Das Unternehmen benötigte eine Lösung für die Mitarbeiter an der Produktionslinie, die umfangreiche Informationen zu den produzierten Flaschen automatisch erfasst.
Knapp 10.000 Mitarbeiter der Gerresheimer AG produzieren jährlich an über 200 Montagelinien weltweit mehr als 15 Milliarden Flaschen und Ampullen für Labore, Pharmaunternehmen und Kosmetikhersteller. Für den Geschäftsbereich Primary Packaging Glass (PPG), der Primärverpackungen für Medikamente und Kosmetika herstellt, beschloss das Unternehmen eine operative Strategie mit umfangreichen Digitalisierungsprojekten, um seine Spitzenposition im Markt auch weiterhin zu behaupten. Sämtliche Prozesse und Anlagen sollten sich zentral steuern, planen und überwachen lassen. Ziel war neben einer höheren Produktivität auch eine nachhaltige Steigerung der Qualität und das Senken des Ausschusses auf ein Minimum. Für Sebastian Wirthmann, Global Director Smart Factory IT Primary Packaging Glass, standen dabei zwei wesentliche Aspekte im Mittelpunkt: „Wir wollten eine Lösung für die Mitarbeiter an der Produktionslinie, die umfangreiche Informationen zu den produzierten Flaschen automatisch erfasst, visualisiert und auswertet. Bei mehr als 200 Montagelinien auf fünf Kontinenten und sehr hoher Produktdiversifikation wollten wir in der Lage sein, unsere Produktion in Echtzeit an sich verändernde Kundenanforderungen anzupassen.“
Vor diesem Hintergrund beschloss das Unternehmen, die bereits genutzte SAP-Landschaft um das Manufacturing Execution System (MES) zu erweitern. Die Implementierung auf Basis von SAP Manufacturing Integration and Intelligence (SAP MII) als zentraler Plattform realisierte Gerresheimer mit dem IT-Dienstleister Syntax. Gemeinsam wurde die digitale Produktionsumgebung aufgesetzt und das neue MES in die vorhandene Enterprise-Resource-Planning-Umgebung (ERP) integriert. Durch die Verzahnung beider Lösungen liefern die Produktionsanlagen jetzt in Echtzeit relevante Informationen an das zentrale ERP-System – und sorgen so für umfassende Transparenz. Es lässt sich erkennen, warum eine Linie bei der Herstellung von Produkt A aktuell mehr Ressourcen verbraucht und beispielsweise einen höheren Ausschuss verursacht als in einem vorangegangenen Produktionsablauf oder im Vergleich zur Fertigung von Produkt B. Zudem werden sämtliche Fehler, Maschinenstörungen und Linienausfälle automatisch erfasst und gemeldet. Und das System vereinfacht die Kommunikation zwischen den Werkern: Statt handschriftlich notierten Hinweisen zwischen den Bereichen und beim Schichtwechsel greifen sie jetzt via PC oder Tablet ganz einfach per App auf das datenbasierte, transparente Netzwerk zu und sehen alle relevanten Informationen auf einen Blick.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Einführung war laut Sebastian Wirthmann die vertikale Integration der IT-Systeme auf verschiedenen Hierarchieebenen zu einer durchgängigen Lösung. „Mit diesem ‚Sensor-to-Boardroom‘-Ansatz sorgen wir dafür, dass sämtliche in der Produktion erhobenen Parameter direkt ausgewertet werden. So können wir die Produktionsabläufe auf Basis dieser Echtzeitdaten mit Analysen von Leistung, Stör- und Laufzeiten und der Gesamtanlageneffektivität (OEE) verbessern.“ Und weil ein solches Projekt nur dann erfolgreich sein kann, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, wurden bei der Umsetzung neben IT, Betriebsrat und der Geschäftsführung auch die Endanwender eingebunden: Sie konnten ihre Erfahrung bei der Anpassung der Benutzeroberfläche einbringen.
Das neue MES trägt seit seiner Einführung jeden Tag dazu bei, die Produktionsabläufe noch transparenter und effizienter zu gestalten. Und auch mit Blick in die Zukunft ist Gerresheimer gut aufgestellt. Denn das System ist als „Datendrehscheibe“ auch Grundlage einer voll vernetzen Produktion – Stichwort „Industrie 4.0“. Damit lässt sich dann erkennen, welcher Produktionsablauf sich im Hinblick auf Qualität, produzierte Menge pro Zeit und in Bezug auf den Medien-, Material- und Rohstoffverbrauch am besten zur Herstellung eines Artikels eignet – und Gerresheimer kommt seinem ambitionierten Ziel einer komplett ausschussfreien Produktion ein Stück näher. Die Einführung des neuen MES ist in jedem Fall ein wichtiger Schritt in diese Richtung, meint Sebastian Wirthmann: „Mit dem MES können wir viel über unsere Produktionsprozesse lernen, vor allem, weil wir die Lösung mit unserem Implementierungspartner nicht nach Schema F, sondern nach unseren speziellen Anforderungen aufbauen konnten. Auf dieser Basis und mit dieser Transparenz können wir noch besser die richtigen Entscheidungen treffen.“
Das 1864 gegründete Unternehmen produziert mit knapp 10.000 Mitarbeitern Flaschen und Ampullen für Labore, Pharmaunternehmen und Kosmetikhersteller. Der Hauptsitz von Gerresheimer befindet sich in Düsseldorf. 2019 verzeichnete die AG einen Umsatz von 1,392 Mrd. Euro.
Bildquelle: Gerresheimer