Thomas Muhr, Country Manager DACH von Shoretel
IT-DIRECTOR: Herr Muhr, der Einsatz welcher Social Media ist für die interne Kommunikation und Zusammenarbeit in Großunternehmen sinnvoll? Welche sozialen Werkzeuge kann man getrost vernachlässigen?
T. Muhr: In einen guten Marketing-Mix ist es wichtig, alle Kanäle wirksam einzusetzen. Es geht also immer um den Fokus auf die von der Zielgruppe am meisten genutzten sozialen Kanäle. Eine pauschale Antwort ist hierzu kaum möglich.
IT-DIRECTOR: Inwiefern verändert sich durch die interne Nutzung sozialer Tools die Kommunikation unter den Mitarbeitern?
T. Muhr: Die Kommunikation verlagert sich auf Onlinetools, die auch in der Freizeit genutzt werden. Das mag den professionellen Charakter der Unterhaltung etwas aufweichen, die Kommunikation sogar angenehmer empfinden lassen.
IT-DIRECTOR: Welche Vor- und welche Nachteile bringt die Erweiterung um soziale Kommunikationskanäle mit sich (Stichworte: Aufmerksamkeitsverlust durch zu viele Informationen, Mehraufwand durch neue zusätzliche Kommunikationskanäle)?
T. Muhr: Das hängt ganz von dem Anwender und seinem persönlichem Kommunikationsverhalten ab. Fakt ist natürlich, dass eine steigende Anzahl von Möglichkeiten einen gewissen Kontrollverlust bedeutet, gleichzeitig aber auch die Chance, ein weiteres Feld an Interessenten und Teilnehmern zu erreichen.
IT-DIRECTOR: Worauf sollten die Verantwortlichen bei der Erstellung von Nutzerrichtlinien besonders achten?
T. Muhr: Aus meiner Sicht sollten Richtlinien nur erstellt werden, um einen einfachen Umgang mit den neuen Kanälen zu gewährleisten. Reglements in Bezug auf Ethik und Verhaltensweisen sollten schon ganz allgemein in den Unternehmensrichtlinien verankert sein und sich im üblichen sozialen Verhalten sowie der Unternehmenskultur ausprägen.
IT-DIRECTOR: Wie steht es konkret um den Schutz der Privatsphäre der Mitarbeiter bei der Nutzung sozialer Tools – z.B. wenn es um die Erstellung von Mitarbeiterprofilen oder den Nachweis von Know-how bzw. Fachwissen geht? Welche Betriebsvereinbarungen sollten diesbezüglich getroffen werden?
T. Muhr: Die Regeln zur Privatsphäre gelten gleich denen im persönlichen Umgang. Ähnlich dem Thema Ethik und Unternehmenskultur.
IT-DIRECTOR: Wie kann man bei der Kommunikation über interne soziale Kanäle gewährleisten, dass die Mitarbeiter stets den richtigen Ton für ihre jeweiligen Anliegen treffen?
T. Muhr: Das bleibt schwierig durch permanente Kontrolle zu gewährleisten. Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis. Wer möchte diese Kontrolle schon. Erneut – Unternehmensphilosophie und Ethik im sozialen Umgang sind der Schlüssel.
IT-DIRECTOR: Wie können Großunternehmen mit tausenden Mitarbeitern und weltweit verteilten Standorten den Überblick über die Inhalte der internen Foren, Diskussionsrunden, Wikis etc. behalten?
T. Muhr: Das sollte ähnlich der Strukturen der Unternehmen, deren Abteilungen und Teams strukturiert sein. Hier gibt es jeweils Personal- oder Sachverantwortliche, welche eine Führungs- und Managementaufgabe wahrzunehmen haben.
IT-DIRECTOR: Wer sollte die Kontrolle der unternehmensweiten Inhalte übernehmen? Welche Kriterien sollte man hinsichtlich der Inhalte festlegen?
T. Muhr: Das wiederholt sich in Bezug auf die ethischen Themen. Für unternehmensrelevante Themen gibt es die interne Abteilung der Unternehmenskommunikation.
IT-DIRECTOR: Wann sollten bezüglich unerwünschter bzw. kritischer Inhalte Maßregelungen erfolgen? Und inwieweit sollten solche Inhalte wieder gelöscht werden können?
T. Muhr: Sobald die Inhalte den ‚guten Ton‘ verlieren oder sich gegen das Unternehmen und dessen Mitarbeiter oder Ziele richten. Löschen sollte man, was nachhaltig zu Schaden führen kann.