunden?
B. Hecker: Da es sich de facto um eine Migration von einem Serviceprovider zu einem neuen handelt, wird der Aufwand mindestens genauso groß, wie bei jedem anderen Providerwechsel.
IT-DIRECTOR: Inwieweit unterscheiden sich die Funktionen von Google Apps zu den zuvor gebotenen Postini-Lösungen?
B. Hecker: Postini-Kunden erhalten nach einem Wechsel zu Google Apps nur noch einen bedingt unternehmensfähigen Mail-Service. Aus vielen Gesprächen mit Postini-Kunden wissen wir, dass Unternehmen ihre E-Mail-Kommunikation gerne rundum im Griff haben möchten und dass es hierzu professioneller Administrationsmöglichkeiten und aussagekräftiger Monitoring- sowie Reporting-Funktionen bedarf. Ähnliche Funktionen soll es bei Google Apps zwar auch ab 2013 geben, jedoch ist der Funktionsumfang derzeit völlig unklar.
Ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko ergibt sich auch aus der Tatsache, dass jeder Anwender des neuen Dienstes unter Google Apps vollen Zugriff auf unerwünschte Mails haben soll, um etwa seinen Spamfilter zu trainieren. Dies war vorher nicht der Fall und ist zudem äußerst unproduktiv.
Darüber hinaus blockiert der neue Dienst alle E-Mails, die ausführbare Dateien enthalten. Das lässt sich nicht konfigurieren. Das heißt, Unternehmen, die mit Partnern ausführbare Dateien per Mail austauschen müssen, können das nicht. Ein frei konfigurierbarer Attachment-Blocker, der unerwünschte Anhänge abweist oder an eine definierte Mail-Adresse umleitet, wäre hier sinnvoll.
IT-DIRECTOR: Welche Angebote bieten Sie wechselwilligen Postini-Anwendern an?
B. Hecker: Nachdem Postini abgekündigt wird und wir wissen, dass es viele unzufriedene Kunden gibt, bieten wir die eine Alternative mit einem hochwertigen unternehmenstauglichen Service.
Postini-Kunden erhalten bei uns ein Lösungsset für E-Mail-Sicherheit, inklusive Virus Protection, Spam- und Backscatter-Schutz, Attachment-Blocker und Mail Encryption von TLS bis S/MIME. Darüber hinaus unterstützen unsere Managed E-Mail-Services globale Unternehmen bei der Einhaltung von Compliance-Anforderungen, also von nationalen wie international übergreifenden rechtlichen Regelungen sowie internen Policies. Die Datenverarbeitung findet gemäß den jeweiligen lokalen Anforderungen statt, auf Wunsch auch nach europäischen Datenschutzrichtlinien und ausschließlich in deutschen Rechenzentren. Zudem erhalten die Kunden eine administrative Steuerung: Unser webbasierendes mehrsprachiges Administrationsportal bietet granulare Konfigurationsmöglichkeiten auf Domain- und Benutzerebene, leistungsfähige Analysefunktionen sowie ein umfassendes und detailliertes Reporting.
IT-DIRECTOR: Worauf sollten die Verantwortlichen bei der Auswahl eines Alternativangebots vor allem achten?
B. Hecker: Dazu zählen folgende Aspekte:
• Wo findet die Datenverarbeitung bzw. Diensterbringung statt?
• Ist die Datenverarbeitung jederzeit nachvollziehbar und werden die lokalen Datenschutzrichtlinien eingehalten?
• Ist der neue Anbieter mit gültigen Rechtsvorschriften und Compliance-Anforderungen vertraut und unterstützt er deren Einhaltung?
• Werden die Dienste kontinuierlich weiterentwickelt?
• Verfügt der Anbieter über einen rund um die Uhr erreichbaren Support mit persönlichen Ansprechpartnern?
IT-DIRECTOR: Wie würden Sie den Umstieg von Postini auf Ihre eigenen Service-Angebote bewerkstelligen?
B. Hecker: Wir bieten einen sicheren und automatisierten Umstieg. Ehemalige Postini-Kunden müssen lediglich ihre User-Informationen zur Verfügung stellen, den Rest erledigen unsere Messaging-Experten, inklusive der Übernahme aller Domain- und benutzerspezifischen Einstellungen, etwa für Black- und Whitelists und Spam-Schwellenwerte. Wir übernehmen alle individuellen Einstellungen nach Absprache und konfigurieren die Managed E-Mail-Services gemäß Kundenanforderung.
IT-DIRECTOR: Welche Kosten kommen mit dem Umstieg von Postini auf Ihre Lösungen auf die Anwender zu?
B. Hecker: Der Umstieg auf unsere E-Mail-Services, also die Übertragung aller Anwender und deren nutzerspezifischer Einstellungen in unsere Infrastruktur, ist kostenlos. Der Migrationsaufwand – und migrieren müssen Postini-Kunden auf jeden Fall, egal ob zu Google Apps oder einem anderen Anbieter – wollen wir dabei auf ein Minimum reduzieren.