Innovationsmanagement

Ohne Digitalvorstand keine digitale Transformation

Nur wenige Unternehmen haben einen Digitalvorstand oder einen "Chief Innovation Officer". Kann die digitale Transformation so gelingen?

"Wir wollen Innovationen, aber vorher einen Geschäftsprozess dafür." So ungefähr lautet die Standardreaktion in zahlreichen IT-Unternehmen, wenn neuartige Produkte und Services entwickelt werden sollen. Kurz: Es wird ein Innovationsmanagement eingeführt und gehofft, dass sich damit die gewünschten Neuerungen rasch einstellen.

Leider bleibt es in vielen Unternehmen bei der Hoffnung, wie eine aktuelle Studie des Bundesverbandes der digitalen Wirtschaft (BVDW) herausfand. In der Außendarstellung wollen so gut wie alle Unternehmen Innovation. Doch sie scheint nach innen eher zu den lästigen Alltagshindernissen zu gehören. Motto: "Innovation steht im Mittelpunkt und deshalb im Wege."

Ziele für die digitale Transformation

Die Studie fragte unter anderem nach dem größten Innovationshemmnissen. An erster Stelle (69,4%) steht schlichter Zeitmangel. Aber auch zu geringe finanzielle Mittel (41,8%) und mangelnde Förde­rung durch die Führungsebene (31,6%) behindern das konse­quente Verfolgen von neuen Ideen.

Weitere Innovationsblocker sind fehlendes Fachpersonal (30,6%), mangelnde Offenheit für Neues sowie das Nichtvorhandensein einer entsprechenden Innovationskultur im Unternehmen (26,5%) und dafür fehlende Unternehmens­struk­turen (25,5%).

Da ist es kein Wunder, dass Innovationsmanagement anscheinend eher den Status eines Lippenbekenntnis hat: In der Unternehmensorganisation wird ihm derzeit nur eine geringe Bedeutung beigemessen. So leisten sich gerade einmal 15 Prozent der befragten Unter­nehmen einen eigenen, dedizierten Innovationsmanager.

Eine ähnliche Beobachtung macht eine aktuelle Studie von Forrester Research, nach der nur 15 % der befragten Unternehmen klare Ziele und Visionen für die digitale Transformation besitzen und diese konsequent verfolgen. Häufigste Ursache ist laut dieser Studie das Fehlen eines eigenen Digitalvorstandes, der die digitale Transformation versteht und umsetzen kann.

Ein solcher Vorstand kann letztlich sogar den Unterschied bedeuten zwischen Untergang und Überleben eines Unternehmens in den nächsten Jahrzehnten. "Die Digitalisierung wird kommen und alle Branchen verändern", betont der Hamburger Personalberater Dwight Cribb in seinem Blog, der ebenfalls den "Chief Digital Officer" fordert.

Innovationskompetenz der Mitarbeiter

"Zwar kann keiner genau vorhersagen, wie Geschäftsmodelle in 50 Jahren aussehen. Sicher ist aber, sie werden anders aussehen. Daher müssen Vorstände jetzt Experten an Bord holen, die gemeinsam mit ihnen das Unternehmen in einer digitalen Welt definieren".

Doch Innovationsmanagement und ein Digital- und Innovationsvorstand allein können die Situation nicht verbessern. Als wichtigste Quelle und Ressource für Innovationen gelten für 70 Prozent der vom BVDW befragten Unternehmen die eigenen Mitarbeiter und der Austausch mit ihnen, dicht gefolgt von Wettbewerbs­beo­bachtung und Marktanalysen (64%). Mehr als die Hälfte (55%) misst dem Kundendialog und dem Crowdsourcing eine elementare Rolle bei.

"Beim Innovationsmanagement wird die Kompetenz der Mitarbeiter stark unterschätzt", kritisiert BVDW-Vizepräsident Harald R. Fortmann die Unternehmen. "Aufgabe des Managements ist es, optimale Rahmenbedingungen für ein leistungsstarkes Innovationsmanagement zu schaffen."

Die in allen Ebenen und Bereichen eines Unternehmens entstehenden Innovationen sollten nach Ansicht des BVDW-Experten idealerweise an einer Stelle zusammengeführt werden, die sich ausschließlich um das Thema kümmert. Nur so hat Innovation wirklich Vorrang.

Bildquelle: Matthias Sylupp / pixelio.de

Links:

  • BVDW-Studie zum Innovationsmanagement
  • Forrester-Studie zur Digitalisierung der Wirtschaft
  • Weitere Details zur Studie bei Dwight Cribb

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