So müssen Dienstleister sein

Partner auf Augenhöhe

Laut Sven Kreimendahl sollte der Dienstleister ein Partner auf Augenhöhe sein und kulturell zum Unternehmen passen. „Dazu zählen Werte, Herangehensweisen und Nachhaltigkeitsziele“, so der Director Business Technology Services bei Campana & Schott im Interview.

Sven Kreimendahl, Campana & Schott

„Remote-Projekte sind und bleiben an der Tagesordnung“, ist sich Sven Kreimendahl von Campana & Schott sicher.

ITD: Herr Kreimendahl, inwieweit hat sich die Corona-Krise auf den Beratungsbedarf deutscher Großunternehmen in Sachen „IT“ ausgewirkt?
Sven Kreimendahl:
Der Beratungsbedarf hat sich durch die Pandemie deutlich erhöht, insbesondere in den Bereichen „Remote Work“ und „Cloudifizierung“. Es standen operative Themen und Resilienz im Vordergrund. Dabei haben Unternehmen ihre strategischen Vorhaben häufig gestoppt und erst in der Mitte von 2021 wieder gestartet.

ITD: In welchen Bereichen haben die Unternehmen derzeit besonders großen Beratungsbedarf?
Kreimendahl:
Im Fokus ist noch die Professionalisierung von Remote Work. Knapp dahinter folgt die Migration von Rechenzentrumsdiensten und herkömmlichen Applikationen in die Cloud. Begleitet wird beides von Security-Initiativen, um die neuen Lösungen abzusichern. Ich stelle jetzt wieder einen Anstieg an strategische Vorhaben fest, welche sich meist um eine stärkere Ausrichtung der IT am Business drehen. Hier besteht dringender Nachholbedarf.

ITD: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl entsprechender IT-Dienstleister/-Berater achten?
Kreimendahl:
Vor allem die fachliche bzw. inhaltliche und manchmal auch visionäre Management-Beratungsleistung über einen längeren Zeitraum ist entscheidend. Hier sollte der Dienstleister ein Partner auf Augenhöhe sein und kulturell zum Unternehmen passen. Dazu zählen Werte, Herangehensweisen und Nachhaltigkeitsziele. Die rein operative Umsetzungsberatung ist dagegen weitgehend standardisiert und meist eine Preisfrage.

ITD: Wie gestalten sich derzeit Vertragsunterzeichnungen in diesem Bereich? Inwieweit können Dienstleisterverträge per E-Signatur erfolgen?
Kreimendahl:
Das ist in der Regel kein Thema, da das Verhältnis zwischen Dienstleister und Kunde vertrauensbasiert ist und meist eine eingescannte Unterschrift in einem PDF-Dokument reicht. Falls in sensiblen Bereichen eine rechtsverbindliche Unterschrift oder digitale Signatur erforderlich ist, besitzen Organisationen die entsprechenden Anwendungen.

ITD: Wie lässt sich in Zeiten von Kontaktbeschränkungen die IT-Beratung durch einen Dienstleister dennoch effizient umsetzen?
Kreimendahl:
Das A und O ist eine sehr gute Vorbereitung von Online-Workshops. Statt wie im Präsenz-Meeting Begriffe auf ein leeres Flipchart zu schreiben, müssen digitale Whiteboards ähnlich wie Präsentationen inhaltlich gut strukturiert werden und selbsterklärend sein. Zudem ist für Auflockerungen durch interaktive Elemente, Raum für Smalltalk und regelmäßige Pausen zu sorgen. Kurze 1:1-Abstimmungen beschleunigen dabei den Fortschritt zwischen den Workshops.

ITD: Worin sehen Sie die Herausforderungen von IT-Beratungen per Videokonferenz im Vergleich zur Beratung direkt vor Ort beim Kunden?
Kreimendahl:
Die größte Herausforderung bei der virtuellen IT-Beratung ist der Erstkontakt mit den Hauptakteuren. Dieser sollte wann immer möglich persönlich stattfinden. Das macht Beratung auf Augenhöhe nicht nur authentischer, sondern auch für beide Seiten einfacher. Ansonsten ist bei Videokonferenzen auf eine gute Bild- und Tonqualität zu achten sowie eine effiziente Durchführung, da sie anstrengender als Präsenz-Meetings sind.

ITD: Welche Stolpersteine mussten Sie zuletzt in IT-Beratungsgesprächen mit Unternehmen bewältigen?
Kreimendahl:
Da die meisten Unternehmen inzwischen Videokonferenzen gewohnt sind, gibt es hier nur noch wenige Schwierigkeiten oder Vorbehalte. Stattdessen stehen inhaltliche Fragen im Mittelpunkt: Wie bekomme ich die IT stabil und sicher, aber gleichzeitig agil und innovativ? Wenn die IT-Organisation verändert werden muss, um näher an das Business zu rücken, wie nehme ich alle Mitarbeiter auf diese Reise mit? Hier sind individuelle Lösungen zu entwickeln.

ITD: Wie sollten sich Dienstleistungs-/Beratungsunternehmen zukünftig aufstellen, um auch in Krisenzeiten problemlos ihre Kunden „bedienen“ zu können?
Kreimendahl:
Remote-Projekte sind und bleiben an der Tagesordnung. Der Umgang damit und mit den entsprechenden Tools ist eine wichtige Arbeitsgrundlage, darauf müssen sich Dienstleister einstellen. In der Management-Beratung geht es darum, den Kunden noch besser zu verstehen und sich mit seinen Zielen auf Augenhöhe auseinanderzusetzen. Bei der Umsetzungsberatung stehen dagegen hohe Standardisierung und Geschwindigkeit im Fokus.

Bildquelle: Campana & Schott

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