Wenig Angst vor Überwachung

NSA-Affäre bremst Cloud-Markt nur wenig

Der Cloud-Markt in Deutschland wächst, trotz allgemeiner Skepsis, trotz Sicherheitsbedenken, trotz der NSA-Affäre. Aber bleibt das auch so?

Cloud Computing lässt sich nicht aufhalten, auch von der NS-Affäre nicht. Nach aktuellen Daten der Experton Group für den IT-Branchenverband Bitkom wird in diesem Jahr der Umsatz im Business-Bereich um etwa 46% ansteigen.

Die Zahl liegt unter den Erwartungen von 50%, denn einige Cloud-Nutzer haben Projekte auf Eis gelegt oder sich für eine Lösung ohne Einsatz von Cloud Computing entschieden. Doch eine echte Wachstumsbremse sieht anders aus.

„Allerdings ist die Cloud-Technologie so attraktiv, dass es in den kommenden Jahren weiter ein hohes zweistelliges Wachstum geben wird“, meint BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. Bis zum Jahr 2018 der Umsatz mit der Business-Cloud pro Jahr etwa 35 Prozent wachsen, von jetzt 5,4 Milliarden Euro auf rund 19,8 Milliarden Euro.

Es könnte aber sein, dass diese Prognose zu optimistisch ist. Sie setzt voraus, dass die immer noch vorhandenen Sicherheitsbedenken verschwinden. Doch zwei andere Studien ergaben, dass wohl grob die Hälfte der potentiellen Cloud-Anwender vor ihrem Einsatz zurückschreckt.

Dies betrifft außerdem nicht nur die notorisch skeptischen Deutschen. Der Cloud-Dienstleister Canopy stelle in einer internationalen Studie fest, dass die Hälfte der befragten Manager wegen Sicherheitsbedenken nicht in die Cloud investieren will.

Nutzen und Risiken abwägen

In Deutschland ist diese Skepsis etwas ausgeprägter: 58 Prozent der Befragen äußern Zurückhaltung. Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie von Dell, der sogenannte "Global Technology Adoption Index". Hier ging es unter anderem auch um die Cloud und auch hier sieht etwa jeder zweite befragte IT-Entscheider erhebliche Probleme bei der Datensicherheit.

Diese Bedenken halten Unternehmen davon ab, in wichtige Technologien zu investieren. IT-Experten wie Dr. Jürgen Suppan, CEO von ComConsult Research, verstehen zwar die Bedenken, stellen aber fest: Die Unternehmen können der Cloud nicht entkommen.

Cloud-Dienste seien besonders interessant für Unternehmen bis etwa 5000 Mitarbeitern. "Genau für diese Unternehmen ist es in der Regel nicht wirtschaftlich, komplexe Infrastrukturen aufzubauen und diese mit einem 24/7-Betrieb und umfangreichem Personal zu versehen", beschreibt Suppan seine Erfahrungen in einem Newsletter seines Unternehmens.

Es sei keine gute Strategie, Cloud-Technologien aus Sicherheitsgründen abzulehnen. "Natürlich ist Sicherheit wichtig", betont Jürgen Suppan. "Und wer sie ernst nimmt, der hat ein Gesamtkonzept, das Nutzen und Risiken abwägt. Und der hat eine Strategie, die das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter stärkt."

Bildquelle: Klaus Bindernowski / pixelio.de

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