Interview mit Thomas Schröder, Microsoft

Offenheit ist das A und O

Interview mit Thomas Schröder, Direktor Großkunden und Partner sowie Mitglied der ­Geschäftsführung der Microsoft Deutschland GmbH, über offene Cloud-Services und Herausforderungen bei der Windows-7-Migration

Thomas Schröder, Microsoft

Thomas Schröder, Direktor Großkunden bei Microsoft Deutschland

IT-DIRECTOR: Herr Schröder, welche Punkte stehen momentan auf Ihrer To-do-Liste?
T. Schröder:
Ende Juni 2011 haben wir unser letztes Geschäftsjahr sehr erfolgreich abgeschlossen und ein Umsatzplus von mehr als 20 Prozent erreicht. Darauf aufbauend wollen wir das Wachstum auch in diesem Jahr weiter vorantreiben und unsere Cloud-Services sowohl bei Großkunden als auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen positionieren. Hier sehen wir riesige Potentiale, denn nach den Ergebnissen einer IDC-Studie haben mittlerweile über 85 Prozent der Entscheider Cloud Computing auf der Agenda. Allerdings gibt es bei einigen Unternehmen auch technische Bedenken. Daher ist es wichtig, Angebote so zu gestalten, dass der Schritt von der bestehenden Applikationswelt eines Unternehmens hinein in die Cloud einfach, schnell und sicher funktioniert.

IT-DIRECTOR: Welche Cloud-Services fragen Ihre Kunden vor allem nach?
T. Schröder:
Das ist unterschiedlich und hängt meist von der Größe des Unternehmens ab. Sicherlich ist Exchange Online ein großer Treiber für die IT-Verantwortlichen, die eine Standardisierung und kostengünstige Mail-Services suchen. Ein sehr großes Interesse verzeichnen wir bei Office 365. Aktuell testen mehr als 50.000 Organisationen die Online-Services. Das heißt, dass seit dem Start im Juni alle 25 Sekunden eine neue Version aktiviert wurde. Aber auch unsere Dynamics-Lösungen wie Microsoft CRM Online kommen bei unseren Kunden gut an. Generell muss man sagen, das das Zusammenspiel von Microsoft Dynamics und Cloud-Diensten wie Windows Azure oder Office 365 den Erfolg ausmachen, da es unseren Kunden effiziente Business-Lösungen liefert.

IT-DIRECTOR: Welche Cloud-Varianten bevorzugen Groß­unternehmen – die private, public oder hybride Modellvariante?
T. Schröder:
Großkunden klären zunächst die Frage, welche Daten eignen sich für den Betrieb in einer Public Cloud. Welche Daten sollten auf jeden Fall im eigenen Rechenzentrum – also in einer privaten Wolke – vorgehalten werden? Und welche Daten sind bei einem Hosting- oder Outsourcing-Spezialisten mit adäquaten Virtualisierungsmöglichkeiten am besten aufgehoben? IT-Verantwortlichen geht es gar nicht darum, alles in die Cloud auszulagern. Sie untersuchen vielmehr, welche standardisierten Cloud-Services sich effizient für das eigene Unternehmen nutzen lassen. Eine aktuelle IDC-Umfrage zeigt beispielsweise, dass bei rund 20 Prozent der Unternehmen der Weg in die Public Cloud über die Private Cloud führt. In 99,9 Prozent aller Fälle entscheidet sich ein Großkunde dann für einen hybriden Ansatz.

Von Vorteil ist, dass wir in Sachen Cloud Computing der einzige Anbieter sind, der alle Varianten der Wolke anbieten kann – sei es Platform as a Service (PaaS), Infrastructure as a Service (IaaS) oder Software as a Service (SaaS). Und egal welchen Bedarf ein Anwender hat – sei es an Rechenleistung, Speicherplatz, Software oder Datenbankfunktionalität –, wir und unser starkes Partnerökosystem können ihm alles aus einer Hand anbieten.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich Ihre Cloud-Services mit den fast immer vorhandenen heterogenen Systemlandschaften der Anwender in Einklang bringen?
T. Schröder:
Greift man via Internet-Browser auf eine Cloud-Anwendung zu, kann man dies von nahezu jedem webfähigen Arbeitsplatz aus tun. Möchte man seine Cloud-CRM-Lösung jedoch mit einer lokalen ERP-Installation koppeln, muss man vorher klären, welche Hardware und Performance man benötigt und ob die vorhandenen Netzwerkkapazitäten ausreichen.

Generell fördern wir die Interoperabilität unserer Cloud-Services und setzen verstärkt auf offene Standards. Unsere Cloud-Entwicklungsplattform Windows Azure ist ein gutes Beispiel für diese Offenheit, denn viele Applikationen, die heute bereits auf Azure laufen, sind Open-Source-Produkte.

IT-DIRECTOR: Gibt es über das Cloud Computing hinaus ­weitere IT-Lösungen, die Großkunden derzeit verstärkt nachfragen?
T. Schröder:
Ein weiterer wichtiger Trend ist die Konsumerisierung der IT. Dabei geht es um die Einbindung von aktuellen Technologien aus dem privaten Umfeld in die eigene Unternehmenslandschaft – etwa um mobile Applikationen und Endgeräte oder um soziale Netzwerke für die Kommunikation und Kollaboration. Damit kann ein Unternehmen nicht nur effizienter werden, sondern allen Mitarbeitern auch eine attraktive Arbeitsumgebung bieten.

Gerade in Deutschland nimmt die Zahl qualifizierter Wissensarbeiter stetig ab und der Kampf um vielversprechende Talente ist in vollem Gange. In der IT-Industrie muss man sich daher als Unternehmen qualifizieren, um gute Absolventen und Mitarbeiter zu bekommen. Hier hilft die Konsumerisierung der IT dabei, den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen, bestmöglich arbeiten und somit einen Mehrwert für das Unternehmen generieren.

IT-DIRECTOR: Etwas ruhiger ist es um Windows 7 geworden. Inwieweit sind Großkunden bereits auf das neue Betriebssystem umgestiegen?
T. Schröder:
Nach der Markteinführung von Windows 7 im vorletzten Jahr wurde eine riesige Welle losgetreten: Bereits im Juli letzten Jahres wurden weltweit 175 Millionen Lizenzen verkauft. Im Juli 2011 waren es schon 400 Lizenzen. Bei der Verbreitung von Windows 7 spielt auch die Konsumerisierung der IT ein große Rolle: Denn Mitarbeiter, die im Büro noch mit einer Version von Windows XP arbeiten müssen und zuhause bereits Windows 7 nutzen, fordern von ihren IT-Kollegen den Umstieg auf das neue Betriebssystem. Was generell sinnvoll ist, denn Windows 7 arbeitet wesentlich schneller als die Vorgängerversion und besitzt bessere Sicherheitsfeatures sowie einen größeren Funktionsumfang.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns konkrete Zahlen nennen?
T. Schröder:
Laut einer aktuellen IDC-Studie nutzen noch rund 76 Prozent der Unternehmen Windows XP. Dies liegt daran, dass Betriebssystemwechsel in Großunternehmen naturgemäß etwas länger dauern – beispielsweise wenn weltweit mehrere Hunderttausend Desktops dazu parallel ausgetauscht werden sollen. Eine Trendstudie von Finaki ermittelte, dass 45 Prozent der Befragten den Wechsel auf Windows 7 innerhalb der nächsten 24 Monate vollziehen wollen. Die übrigen 55 Prozent planen die Migration ihres Betriebssystems innerhalb der nächsten fünf Jahre.

IT-DIRECTOR: Was hält Unternehmen noch vom sofortigen Umstieg auf Windows 7 ab?
T. Schröder:
Dies hängt beispielsweise mit den Investitionszyklen eines Unternehmens zusammen. Manche Firmen verbinden den Wechsel des Betriebssystems mit dem Austausch ihrer Hardware oder bündeln die Migration mit anderen Updates bzw. Software-Einführungen.

IT-DIRECTOR: Eingesetzte Drittsoftware muss ebenfalls mit Windows 7 kompatibel sein ...
T. Schröder:
Sicher, wobei Windows 7 auch eine Desktop-Virtualisierung bereithält, mit der man unterschiedliche Windows-Betriebssystemstände fahren kann. Damit können Migrationsprojekte vereinfacht und beschleunigt werden, da man ältere Versionen und deren Oberflächen darstellen kann.

IT-DIRECTOR: Wie läuft ein Windows-7-Rollout in der Praxis ab?
T. Schröder:
Einer unserer internationalen Großkunden plante für seinen Windows-7-Rollout eine Projektdauer von 24 Monaten ein. Das klingt zunächst etwas zögerlich, dahinter steckt aber eine straffe Vorgehensweise. Über die rein technische Umsetzung geht ein Rollout stets mit unterstützenden Trainings einher. Denn ein Betriebssystemwechsel beeinflusst jeden User in seiner täglichen Arbeit. Von daher muss man den Nutzern zeigen, wie die neuen Windows- und Office-Oberflächen aussehen und wie sie optimal damit arbeiten können.

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