KassenSichV

„Prüfungen werden ganz sicher kommen“

Im Interview berichtet Stephan Kaup, Geschäftsführer der Consult-SK GmbH, über den Stand der Dinge in Sachen Kassensicherungsverordnung (KassenSichV), ­deren Umsetzungsfrist für Unternehmen kürzlich abgelaufen ist.

Stephan Kaup von Consult-SK

Stephan Kaup von Consult-SK: „Wer Kassen-Software von gängigen Anbietern benutzt, ist in der Regel gut versorgt.“

ITD: Herr Kaup, die Frist zur Umsetzung der KassenSichV ist Ende März 2021 ab­gelaufen. Hatten das die Unternehmen auf dem Schirm oder ist das Thema vor lauter Corona in den Hintergrund gerückt?
Stephan Kaup:
Da gibt es drei Parteien: die ­einen, die sich frühzeitig damit beschäftigt und eine Lösung auf den Weg gebracht ­haben oder sich gerade in der Umsetzung befinden, und die anderen, die darum wissen, es aber ignorieren. Und dann noch diejenigen, die noch nie etwas davon gehört haben, obwohl das Thema „Fiskali­sierung“ seit mehr als vier Jahren in der Presse und in den Verbänden thematisiert wird. Und ja, Corona war auch ein Thema – hier ist der Gesetzgeber den Steuerpflichtigen jedoch durch Fristverlängerungen entgegengekommen.

ITD: Welche Bereiche fallen unter die KassenSichV, die kaum jemand präsent hat?
Kaup:
Das sind die Bar- und Kartenbezahlungen am ­Tresen bei Großhändlern, überraschend für uns waren die Ver- und Entsorger, aber auch der Bereich der Städte und Gemeinden. Und was immer wieder zu Irritationen führt und wo man nicht so richtig weiß, wie man damit umgehen soll, ist das Recht auf Kassennachschau, also die Prüfung vor Ort in der Filiale. Erstaunlich ist auch, dass immer noch nicht alle neuen Pflichtangaben auf dem Bon zu finden sind, wie z. B. die TSE-Informationen (Technische Sicherheitseinrichtung).

ITD: Wie sieht der reale Technologiestand der Dinge zum aktuellen Zeitpunkt bei den Großunternehmen aus?
Kaup:
Wer Kassen-Software von gängigen Anbietern benutzt, ist in der Regel gut versorgt. Schwierig ist es bei Händlern, die auf Individualentwicklungen gesetzt haben und sich dann mit TSE und den gültigen Standards zur Bereitstellung der Prüfungsdaten für das Finanzamt (DSFinV-K) auseinandersetzen. Auch stellen nicht alle ERP-Systeme die Standards bereit. Und das dicke Ende kommt noch: Bei vielen noch offen ist die Frage, wie sie diese Masse an Daten vollständig und revisionssicher über die notwendigen zehn Jahre halten und deren Vollständigkeit gewährleisten wollen.

ITD: Welche weiteren Fragen sind hier ­derzeit noch ungeklärt, z. B. hinsichtlich des Themas „Zertifizierung“?
Kaup:
Wer auf eine Hardware-TSE gesetzt hat, ist jetzt auf der sicheren Seite, hat aber einen sehr hohen Verwaltungsaufwand. Wer auf eine Cloud-TSE gesetzt hat, ist derzeit mit gemischten Gefühlen unterwegs. Da gibt es noch offene Zertifizierungen durch das BSI, auf ­deren Abschluss man sehnsüchtig wartet.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Und zum Schluss noch ein Blick von Ihnen in die Zukunft: Quo vadis KassenSichV?
Kaup:
Die nächsten zwölf Monate werden sicher noch ­benötigt, um bei den Lösungen Stabilität und Routine hineinzubringen. Die ersten Prüfungen werden zeigen, wie gut man vorbereitet hat. Und die werden ganz ­sicher kommen. Ferner ist abzusehen, dass es noch zu weiteren Verschärfungen der An­forderungen kommen wird. Händler, Entsorger und öffentliche Verwaltungen, die auf standardisierte und gleichzeitig hoch flexible Lösungen gesetzt haben, werden mit weiteren Anforderungen keine Schmerzen ­haben.

Bildquelle: Consult-SK

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